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Mittwoch, 17 Januar 2018 07:15

Schweiz: Initiative Bodensee-S-Bahn kritisiert geringe Berücksichtigung der Bodenseeregion beim Ausbauschritt der Bahninfrastruktur 2030/35

Der Bund plant die nächsten beiden Ausbauschritte für das Schweizer Eisenbahnnetz bis zum Jahr 2035. In ihrer Stellungnahme zur Vernehmlassung kritisiert die „Initiative Bodensee-S-Bahn“, dass den Nordostschweizer Kantonen am Bodensee nur 3 Prozent der seit 1990 bewilligten Kredite von 34 Milliarden Franken für 11 Prozent der Schweizer Bevölkerung zugeteilt wurden. So wenig ist heute für die Nordostschweiz auch von den 52 Milliarden Franken für die vom Bund berücksichtigten Kreditbegehren der nächsten Jahrzehnte vorgesehen.

Am Bodensee ist nicht einmal die 271 km lange Hauptbahnlinie Chur – Sargans – Rorschach – Konstanz – Singen – Schaffhausen – Basel durchgehend doppelspurig. Der Ausbau weiterer, einspuriger Hauptbahnlinien kommt in der Ostschweiz ebenso zu kurz wie der Ausbau der Engpässe auf der Strecke Winterthur – St. Gallen. Werden sich jetzt die Nordostschweizer Kantone für einen höheren Anteil einsetzen? Wird der Bund in Zukunft übermässige Projekte zurückbinden und mit dem gesparten Geld die Qualität und das Potential in seinem ganzen Eisenbahnnetz verbessern?

Für die beiden Ausbauschritte bis zum Jahr 2030 und 2035 des Schweizer Eisenbahnnetzes hat sich die „Initiative Bodensee-S-Bahn“ an der Vernehmlassung mit einer Stellungnahme beteiligt. Im Gegensatz zu den Regionen am Genfer See und am Zürichsee wurde und wird die Bodensee-region massiv benachteiligt. Der Bund bewilligte seit 1990 35 Milliarden Franken für den Ausbau der Bahninfrastruktur und berücksichtigte in seiner aktuellen Liste der Kreditbegehren für die nächsten Jahrzehnte Investitionen von 52 Milliarden Franken. Von den total 87 Milliarden Franken wurde der Bodenseeregion und damit den Nordostschweizer Kantonen nur 3 Prozent zugeteilt, obwohl hier 11 Prozent der Schweizer Bevölkerung wohnen. Die Westschweizer Kantone beklagen sich bereits, weil sie für ihren Bevölkerungsanteil von 40 Prozent nur 25 Prozent der 7 Milliarden Franken bekommen, welche für den nächsten Ausbauschritt bis zum Jahr 2030 geplant sind.

Nicht einmal die Hauptbahnachse am Bodensee, die „Ostschweizer Spange“ Chur – Sargans – Rorschach – Konstanz – Singen – Schaffhausen – Basel ist bisher durchgehend doppelspurig. Es fehlen noch 101 km der 271 km langen Strecke. Durch den relativ günstigen, schrittweisen Ausbau der einspurigen Teile kann die Kapazität nicht nur verdoppelt sondern bis zum Fünffachen vergrössert werden, damit neben den Schnellzügen die S-Bahn im Viertelstundentakt verkehren kann. Dieser ist heute schon auf vielen Strecken eingeführt und auf ein paar Dutzend weiteren geplant. Dann ist diese Spange eine leistungsfähige Ost-West-Bahnachse, um die grossen Engpässe im Eisenbahnnetz und im Nationalstrassennetz auf der Achse Chur – Zürich – Basel zu entlasten. Das bleibt solange ein frommer Wunsch, wie die Bahn nur auf einer einzigen Spur fahren kann, die Haupt- und Nationalstrassen parallel dazu aber 6 Fahrspuren haben.

Ebenso stiefmütterlich berücksichtigt wurden und werden weitere, einspurige Hauptbahnlinien in der Nordostschweiz und die Engpässe auf der Strecke Winterthur – St. Gallen. Ungewöhnlich grosszügig sind hingegen bis zum Jahr 2035 der Brüttener Tunnel und der Zimmerbergtunnel geplant, obwohl der Ausbau der bestehenden Bahnlinien erheblich günstiger möglich ist.

Werden sich jetzt die Nordost-Schweizer Kantone gemeinsam und wirksamer für einen zügigeren Ausbau ihrer Eisenbahnlinien einsetzen, um mehr Verkehr auf die Bahn zu verlagern und ihre Entwicklungschancen zu verbessern? Wird der Bund in Zukunft Bahninfrastruktur-Projekte nicht mehr so einseitig zu Lasten der Nordostschweiz bewilligen und übermässige Kreditbegehen zurückbinden? Mit dem gesparten Geld lässt sich die Qualität ebenso wie das Potential im ganzen Schweizer Eisenbahnnetz stärken.

Pressemeldung Initiative Bodensee-S-Bahn

 

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