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Donnerstag, 16 September 2021 14:00

Italien: Die 880.001 in Primolano

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Von der italienischen Lokomotivbaureihe 880 sind noch zwei Lokomotiven im Einsatz: die 880.001 und die 880.051, wobei letztere schon seit längerer Zeit in Reparatur ist. Die 880.001 wurde 1916 von der in Mailand ansässigen Società Italiana Ernesto Breda (Breda) an die Ferrovie dello Stato (FS) geliefert. Erst 1983 entfernte die FS die damals in Udine stationierte Lokomotive aus ihrem Bestand. Anfang 1987 wurde sie von einer Ellok nach Cittadella geschleppt.

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Die Lokomotive gehört heute der Associazione Società Veneta Ferrovie (SVF) in Primolano, ein am 19. April 2006 gegründeter ehrenamtlicher Verein. Der Name erinnert an die Società Veneta per l'Esercizio di Ferrovie Secondarie, eine private Eisenbahngesellschaft, die einst neben den verstaatlichten Ferrovie dello Stato (FS) zu den größten in Italien gehörte. Als die SVF die 880.001 von Cittadella nach Primolano überführen ließ, war sie noch in erstaunlich gutem Zustand. Nach einer gründlichen Überholung, an der auch Meiningen beteiligt war, wurde die Lokomotive am 18. November 2014 auf dem Landweg zu Lucato Termica in Castelletto Monferrato gebracht, einem Unternehmen, das in der Lage ist, Dampflokkessel zu restaurieren. Die Arbeiten dauerten bis 2017. Am 28. März desselben Jahres kehrte die Maschine nach Primolano zurück. Obwohl der Kessel im Oktober 2019 zertifiziert wurde, darf die Lokomotive noch immer nicht auf Staatsbahngleisen fahren.

In der Zwischenzeit wurden der historische Lokschuppen und die Drehscheibe komplett renoviert. Zusammen mit zwei passenden Wagen (ein Zweiachser vom Typ 1936 und ein sogenannter Corbellini aus 1952) werden gelegentlich Vorführungen auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Primolano durchgeführt. Nur dann kann man die 880.001 (die in der Vergangenheit einige Jahre in Primolano beheimatet war) unter Dampf erleben.

Für dieses Jahr waren zwei Demonstrationstage geplant: der erste fand am 12. September statt, der zweite folgt am 10. Oktober.

Was die SVF erreicht hat, verdient ein großes Kompliment und Unterstützung. Vor allem in Italien mit seinem umfangreichen bürokratischen Apparat erfordert das ein enormes Durchsetzungsvermögen. Es ist zu hoffen, dass die 880.001 irgendwann für Ausflugsfahrten genutzt werden kann. Die Lokomotive befindet sich in einem hervorragenden Zustand.

Nachstehend eine kurze Beschreibung der Reihe 880

Diese hochbeinigen 1'C-Zweizylinder-Tenderlokomotiven mit Heusinger-Steuerung wurden 1914 bestellt und ab 1916 geliefert. Sie waren von der Baureihe 875 abgeleitet, wurden aber mit überhitztem Dampf statt mit Nassdampf betrieben. Aufgrund ihrer relativ großen Treibräder mit einem Durchmesser von 1510 mm und ihrer geringen Achslast waren sie bestens für den Einsatz mit Personen- und Güterzügen auf Nebenstrecken geeignet. Doch gerade deshalb war der Entwurf umstritten. Aufgrund der geringen Größe und der häufigen Starts und Stopps war es fraglich, ob die Vorteile des Heißdampfes voll genutzt werden konnten. Außerdem wurde der Bau einer so bescheidenen Lokomotive mit überhitztem Dampf als zu teuer beurteilt. Die Zweifel erwiesen sich jedoch als unbegründet. Im Gegenteil: Die ersten Versuche verliefen so erfolgreich, dass nach Kriegsende beschlossen wurde, den Bau fortzusetzen.

Bis 1922 lieferte Breda 60 Exemplare mit den Nummern 880.01 - 60 (später 880.001 - 060). Von 1931 bis 1933 kamen durch den Umbau von Lokomotiven der ziemlich unterschiedlichen Baureihe 875 28 Einheiten hinzu. Die ursprüngliche Seriennummer dieser Lokomotiven wurde um 100 erhöht (zum Beispiel 875.002 → 880.102 und 875.117 → 880.217).

Sie wurden von der FS sehr geschätzt. Mehrere von ihnen wurden von der FS an Konzessionsbahnen vermietet.

Aufgrund ihrer Vielseitigkeit wurden sie von der FS, trotz ihrer geringen Leistungskraft, bis in die frühen 1980er Jahre eingesetzt. Sie dienten in ganz Italien mit Ausnahme von Sizilien und Sardinien. Zu den Depots, wo sie in größerer Zahl beheimatet waren, gehörten Cremona, Novara, Cuneo und Udine. Einige 880er sind in Museen oder als Denkmäler erhalten.

Noch etwas über den Bahnhof von Primolano

Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass der Bahnhof Primolano eine wichtige Rolle in der Geschichte spielte. Er wurde im Auftrag der Società Italiana per la Ferrovia della Valsugana (SIFV) gebaut und am 21. Juli 10 eröffnet. Im Jahr 1912 ging der Betrieb des Bahnhofs an die FS über.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Primolano ein internationaler Grenzbahnhof zwischen dem Eisenbahnnetz der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und dem des Königreichs Italien. Alle internationalen Züge endeten hier.

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Letzte Änderung am Donnerstag, 16 September 2021 11:41

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