english

Mittwoch, 03 Januar 2018 07:20

Großbritannien: Das Privatisierungsmodell ist gescheitert

Am ersten Arbeitstag 2018 stiegen die durchschnittlichen Fahrkartenpreise in Großbritannien um 3,4 Prozent - der größte Anstieg seit 2013. Fünfundzwanzig Jahre, nachdem die Tories mit der Privatisierung der britischen Eisenbahn begonnen haben, sind die Bahntarife im Vereinigten Königreich die teuersten in Europa, wobei die Fahrgäste hier sechsmal mehr für Fahrpreise ausgeben als dort. Die britischen Eisenbahnen sind langsamer und überfüllter als die staatlichen Eisenbahnverbindungen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Zeitungen wie "The Independent" oder "The Guardian" sehen das britische Privatisierungsvorhaben in ihren Kommentaren als "gescheitert" an.

Es sei eine sehr merkwürdige Art von "Privatisierung", bei der alle bis auf einen der privaten Bahnbetreiber in Großbritannien mehr öffentliche Subventionen erhalten, als sie an Franchise-Zahlungen zurückzahlen. Die fünf Top-Empfänger der Bahnbeihilfe erhielten zwischen 2007 und 2011 fast 3 Mrd. GBP vom Steuerzahler, wobei sie Gewinne von 504 Mio. GBP an ihre Aktionäre weitergeben konnten. Die Privatisierung der Eisenbahn sei gescheitert. Zitat im Independent: "Es ist an der Zeit, die Absahner zu bremsen und die habgierigen Freibeuter auszuschalten. Es ist an der Zeit, die Schiene als öffentlichen Dienst zu betreiben und nicht für private Zwecke."

Und der Kommentator des Guardian schreibt: "Versuchen Sie, ein Passagier zu sein, falls Sie denken, dass das Privatisierungsexperiment funktioniert - sie zahlen für Aktionärsdividenden mit Fahrpreiserhöhungen und Überbelegung." Großbritanniens marktfreundliches Dogma sei auf Kollisionskurs mit der Realität, und nirgendwo sei dies "lebendiger als in unserem chaotischen Eisenbahnsystem".

Am Vorabend der Privatisierung im Jahr 1993 kündigte John Major, unter Margaret Thatcher Premierminister des Vereinigten Königreichs, einen "besseren, billigeren und effektiveren Service für den Pendler" an. Die Realität laut Guardian heute: "Der miserable Zustand unserer Eisenbahnen ist eine weitere Erinnerung daran, dass das Wirtschaftssystem gescheitert ist - und ersetzt werden muss."

Laut einer Umfrage des Senders Sky sind rund 60% der Briten dafür, das Schienennetz des Landes wieder in öffentliches Eigentum zu überführen, während 20% dagegen sind. Fast drei Viertel der Briten, 73%, sagen, dass der Anstieg der Preise unfair sei. Für die konservative Regierungspartei und ihren Verkehrsminister Chris Grayling könnte die Stimmung wahlbeeinflussend werden.

WKZ, Quelle Guardian, Independent, Sky

Zurück

Letzte Änderung am Mittwoch, 03 Januar 2018 07:44

Nachrichten-Filter