english

Montag, 11 Oktober 2021 08:00

Großbritannien: Ende Oktober soll der Integrierte Eisenbahnplan veröffentlicht werden

leeds station ticket barriers 19 09 08tpe nova 3 liv sca york 1 19 09 06
Fotos Rüdiger Lüders.

Die Verzögerungen bei der Veröffentlichung des Integrierten Eisenbahnplans, die ursprünglich für Anfang 2021 vorgesehen war, haben die Begeisterung über die von der Regierung versprochene "Infrastrukturrevolution" gedämpft. Dabei scheint die Zukunft der großen britischen Eisenbahnprojekte, insbesondere HS2 Phase 2b und Northern Powerhouse Rail gefährdet.

lner 800104 ic lds kgx wakefield=w1 19 09 08nt 156428 xc 43321 wakefield=w2 19 09 08

Durch das Verkehrsministerium (DfT) war der Integrierte Eisenbahnplan seit längerer Zeit für die Veröffentlichung zusammen mit der Haushaltsberatung im Parlament am 27. Oktober vorgesehen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums erklärte dazu: "Der Integrierte Eisenbahnplan wird in Kürze genau darlegen, wie die großen Eisenbahnprojekte, einschließlich der HS2-Phase 2b und anderer Umgestaltungsprojekte wie Northern Powerhouse Rail, zusammenarbeiten werden, um die zuverlässigen Zugverbindungen bereitzustellen, die die Fahrgäste im Norden und in den Midlands brauchen und verdienen."

Der Inhalt des Plans ist in den letzten Tagen ebenfalls deutlicher geworden, nachdem auf dem Parteitag der Konservativen Anfang der Woche mehrere Hinweise gegeben wurden. Premierminister Boris Johnson gab in seiner publikumswirksamen Rede am letzten Tag des Parteitags den größten Hinweis auf das, was noch kommen wird, als er sagte: "Wir werden das Northern Powerhouse Rail umsetzen: "Wir werden Northern Powerhouse Rail machen". Johnson erwähnte jedoch nicht, wann, wie und in welcher Reihenfolge das Projekt realisiert werden soll. Die regionale Verkehrsbehörde Transport for the North hat der Regierung einen bevorzugten Plan vorgelegt, um die großen Städte im Norden, darunter Leeds, Manchester, Newcastle, Sheffield und Hull, zu verbinden.

Vielleicht noch wichtiger ist, dass Johnson während des Parteitags nicht erklärt hat, was das Engagement für Northern Powerhouse Rail für das andere große Eisenbahnprojekt des Landes, die neue Schnellbahnstrecke HS2, bedeutet. Tatsächlich hat Johnson die größte Infrastrukturinvestition der Regierung während seiner Grundsatzrede nicht ein einziges Mal erwähnt. Gerüchte, dass der östliche Abschnitt des HS2-Projekts, die sog. Phase 2b, gestrichen werden soll, kursieren schon das ganze Jahr über, nachdem die Nationale Infrastrukturkommission gefordert hatte, dem westlichen Abschnitt Vorrang einzuräumen.

Verkehrsminister Grant Shapps hatte in einem Interview mit der Financial Times am Vorabend des Tory-Parteitags bereits mehr oder weniger bestätigt, dass der östliche Streckenast von HS2 in ihrer jetzigen Form gestrichen werden soll. Shapps erklärte, dass die 40 Milliarden Pfund teure HS2-Osterweiterung gegenüber anderen Eisenbahnprojekten in Nordengland in den Hintergrund treten muss. Er fügte hinzu, dass der ursprüngliche Vorschlag "den Menschen nicht mehr zugute kommt" und dass die Regierung "nicht blind einem Plan folgen wird, der vor 15 oder 20 Jahren erfunden wurde".

Der Geschäftsführer des Verbands der Eisenbahnindustrie Railway Industry Association (RIA), Darren Caplan, betonte, dass der Integrierte Eisenbahnplan keine Projekte gegeneinander ausspielen sollte, die eine "Entweder-Oder"-Entscheidung erzwingen. Er sagte: "Der Verband der Eisenbahnindustrie wird eindeutig eine feste Zusage für die vollständige Umsetzung von HS2 - einschließlich des östlichen Abschnitts - sowie weitere Einzelheiten zu Northern Powerhouse Rail, dem Transpennine Route Upgrade und dem Midlands Rail Hub fordern. Das Vereinigte Königreich braucht alle diese langfristigen Vorhaben, wenn die Bahn eine führende Rolle für das künftige britische Wirtschaftswachstum, die Angleichung der Lebensverhältnisse, grüne Arbeitsplätze, Investitionen und nationale und regionale Verbindungen von Weltrang spielen soll."

Bereits Anfang letzter Woche hatte Verkehrsminister Grant Shapps einen Wettbewerb angekündigt, um den Standort für den Sitz der neuen Eisenbahnverwaltung Great British Railways (GBR) zu finden. Daraufhin will sich die Stadtverwaltung von York um den Standort der Zentrale der GBR bewerben. Der Vorsitzende des Stadtrats, Keith Aspden, sagte, es sei "absolut sinnvoll", dass Great British Railways sich dort niederlassen. Herr Aspden und der Vorsitzende des Grafschaftsrats von North Yorkshire, Carl Les, hatten sich bereits Anfang des Jahres schriftlich an Verkehrsminister Shapps gewandt, um das Potenzial von York hervorzuheben. Bereits heute bietet York 5.000 Arbeitsplätze im Bahnbereich, u.a. bei den Bahngesellschaften LNER, Northern Railway and Grand Central. Network Rail beschäftigt 1.000 Mitarbeiter in York und betreibt dort ein regionales Ausbildungszentrum.

RL, WKZ; Quellen: BBC, New Civil Engineer, Financial Times

Zurück

Nachrichten-Filter