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Mittwoch, 05 Januar 2022 08:00

Frankreich: Entwicklung der Kleinen Linien um Orléans und in der Region Centre - Val de Loire

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Fotos Centre-Val de Loire.

Zu Beginn des Jahres 2022 wird die Region Centre-Val de Loire mit dem Staat den Planvertrag Staat-Region (CPER) für den Zeitraum 2021-2027 unterzeichnen, ein Dokument, das eine Reihe von Finanzierungen über die gesamte Amtszeit des derzeitigen Regionalrats programmieren wird. Von diesen Finanzierungen ist ein sehr großer Teil dem Thema Mobilität gewidmet.

Vor Weihnachten hinterlegte die Region bei der Präfektur ihre verschiedenen Projekte, die in den CPER aufgenommen werden sollen, und wartet nun auf die Festlegung ihrer Finanzierung und ihrer Prioritätsstufen. Der Präsident der Region François Bonneau (PS) und der Vorsitzende der Delegation Centre-Val de Loire der Benutzervereinigung FNAUT Jean-François Hogu erläuterten für France 3 Centre-Val de Loire die Entwicklungsstufen der Kleinen Linien.

Orléans - Châteauneuf mit einer möglichen Verlängerung nach Gien

Es ist vielleicht das Mobilitätsprojekt, das während der vorangegangenen Amtszeit die Gemüter am meisten erhitzt hat. Nach 30 Jahren Verhandlungen, Projektionen und Fantasien wurde die Möglichkeit einer Eisenbahnlinie zwischen Orléans und Châteauneuf-sur-Loire im Département Loiret 2018 begraben. Der Grund: die Weigerung des damaligen Präfekten, die Gemeinnützigkeitserklärung zu unterzeichnen.

Vor einem Jahr war eine neue Studie in Auftrag gegeben worden, und "ihre Schlussfolgerungen werden derzeit diskutiert". Laut der Studie "sieht es so aus, als könnten wir uns in Richtung einer Linie mit leichten Zügen bewegen, mit einer besseren Taktung" und sogar mit dem "langfristigen" Ziel, die Linie bis nach Gien wieder zu eröffnen, 40 km weiter als geplant.

Der Wille des Regionalpräsidenten: Abschluss der technischen Studien und sogar Baubeginn noch vor Ende der Amtszeit. Die vorherige Studie war zu dem Schluss gekommen, dass ein Budget von über 200 Mio. EUR erforderlich sei, davon allein über 60 Mio. für die Elektrifizierung der Strecke. Die Region hofft diesmal auf Einsparungen durch den Einsatz von leichten, wasserstoffbetriebenen Zügen, "sobald diese ausreichend entwickelt sind, insbesondere von Alstom", erklärt François Bonneau.

Kleinere Züge können aber "eine schlechtere Kapazität bedeuten, während wir die Linie öffnen wollen, damit die Leute weniger mit dem Auto fahren", warnt Jean-François Hogu, Vorsitzender der Delegation Centre-Val de Loire der Benutzervereinigung FNAUT (Fédération nationale des associations d'usagers de transports). Generell stellt er die relativ kurzfristige Machbarkeit der Verlängerung nach Gien in Frage. Denn während die Strecke zwischen Orléans und Châteauneuf einfach wieder in Betrieb genommen werden müsste, muss sie darüber hinaus fast vollständig neu geschaffen werden. "Wenn man Straßenüberquerungen haben möchte, um Bahnübergänge zu vermeiden, eine eigene Seite in städtischen Gebieten zu schaffen, wird das langwierig und teuer", fügt Jean-François Hogu hinzu.

Außerdem setzt er sich dafür ein, dass die Linie ohne Umsteigen direkt in die Bahnhöfe Orléans oder Les Aubrais einfährt, was seiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für die Attraktivität des Schienenverkehrs ist. Das Problem ist, dass selbst die Schaffung eines zusätzlichen dedizierten Bahnsteigs im Bahnhof von Orléans vom Bürgermeister 2017 abgelehnt worden war. Alternativ könnte eine Endhaltestelle in Saint-Jean-de-Braye eingerichtet werden, wo ein Bahnsteig-zu-Bahnsteig-Anschluss an die Tram 4 möglich wäre.

Chartres - Orléans

Es ist genau fünf Jahre her, dass die Strecke Chartres - Voves wieder im Personenverkehr befahren wird, der seit 1942 eingestellt war. Schon 2016 wurde das Ziel ausgegeben, den Abschnitt Voves - Orléans, der derzeit nur für den Güterverkehr genutzt wird, wieder zu eröffnen und endlich die Präfektur des Departements Eure-et-Loir mit der Hauptstadt der Region zu verbinden. Eröffnung sollte im Jahr 2020 sein, die Bauarbeiten haben aber auch 2021 noch nicht einmal begonnen. "Die Region hat alle Mittel auf die Realisierung der Strecke Orléans - Châteauneuf umgelenkt, deren Betrieb aber nicht einmal konkretisiert wurde", bedauert Jean-François Hogu.

Denn das Projekt ist komplex: Man muss den Militärstützpunkt Bricy umgehen, zahlreiche Bahnübergänge beseitigen oder auch Bahnhaltepunkte einrichten. François Bonneau nennt deshalb noch kein Datum, will das Projekt aber als "Priorität" in den CPER aufnehmen und wünscht die Durchführung weiterer Studien.

Paris - Orléans - Limoges - Toulouse (POLT)

Die Strecke Paris - Orléans - Limoges - Toulouse (POLT) ist eine der großen strukturierenden Strecken des französischen Schienennetzes, "die der Staat aber mit der Ankunft der Hochgeschwindigkeitsstrecken links liegen gelassen hat", stellt François Bonneau fest. Im Rahmen des vorherigen CPER hatte der Staat 150 Mio. EUR für umfangreiche Modernisierungsarbeiten an der Strecke bereitgestellt. Genug, um zu retten, aber nicht genug, um zu entwickeln. Dies waren jedenfalls die Schlussfolgerungen des Kollektivs Urgence Ligne POLT aus dem Jahr 2018, das davon ausging, dass die Fahrzeit Paris - Limoges mit einem Wechsel des Rollmaterials und umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur um 45 Minuten verkürzt werden könnte.

Der Vorsitzende des Kollektivs Urgence Ligne POLT nannte damals Kosten in Höhe von rund "zwei Milliarden Euro". Für die Erneuerung des Schotters, die Beseitigung von Bahnübergängen, um die Züge schneller fahren zu lassen, und den Austausch der Schienen wird Geld benötigt. In der vorangegangenen Amtszeit wurden bereits 500 Mio. EUR investiert, je zur Hälfte von der Region und vom Staat. Und vor einem Jahr versprach Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari 257 Mio. EUR für die Modernisierung der Strecke.

Daher versichert François Bonneau: "Ich werde darauf achten, dass die POLT-Linie als Priorität in den künftigen CPER aufgenommen wird", denn sie "stellt eine Verbindung zwischen dem Süden der Region, Orléans und Paris her, eine Achse, die für die Mobilität in der Region unerlässlich ist".

Renovierung der kleinen Linien

Ein weiterer wichtiger Punkt für den Regionalpräsidenten sind die Alltagslinien, d. h. sechs Linien, deren Verwaltung das Centre-Val de Loire vom Staat zurückerhalten hat. Diese sechs Linien sind:

• Dourdan - La Membrolle (Paris-Châteaudun-Vendôme-Tours).
• Chartres - Courtalain
• Bourges - Montluçon
• Salbris - Valençay (Ligne du Blanc-Argent)
• Tours - Loches
• Tours - Chinon

Erste Bauphasen, die zur "Rettung" dieser Strecken notwendig sind, haben bereits im Jahr 2021 begonnen, insbesondere auf den Strecken Tours - Loches, Tours - Chinon und Tours - Vendôme. Im Januar wird Vendôme - Châteaudun an die Reihe kommen. Das Ganze wird von der Region finanziert.

Bleiben noch drei Strecken, die ebenfalls in das Protokoll Staat-Region aufgenommen wurden. Für die Achse Bourges - Montluçon sind Arbeiten für 2022-2026 vorgesehen, wobei der Staat zu 100 % als Finanzier auftritt. Für die Ligne du Blanc-Argent wurden Bauarbeiten in Höhe von 20 Mio. EUR angekündigt, berichtet La Nouvelle République. Für Chartres - Courtalain erklärte die Region, sie sei "in Gesprächen mit dem Staat", wobei sich beide die Finanzierung zu 60/40 teilen würden. François Bonneau versichert somit, dass neue Arbeiten in den CPER 2021-2027 aufgenommen werden müssen.

Jean-François Hogu, Präsident der FNAUT des Zentrums, befürchtet hingegen, dass es "schwierig sein wird, vom Staat Geld zu verlangen, nachdem man die Verwaltung der Strecken erlangt hat". Denn bei den Arbeiten insbesondere an der Strecke Tours - Loches handelt es sich um eine Notrettung, aber nicht um eine vollständige Modernisierung, die insbesondere die Beseitigung von Bahnübergängen erfordern würde.

Hans-Jürgen Schulz, WKZ, Quelle France 3

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