Diese Seite drucken
Freitag, 12 Januar 2018 07:15

Spanien: Wettbewerbsbehörde regelt Lokführerausbildung der Renfe zugunsten privater Wettbewerber

Die spanische Wettbewerbskommission CNMC (Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia) hat am 10.01.18 eine Entschließung veröffentlicht, in der dem staatlichen Bahnbetreiber Renfe eine Reihe von Bedingungen auferlegt wird, die sicherstellen, dass private Unternehmen, die mit ihr im Güterverkehr konkurrieren, über ausreichende Lokführer verfügen und ihre Dienstleistungen gleichberechtigt anbieten können. Renfe beschäftigt derzeit 97% der Lokführer in Spanien.

renfe

Entwicklung der Tätigkeit alternativer Eisenbahnunternehmen (Nettotonnen). Grafik CNMC.

Die Vereinigung der privaten Bahnbetreiber AEFP (Asociación de Empresas Ferroviarias Privadas (AEFP), die die Mehrheit der Wettbewerber von Renfe auf dem Güterverkehrsmarkt repräsentiert - der Personenverkehrsmarkt ist in Spanien noch nicht liberalisiert -, beschwerte sich beim CNMC über die Situation, die Renfe geschaffen hatte.

Der CNMC hat bestätigt, dass RENFE 2012 die Ausbildung von Lokführern eingestellt hat, die Voraussetzung für die Ausübung dieses Berufes ist. Die Ausbildung wurde erst 2016 wieder aufgenommen, aber Renfe stellte schon 2015 neue Lokführer ein und sorgte für Übertritte von Lokführern konkurrierender Unternehmen. Die Angebote der Renfe boten den Triebfahrzeugführern der Wettbewerber die Vorteile von Verträgen des öffentlichen Rechts, mit denen die Konkurrenten nicht mithalten können.

Diese Rekrutierungspolitik führte dazu, dass die Wettbewerber von Renfe diese Verluste nicht ausgleichen konnten und erhebliche Personalverluste hinnehmen mussten. Auf diese Weise wurde auch die Möglichkeit, den Kunden alternative Frachtdienste durch die Wettbewerber anbieten zu können, ernsthaft beeinträchtigt. Der Marktanteil der Renfe-Konkurrenten sank von 32,4% im Jahr 2015 auf 3,3% im Jahr 2016 aufgrund fehlender Triebfahrzeugführer.

Angesichts der Bedeutung der Triebfahrzeugführer für die Entwicklung der Tätigkeit privater Unternehmen und des Bedarfs, den Renfe für die kommenden Jahre erwartet, hat der CNMC die folgenden Maßnahmen angeordnet:

• Renfe muss den Eisenbahnunternehmen, Ausbildungszentren und dem CNMC jährlich (vor dem 31. Januar) die bestmögliche Schätzung des Bedarfs an Fahrpersonal, einschließlich möglicher Ausbildungsprogramme, für einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren mitteilen. Auf diese Weise können sich die übrigen Unternehmen auf mögliche Verlagerungen im Personalangebot einstellen und ihre Ausbildung anpassen.

• Renfe garantiert, dass in ihren Stellenausschreibungen für das Fahrpersonal der Zeitraum zwischen der Veröffentlichung und der ersten Prüfung mindestens drei Monate beträgt.

• Der für Renfe unangenehmste Punkt ist derjenige, der das öffentliche Unternehmen anweist, disktiminierungsfrei und auf eigene Kosten einen Großkundenservice an Lokführern für drei Monate für diejenigen anzubieten, die an Renfe über 20 % ihres Personals verloren haben.

Diese Regeln stoßen auf schweren Protest der Renfe. In diesem Zusammenhang weist das Unternehmen unter dem Vorsitz von Juan Alfaro darauf hin, dass es Renfe "nicht möglich ist, einen Traktionsgroßhandelsmarkt zu bedienen, da das Unternehmen seine Produktionskapazitäten an die eigenen Bedürfnisse angepasst hat".

WKZ, Quelle CNMC, Cinqo Dias

 

Zurück