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Montag, 15 Januar 2018 11:10

Großbritannien: Virgin Trains verkauft wieder den Daily Mail

srbr

Foto Virgin Trains.

Vor wenigen Tagen hatte Virgin Trains angekündigt, die Tageszeitung "Daily Mail" nicht mehr in den "On-board-shops" seiner Züge zum Kauf anzubieten. Das Boulevardblatt passe nicht zu den Einstellungen von Virgin, z.B. hinsichtlich Migration, LGBT, Brexit und Arbeitslosigkeit.

Die Zeitung antwortete mit dem Vorwurf der Zensur, während gleichzeitig der Steuerzahler das East-Coast-Franchise von Virgin retten müsse und die Ticketpreise trotzdem immer weiter stiegen. Auch Außenminister Boris Johnson kritisierte die Entscheidung als absurd und zensurierend.

Heute (15.01.2018) erklärte Sir Richard Branson, nach Gesprächen mit dem Virgin-Mehrheitseigentümer Stagecoach zum Schluss gekommen zu sein, den Bahnreisenden die freie Wahl zu überlassen, was für Zeitungen sie kaufen wollen. Die "Daily Mail" werde deshalb auch weiterhin in Virgin-Zügen angeboten.

"Redefreiheit, Wahlfreiheit und Toleranz gegenüber unterschiedlichen Meinungen sind die Grundprinzipien jeder freien und offenen Gesellschaft - deshalb haben wir uns entschlossen, die Entscheidung von Virgin Trains über The Daily Mail zu überdenken".

In seinem Block auf der Homepage von Virgin erklärt Sir Richard Branson: 

"Die Entscheidung (den Daily Mail nicht mehr anzubieten) wurde aufgrund des Feedbacks einiger unserer Virgin Trains-Mitarbeiter getroffen. Brian (Brian Souter, Stagecoach) und ich respektieren unsere Mitarbeiter, wenn sie Entscheidungen treffen, und wir hören uns ihre Ansichten an. Das ist die Art und Weise, wie wir unsere Unternehmen immer geführt haben. 

Aber wir müssen uns auch die Bedenken anhören, die in dieser Woche in weiten Kreisen geäußert wurden - von denen, die mit der redaktionellen Haltung von The Mail einverstanden sind, und von denen, die ihr vehement widersprechen -, dass dieser Schritt als Zensur angesehen wurde.

Redefreiheit, Wahlfreiheit und Toleranz gegenüber unterschiedlichen Meinungen sind die Grundprinzipien jeder freien und offenen Gesellschaft. Während Virgin Trains immer gesagt hat, dass es den Passagieren freisteht, welche Zeitung sie an Bord der Westküstenzüge lesen wollen, ist es klar, dass die Entscheidung, The Mail nicht mehr zu verkaufen, diesen Prinzipien nicht gerecht wurde.

Brian und ich sind uns einig, dass wir niemals so gesehen werden dürfen, dass wir das, was unsere Kunden lesen wollen, zensieren und ihre Wahlfreiheit beeinflussen. Wir dürfen auch nicht als Moralapostel für andere gesehen werden. Stattdessen sollten wir uns für die Werte einsetzen, die uns am Herzen liegen, und sie öffentlich verteidigen, wie ich es mit The Mail in vielen Fragen über die Jahre hinweg getan habe.

So haben Brian und ich unser Team bei Virgin Trains angewiesen, diese Entscheidung zu überdenken und die Daily Mail wieder auf Lager zu nehmen, während sie eine vollständige Überprüfung ihrer Verkaufspolitik vornehmen, wobei sie klargestellt haben, dass diese Politik nicht einzelne Medientitel herausgreifen sollte."

GK

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Letzte Änderung am Montag, 15 Januar 2018 11:33

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