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Freitag, 31 Dezember 2021 14:00

Dänemark: Siemens-Lokomotiven warten auf Talgo-Züge

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Fotos Siemens, DSB/Talgo.

Die Dänischen Staatsbahnen planen erst nach Lieferung der neuen Talgo-Wagenzüge den Einsatz der EB-Mehrsystemloks über die deutsch-dänische Grenze: Die alten IC3-Dieseltriebwagen fahren weiter auf durchgehend elektrifizierten Strecken.

Inzwischen sind fast alle Loks der als Baureihe EB bei den DSB bezeichneten Fahrzeuge nach Dänemark geliefert worden, die sowohl mit dem dänischen Bahnstrom (25 Kilovolt/50 Hertz) als auch mit dem in deutschen und schwedischen Oberleitungen genutzten Wechselstrom (15 Kilovolt/16,7 Hertz) fahren. Die Zeitung „Jyllands-Posten“ berichtet, dass die für rund 1 Mrd. DKK gekauften Lokomotiven aktuell gar nicht alle von den DSB eingesetzt werden können, weil der Ausbau des elektrischen Streckennetzes in Dänemark noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass alle der bis zu 200 Stundenkilometer schnellen Loks eingesetzt werden können.

Die Zeitung berichtet, dass nur 18 der neuen Loks seit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember im Regionalverkehr auf Seeland zum Einsatz kommen. Einzelne Loks rollen bis nach Fredericia. Die Loks mit geringem Energieverbrauch sollen laut DSB erst ab 2024 auch im grenzüberschreitenden Fernverkehr eingesetzt werden, wenn die beim spanischen Waggonhersteller Talgo bestellten Wagenzüge zur Verfügung stehen.

Die DSB wollen erst nach Lieferung der Wagenzüge des Herstellers Talgo die modernen EB-Loks im grenzüberschreitenden Verkehr einsetzen. Das Unternehmen macht keine Angaben, warum man angesichts des Lok-Überschusses nicht schon früher die umweltfreundlichen Fahrzeuge für den Verkehr nach Hamburg nutzt. 

Die ersten dieser Züge werden ab 2023 geliefert. Angesichts des Lokomotivenüberschusses könnten die EB-Loks aber auch mit anderen Waggons beispielsweise zwischen Kopenhagen und Hamburg über Flensburg zum Einsatz kommen und dort die IC3-Dieseltriebwagen ablösen. Diese verkehren seit Jahren zwischen Kopenhagen und Flensburg, und seit der Einstellung der Linie Kopenhagen - Hamburg über Fehmarn auch auf gesamter Strecke zwischen der dänischen Hauptstadt und der Hansestadt unter Fahrdraht, weil keine klimafreundlichen Zweisystem-Elektrozüge genutzt werden.

Laut „Jyllands-Posten“ stehen die modernen EB-Loks „in der Garage“, weil sie noch nicht, wie ursprünglich geplant, auf der elektrifizierten Strecke Roskilde - Holbæk fahren können. Die Elektrifizierung der Strecke und die Inbetriebnahme neuer Signaltechnik laufen nicht synchron. Somit wird bei den DSB weiter mit Dieselzügen die Luft verpestet, und es werden Möglichkeiten des Klimaschutzes vertan.

Bei den DSB verweist man darauf, dass die neuen E-Loks den Kohlendioxidausstoß der Bahn in Dänemark allein um 13 Prozent senken sollen. Der Ausstoß an Feinstaub der Dieselmotoren im dänischen Bahnbetrieb soll durch die 36 Vectrons um 60 Prozent vermindert werden, ersetzen diese doch vor allem alte Dieselloks des DSB-Typs ME. 

Volker Heesch, mit freundlicher Genehmigung des Nordschleswigers

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