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Samstag, 09 Oktober 2021 16:00

Polen: Führerstandmitfahrt auf einer Lokomotive "GAMA" von PESA

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Im Rahmen einer Recherchearbeit über neue Lokomotiven für den polnischen Markt lud uns das polnische Eisenbahnverkehrunternehmen "Koleje Mazowieckie" am 29. September 2021 zu einer   Führerstandmitfahrt auf einer ihrer Lokomotiven der Baureihe "GAMA" ein. Bei diesen Lokomotiven, welche von PESA gefertigt werden, handelt es sich um vierachsige Lokomotiven mit  Asynchron-Drehstrommotoren, welche eine Leistung von bis zu 5.600 kW erbringen und maximal 160 km/h erreichen.

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Die Anreise erfolgte von Lüneburg mit IC / ICE nach Berlin, mit kurzem Aufenthalt in Berlin, wo wir uns der Karl Marx Allee widmeten, mit ihren historischen Häusern und der alten Straßenbeleuchtung. Das ist für uns Berlin, nicht die neuen Hochhäuser und den Kiez mit seinen Touristenfallen. Unser "Berlin - Warszawa - Express" fuhr mit 10 Minuten Verspätung in Berlin Hbf ab.

Am 15.04.14 wurden von KM zwei Lokomotiven "GAMA" beim vorgenannten Hersteller geordert, welche im Sommer 2015 sodann geliefert wurden. Zum Einsatz kommen diese Maschinen vor Doppelstockzügen auf der ca. 105 Kilometer langen Strecke von Warszawa nach Radom, einem Teil der Hauptachse nach Krakow. Unsere Lok wurde vor dem "RADOMIAK" No. 12132 / 3 von Warszawa Wschodnia, Abfahrt 16:36 Uhr, eingesetzt.

Der Triebfahrzeugführer begrüßte uns in deutscher (!) Sprache, er erklärte uns die Technik der Lokomotive und ging besonders auf die Displays im Führerstand ein. Dieser zeigte sich sehr aufgeräumt und übersichtlich. Wir stellten dem Lokführer mehrere Fragen in Bezug auf das bei den polnischen Eisenbahnen übliche Stromsystem (3.000 Volt Gleichstrom) und die Zugsicherungssysteme. Dann unterhielten wir uns über die Bauarbeiten , welche derzeit auf vielen Bahnstrecken in Polen stattfinden, zwecks Erhöhung der Geschwindigkeiten, als auch die Schaffung von Mehrkapazitäten und der Modernisierung von Oberleitungs- und Signaltechnik. So befindet sich auch die Strecke nach Radom im Ausbau, derzeit können hier nur 120 km/h maximal gefahren werden, abschnittsweise liegt hier auch nur ein Gleis.

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Die Lokomotive ist von innen sehr leise und die Federung empfanden wir sehr angenehm, eine Besonderheit ist auch das vorhandene WC im Maschinenraum für den Lokführer oder die Begleitperson. Wir merkten jedoch, dass der Ausbau der Unterwerke (Speisung der Fahrleitungen) noch nicht komplett abgeschlossen ist, so kam es während der Fahrt zu Spannungsschwankungen, welche sogar einmal den Hauptschalter auslöste (Spannung unter 2,1 kV).

Aufgrund mehrerer Züge vor uns, war die Stromaufnahme unserer Lokomotive begrenzt, die Leistung entsprechend verringert. Plötzlich jedoch war die Fahrdrahtspannung wieder in Normalbereich und der Lokführer konnte den Zug wieder planmäßig auf die Streckenhöchstgeschwindigkeit beschleunigen. Im Chynów endete unsere Fahrt um 17:26 Uhr. Wir bedankten uns beim Lokomotivführer herzlich für die vielen erhaltenen Informationen und wünschten noch einen ruhigen Dienst.

Ein paar Minuten später brachte uns ein Regionalzug der Baureihe "ED57" von KM wieder zurück nach Warszawa.  

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Warszawa ist eine pulsierende Metropole, viele Hochhäuser dominieren mittlerweile die Stadt. Nahverkehr ist sehr günstig, so kosteten 2 Tickets für 72 Stunden gerade mal 24,78 Euro. Metro und Tram werden gerade mit neuen Fahrzeugen ausgestattet, dennoch fanden wir alte Trams von Konstal (1973) und Metro Züge aus sowjetischer Produktion (81.xxx "Metrowagonmash") vor.

Unsere Reise endete nach 4 Tagen, die Rückfahrt fand störungsfrei statt. Polen war für uns sehr eindrucksvoll, die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, trotz Covid 19-Beschränkung, hat uns sehr imponiert. Zünftiges Essen zu vernünftigen Preisen ist auch in einer Millionenstadt wie Warschau möglich.

Wir bedanken uns herzlich bei:

• Koleje Mazowieckie für die Ermöglichung der Führerstandmitfahrt
• "Mr. Watermann" für die Bewirtung im Berlin - Warszawa-Express
• "Mr. Desinfection Man" für die vorbildliche Sauberkeit in den Zügen

Guido Bieniek & Michelle Baumgartner

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