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Mittwoch, 07 September 2016 11:59

Italien: Erste Privatbahnen unter Kontrolle der ANSF gestellt

Die drei Bahngesellschaften Ferrotramviaria, Fergargano und Ferrovie Sud Est der Region Puglia sind unter die Kontrolle der Nationalen Agentur für Eisenbahnsicherheit ANSF (Agenzia nazionale per la sicurezza ferroviaria) überführt worden. Dies geht auf eine Parlamentsinitiative des Senator der Bewegung La Puglia in Più, Dario Stefàno, zurück, wie dieser italienischen Medien im Juli und August mitteilte (legge AS 2485).

Die nationale Agentur wurde 2007 unter der Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi geschaffen, um die Sicherheit auf dem nationalen Schienennetz zu überwachen. Sie übernimmt die Zertifizierungen und Zulassungen für Eisenbahnunternehmen und Infrastrukturbetreiber in Italien.

Dario Stefàno, Senator der Bewegung La Puglia in Più, erläuterte sein Gesetz als Folge des Auffahrunfalls zweier Züge der Ferrotramviaria am 12.07.16, der 23 Todesopfer forderte: "Unmittelbar nach der Tragödie von Andria, legte ich einen Vorschlag für ein Gesetz vor, dass der ANSF die Kontrolle für alle Eisenbahnen erteilt, einschließlich der in Konzession betriebenen. Was wir heute festhalten, ist auf jeden Fall ein guter Schritt nach vorn, aber ich denke, der wichtigste Weg bleibt, ein gleiches Maß an Sicherheit und Kontrolle für alle Bahnbetreiber zu erhalten, damit die Bürger sicher reisen können".

Stefanó bemängelte vor dem Parlament, dass es zwei Arten von Zügen gäbe: Die Züge auf dem Hauptnetz von RFI werden im Einklang mit der europäischen Gesetzgebung verwaltet. Daneben gibt es Züge, die über mehr als 3000 km fahren, betrieben von öffentlichen und privaten Eisenbahnen, die in Konzession fahren. Die Unterschiede in den Anforderungen und Sicherheitsstandards sind dem Senator zufolge "nicht mehr tolerierbar".

Zu diesen Bahnbetreibern gehören Ferrotranviaria, die ehemalige Circumvesuviana, Ferrovie della Calabria, Ferrovie Appulo-Lucane, Ferrovie dell'Emilia Romagna, ATAC, Torinese Trasporti, Ferrovie Nord und ARST. Sie fahren unter die Kontrolle des Büros für Spezialtransporte auf Festinstallationen USTIF (Ufficio Speciale Trasporti a Impianti Fissi), einer in sieben Regionalbereiche unterteilten, dem Infrastruktur- und Verkehrsministerium unterstellten Körperschaft.

Beide Verwaltungen weisen unterschiedliche Sicherheitsbestimmungen auf. So gibt es im RFI-Netzwerk zum Beispiel nicht mehr den "Telefonblock" (blocchi telefonici) von 2013, im Gegensatz zu den vom USTIF kontrollierten Linien. Die Züge auf dem von der ANSF abgedeckten Netz müssen die technischen Spezifikationen für die Interoperabilität erfüllen, also europäische Normen. Auf den von der USTIF verwalteten Linien gilt ein Verfahren der Genehmigung, beschrieben durch DPR 753 aus dem Jahr 1980, nach dem auch noch bis zu 50 Jahre alte Züge fahren können.

Auf dem Netz der Ferrotramviaria wurden nach dem Unfall inzwischen der "Telefonblock" abgeschafft und ein neues Betriebssystenm eingeführt (Bacc). Bis Dezember dieses Jahres wird der eingleisige Abschnitt mit Achszählanlagen ausgerüstet, der zweigleisige Ausbau zwischen Corato und Andria wird frühestens in zwei Jahren erfolgen. Bis Ende 2017 wird außerdem die Ausrüstung des zweigleisigen Abschnitts zwischen Ruvo und Corato mit dem Sicherungssystem Scmt (Sistema di Controllo della Marcia del Treno) erwartet.

WKZ, diverse Quellen

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