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Freitag, 08 Oktober 2021 12:47

Europäische Union: Connecting Europe Express erreicht nach 20 000 km Fahrt sein Endziel

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Fotos Twitter Jean-Pierre Farandou, CEE-Blog, Gabrielle Ferrandi.

Am 07.10.2021 erreichte der Connecting Europe Express seinen Bestimmungsort Paris nach 36 Tagen Fahrt quer durch Europa – von West nach Ost, von Nord nach Süd und mit einer Stippvisite bei Nachbarn außerhalb der EU. Dieser Sonderzug wurde speziell aus Anlass des Europäischen Jahrs der Schiene 2021 zusammengestellt, um das öffentliche Bewusstsein für die Vorteile des Schienenverkehrs und die noch zu bewältigenden Herausforderungen zu schärfen.

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Der Zug hielt auf mehr als 120 Bahnhöfen, durchquerte 26 Länder, passierte 33 Grenzen und fuhr auf drei verschiedenen Spurweiten.

Die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Adina Vălean sagte: „Der Connecting Europe Express ist ein rollendes Versuchslabor, das in Echtzeit die zahlreichen Erfolge unseres einheitlichen europäischen Eisenbahnraums und unseres TEN-V-Netzes verdeutlicht, die uns ein nahtloses Reisen in der gesamten Union ermöglichen. Ich möchte all jenen meinen herzlichen Dank aussprechen, die uns dabei geholfen haben, den Connecting Europe Express aus einer Idee zur gelebten Wirklichkeit werden zu lassen, mit einer vollgepackten und erlebnisreichen Reiseroute und einprägsamen Begegnungen – mit Gedanken und Menschen – und zu einer echten Lokomotive für die europäische Eisenbahn.“

Andreas Matthä, Vorsitzender der Gemeinschaft der europäischen Bahnen und Infrastrukturgesellschaften (CER) und Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen, erklärte: „Der Connecting Europe Express hat heute zwei Ziele erreicht. Er hat nicht nur seinen Endbahnhof in Paris erreicht, sondern und vor allem die noch bestehenden Herausforderungen im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr vor Augen geführt. Wenn ein weiteres wichtiges Ziel, nämlich der Grüne Deal, ein Erfolg werden soll, dann muss es genauso einfach werden, mit dem Zug durch Europa zu fahren, wie mit einem Lkw. Um das zu erreichen, braucht der Schienenverkehr mehr Kapazitäten und neue Infrastrukturinvestitionen. Die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für die verschiedenen Verkehrsträger zu schaffen. Ich gratuliere und danke allen, die an diesem äußerst erfolgreichen Projekt beteiligt waren.“

Die Abschlussveranstaltung in Paris bot Gelegenheit, erste Schlussfolgerungen vorzustellen, die aus dieser einmaligen Bahnreise gezogen werden können.

• Erstens ist eine wirklich grenzüberschreitende, moderne und hochwertige Eisenbahninfrastruktur die Grundvoraussetzung dafür, dass der Schienenverkehr sein Potenzial voll entfalten kann. Hier sind zweifellos gemeinsame Maßnahmen zur Vollendung des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) erforderlich, um das TEN-V-Kernnetz bis 2030 und das TEN-V-Gesamtnetz bis 2050 fertigzustellen. Die Kommission wird dazu im Laufe dieses Jahres Änderungen an der TEN-V-Verordnung vorschlagen. Am 16. September wurde im Rahmen der Fazilität „Connecting Europe“ (CEF) eine mit 7 Mrd. EUR ausgestattete Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für Projekte für neue, modernisierte und verbesserte europäische Verkehrsinfrastrukturen veröffentlicht. Mittel der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU können verwendet werden, um die Modernisierung und Interoperabilität der Schieneninfrastrukturen sowie wichtige Infrastrukturprojekte wie die Strecke Lyon-Turin, den Brenner-Basistunnel und Rail Baltica zu unterstützen.

• Zweitens müssen die bestehenden Infrastrukturen besser verwaltet und ihre Kapazitäten verbessert werden. Dabei kann die Digitalisierung helfen. So wird beispielsweise die Einführung des Europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystems (ERTMS) dazu beitragen, die Kapazität, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zu erhöhen. Auch durch Forschung und Innovation werden mehr Kapazitäten freigesetzt, und die neue „Europäische Eisenbahnpartnerschaft“ wird auf der erfolgreichen Arbeit von Shift2Rail aufbauen.

• Drittens brauchen wir eine stärkere europaweite Koordinierung und gemeinsame Anforderungen, und der einheitliche europäische Eisenbahnraum muss erweitert werden. So sollten europäische Triebfahrzeugführer ihre Züge über Grenzen hinweg begleiten können, genauso wie Piloten und Lkw-Fahrer. Das 4. Eisenbahnpaket muss nun rasch umgesetzt werden, um andere noch bestehende Hindernisse, die durch nationale Vorschriften entstehen, endlich zu beseitigen und einen offenen und wettbewerbsfähigen europäischen Schienenverkehrsmarkt – technisch, betrieblich und kommerziell – zu schaffen.

• Viertens muss der Schienenverkehr attraktiver werden, damit mehr Menschen und Unternehmen sich für die Bahn entscheiden. Eine Verbesserung des Fahrscheinverkaufs und der Reiseplanungsmöglichkeiten für alle Verkehrsarten wäre ebenso hilfreich wie eine Senkung der Kosten von Bahnreisen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln. Vor diesem Hintergrund wird die Kommission im Dezember einen Aktionsplan zur Förderung des Schienenpersonenverkehrs auf grenzüberschreitenden Fernstrecken vorschlagen.
Hintergrund

Der Connecting Europe Express ist ein gemeinsamer europäischer Erfolg – ermöglicht durch die Mitwirkung nationaler, regionaler und lokaler Behörden, der Gesellschaft insgesamt und natürlich des Eisenbahnsektors, von neuen Marktteilnehmern und etablierten Unternehmen bis hin zu Infrastrukturbetreibern und Zulieferindustrie. Dazu taten sich mehr als 40 Partner aus der Branche zusammen, um einen österreichischen Schlafwagen mit einem italienischen Speisewagen, einem schweizerischen Panoramawagen, einem deutschen Sitzwagen, einem französischen Konferenzwagen und einem ungarischen Ausstellungswagen zu kombinieren. Vervollständigt wurde der Normalspurzug durch einen iberischen und einen baltischen Zug. Der Eisenbahnverband CER koordinierte die technischen und betrieblichen Aspekte der Züge zwischen den 40 beteiligten Eisenbahnunternehmen.

Während seiner gesamten Reise fanden in dem Zug mehrere Konferenzen und eine mobile Ausstellung statt, und es wurden Schulklassen, Politiker, Interessenträger und andere Bürger an Bord begrüßt. Entlang der Strecke wurden weitere Konferenzen und Begrüßungsveranstaltungen organisiert, und Bahnhöfe, an denen der Zug hielt, waren Austragungsorte wichtiger Veranstaltungen wie des informellen Treffens der Verkehrs- und Energieminister in Brdo (Slowenien) und des ersten Westbalkan-Schienengipfels in Belgrad. Zudem konnten die Fahrgäste in Deutschland in Halle an der Saale den Beginn der Ära der digitalen automatischen Kupplung (DAK) für Güterwagen sowie in Luxemburg den intermodalen Verkehr am Terminal Bettemburg verfolgen.

Pressemeldung EU

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