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Freitag, 15 Oktober 2021 09:30

Großbritannien: Freightliner stellt Elloks ab, nachdem die Strompreise extrem gestiegen sind

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Fotos Rüdiger Lüders.

Als deutliches Signal an die Regierung hat die britische Bahngesellschaft Freightliner, zweitgrößter Schienengüterverkehrsbetreiber in Großbritannien, jetzt bekanntgegeben, dass sie ab sofort auf den Einsatz von elektrischen Lokomotiven verzichtet. Begründet wird die Maßnahme mit den in den letzten Monaten extrem gestiegenen Preisen für elektrische Energie.

Ein Sprecher von Freightliner erklärte: "Aufgrund der steigenden Preise auf dem britischen Stromgroßhandelsmarkt ist der Preis, den Network Rail uns für den Betrieb elektrischer Zugverbindungen berechnet, zwischen September und Oktober um mehr als 210 Prozent gestiegen. Dieser beispiellose Anstieg der Strompreise hat zu einem starken Anstieg der Kosten für den Betrieb elektrischer Güterzüge geführt. Infolgedessen hat Freightliner die schwierige Entscheidung getroffen, elektrische Güterzüge vorübergehend durch dieselbetriebene zu ersetzen, um eine kosteneffiziente Option für den Transport lebenswichtiger Güter und Lieferungen im Vereinigten Königreich zu erhalten."

Die erst vor wenigen Monaten übernommenen 23 Lokomotiven der Class 90, die zuvor im Reisezugdienst von Greater Anglia verkehrten, sind jetzt ebenso wie die noch im Reservebestand vorhandenen Lokomotiven der Baureihe 86 abgestellt. Freightliner war bisher bestrebt, mehr elektrische Lokomotiven auf den Strecken einzusetzen, um die Kohlendioxidemissionen weiter zu reduzieren und die bereits vorhandene Umweltfreundlichkeit des Schienengüterverkehrs zu verbessern. Selbst mit einer Diesellokomotive reduziert jede Tonne Fracht, die auf der Schiene statt auf der Straße befördert wird, die Emissionen um 76 Prozent. Im elektrisch betriebenen Güterverkehr können die Emissionen sogar um bis zu 99 % gesenkt werden.

"Die kurzfristige Abschaffung von Elektrolokomotiven in unseren Zügen widerspricht unserer bevorzugten Strategie und steht im Widerspruch zu den Dekarbonisierungszielen der Regierung, doch die hohen Energiekosten lassen uns keine andere Wahl," betonte Freightliner in einer Presseerklärung. "Wir sind allerdings zuversichtlich, dass Network Rail und die Regierung eine Lösung finden werden, die verhindert, dass der elektrische Güterverkehr vom Netz genommen wird, und die es uns ermöglicht, den elektrischen Betrieb wieder aufzunehmen."

Die Bahngewerkschaften reagierten besorgt auf die Ankündigung von Freightliner. Die Verkehrsgewerkschaft RMT warnte, dass die Strompreiserhöhung den Schienengüterverkehr zerstören und den Verbrauch von schmutzigem Diesel in die Höhe treiben lasse. "Da die (Weltklimakonferenz) COP26 näher rückt, muss die Regierung eingreifen, um dieses Gemetzel an unseren Eisenbahnen zu stoppen", sagte der Generalsekretär der RMT, Mick Lynch. "Angesichts des bereits in Aufruhr befindlichen LKW-Gewerbes und der drohenden leeren Regale zur Weihnachtszeit sollten wir die Nutzung des Schienengüterverkehrs fördern und ihn nicht mit Elektrizitätsabgaben in die Knie zwingen, welche die Rechnungen der Schienengüterverkehrsunternehmen um einige Millionen Pfund erhöhen werden."

Die Lieferketten in Großbritannien sind tatsächlich bereits stark belastet. Die Spediteure haben Schwierigkeiten, Fahrer zu finden, und die Geschäfte wiesen überall Lücken in ihren Regalen auf. Nach der Pandemie, dem Lockdown und den Problemen bei der Versorgung mit Benzin und Diesel wurde die britische Regierung nun auch für ihren Umgang mit dieser jüngsten Krise heftig kritisiert.

RL, GK, WKZ; Quellen: Translogistics, RMT

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