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Freitag, 19 November 2021 08:00

Großbritannien: Der "Integrierte Eisenbahnplan" der Regierung liegt jetzt vor

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Fotos Regierung.

Der seit Monaten erwartete "Integrierte Eisenbahnplan" des britischen Verkehrsministeriums wurde jetzt endlich veröffentlicht. Die langfristge Strategie zum Ausbau des Eisenbahnnetzes in Großbritannien einschließlich der Projekte von nationaler Bedeutung wie HS2 und "Northern Powerhouse Rail" ist darin beschrieben.

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In einem Vorwort zu dem Plan erklärte Premierminister Boris Johnson, es sei "klar, dass die Pläne, die erstmals vor 11 Jahren erstellt wurden, inzwischen geändert werden mussten", während "einige der Annahmen, auf denen diese Pläne basieren, sich durch die Pandemie geändert haben".

Heftige Kritik an dem jetzt vorgelegten Plan kam sofort von der Opposition im Parlament und von vielen Politikern aus Nordengland. Der "Schattenminister" und Verkehrsexperte der Labour-Partei, Jim McMahon betonte, dass Nordengland im "Integrierten Eisenbahnplan" von Grant Shapps nicht nur vergessen, sondern "komplett ausverkauft" worden sei. Selbst der Tory-Abgeordnete Robbie Moore aus Bradford erklärte, er sei "zutiefst enttäuscht" über den Plan, der seine Wähler "völlig übervorteilt" habe und sagte weiter: "Wir sind eine der sozial schwächsten Gegenden des Vereinigten Königreichs und müssen dringend eine bessere Verkehrsanbindung erhalten."

Die Kernpunkte des Plans beinhalten folgende Maßnahmen:

• HS2: Die Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 wird in Richtung Nordwesten gebaut, doch der östliche Abschnitt (Phase 2b) von Birmingham nach Sheffield und Leeds über die östlichen Midlands hinaus ist gestrichen. Ebenso wird auf einen neuen Knotenbahnhof "East Midlands Hub" bei Nottigham verzichtet.

• Northern Powerhouse Rail: Anstelle einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Manchester und Leeds ist nur eine Modernisierung und Elektrifizierung der bestehenden Strecken in sieser Region vorgesehen.

• Midlands Mainline: Die Elektrifizierung der Midlands-Magistrale war bereits begonnen, wurde aber 2017 eingestellt. Diese Strecke zwischen London und Sheffield wird nun endlich vollständig elektrifiziert, und es werden weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Geschwindigkeit und Kapazität durchgeführt.

• Reform des Fahrscheinverkaufs: Finanzierung in Höhe von 360 Mio. GBP (ca. 430 Mio. EUR) für die landesweite Einführung von kontaktlosen Fahrscheinen und integrierten Tarifen nach Londoner Vorbild, die einige Bus- und Straßenbahnnetze einschließen sollen.

Auch von Gewerkschaften und anderen Interessengruppen wurde starke Kritik am "Integrierten Eisenbahnplan" der Regierung geäußert. Die Eisenbahngewerkschaft RMT bezeichnete heute den lange verzögerten Plan als "historischen Verrat an den Menschen im Norden". Das 162-seitige Dokument bestätigt, dass der östliche Abschnitt des HS2-Projekts komplett gestrichen und das sog. "Northern Powerhouse Rail" so gut wie abgesagt wird.

Der Generalsekretär von RMT, Mick Lynch, erklärte: "Dieser Plan wird zu einer drastischen Verringerung der Bahnkapazitäten führen, die durch die HS2-Oststrecke und "Northern Powerhouse Rail" geschaffen worden wären - Kapazitäten, welche einen großen Beitrag zur Erfüllung der Klimaschutzverpflichtungen des Vereinigten Königreichs und zur Schaffung von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen bei unseren Eisenbahnen und in der gesamten Lieferkette geleistet hätten."

Rüdiger Lüders, GK, WKZ, Quellen: GOV.UK, BBC, Guardian, Policyforum, RMT

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