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Freitag, 22 Dezember 2017 07:10

Frankreich: Auch die SNCF wegen des Unfalls Eckwersheim als juristische Person angeklagt

Am Donnerstag, 21. Dezember, wurde im Rahmen der Untersuchung zur Entgleisung eines Test-TGV bei Eckwersheim nun auch die SNCF als Unternehmen angeklagt. Bei dem Unfall waren elf Menschen ums Leben gekommen. Die Anklage der SNCF erfolgte zwei Tage nach der Anklage gegen ihre Tochtergesellschaft Systra.

Am Ende der zweitägigen Anhörung durch den Untersuchungsrichter wird das öffentliche Unternehmen als juristische Person wegen "fahrlässiger Körperverletzung und Totschlag aufgrund von Ungeschicklichkeit, Leichtsinn sowie Fahrlässigkeit oder Verletzung gegenüber Sicherheitsauflagen" angeklagt, so eine juristische Quelle. Die Verantwortung der SNCF wird insbesondere dadurch hervorgehoben, dass sie "die Fahrweise des Zuges (...) Personen anvertraut hat, die keine Erfahrung mit Geschwindigkeitsüberprüfungen" und dafür keine "angemessene Ausbildung" erhalten haben.

Diese Ankündigung erfolgt zwei Tage nach der Anklage gegen die Tochtergesellschaft Systra der SNCF, die wegen "fahrlässiger Körperverletzung und Totschlag" angeklagt ist.

Am 14. November 2015 entgleiste der TGV-Zug, der auf dem letzten Abschnitt der Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris - Straßburg (LGV) auf Testfahrt war, aufgrund von Geschwindigkeitsüberschreitungen am Eingang einer Kurve in Eckwersheim (Bas-Rhin). Am Tag der Katastrophe befanden sich Angehörige der Testmannschaft einschließlich Kinder unter den 53 Personen an Bord.

Seit zwei Jahren versuchen die Fachrichter der Abteilung "Kollektivunfälle", die strafrechtliche Verantwortlichkeit zu ermitteln und mögliche Fehler bei der Durchführung dieses Prozesses aufzuklären. Im Oktober 2016 haben sie bereits zwei SNCF-Mitarbeiter und einen Systra-Mitarbeiter angeklagt.

Der Bericht der forensischen Experten, der im Oktober eingereicht wurde, wirft auf die SNCF und ihre Tochtergesellschaft ein schlechtes Bild. In ihren Schlussfolgerungen bestätigten sie die These einer "viel zu hohen Geschwindigkeit", die sich aus dem "zu späten Einkuppeln der Bremsanlage" des SNCF-Triebfahrzeugführers auf Anweisung seines Vorgesetzten ergibt. Zuvor war die Unfalluntersuchungsstelle BEA-TT im Mai letzten Jahres zu einer ähnlichen Schlusfolgerung gekommen.

Für forensischen Experten ist der Unfall das Ergebnis einer Kombination aus "Unzulänglichkeiten und schlechten oder gar keinen Entscheidungen", insbesondere aufgrund "mangelnder Strenge bei der Organisation der Versuche" und unzureichendem Risikomanagement.

WLZ, Franz A. Roski, Quelle RTL, Le Monde, AFP

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