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Freitag, 07 Januar 2022 08:00

Großbritannien: Weniger Züge wegen erneuter Corona-Ausbreitung

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Fotos Rüdiger Lüders.

Bis Mitte dieses Monats sollen im gesamten britischen Eisenbahnnetz ausgedünnte Fahrpläne eingeführt werden, um dem Personalmangel während der sich wieder ausbreitenden Pandemie und bei sinkenden Fahrgastzahlen zu begegnen.

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Der Branchenverband Rail Delivery Group (RDG) teilte mit, dass die neuen Fahrpläne bis zum 16. Januar bei allen Betreibern eingeführt werden, um die Zugangebote für die Fahrgäste widerstandsfähiger und zuverlässiger zu machen. Die RDG erklärte, dass die Änderungen angesichts der rückläufigen Nutzung und der geringeren Fahrpreiseinnahmen während der Pandemie auch einen besseren Nutzen für die Steuerzahler bieten würden. Es wurde kein Datum genannt, wann der normale Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Die Gewerkschaften warnten jedoch, dass die derzeitige Krise im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Omicron-Coronavirus nicht als Vorwand für langfristige Kürzungen genutzt werden dürfe, während Fahrgastvertreter forderten, dass die ersten und letzten Verbindungen durchgehend aufrechterhalten werden sollten.

Der hohe Personalausfall während der jüngsten Welle von Covid-Infektionen veranlasste eine Reihe von Betreibern, bereits in der Vorweihnachtszeit Züge zu streichen, allen voran ScotRail, das aufgrund der schottischen Vorschriften zur Selbstisolierung von Kontaktpersonen und Infizierten besonders betroffen war.

ScotRail hat in dieser Woche einen vorübergehend reduzierten Fahrplan für Wochentage eingeführt, was 150 Fahrten weniger pro Tag bedeutet. CrossCountry hat etwa 50 Züge pro Tag gestrichen, während Southern für den Rest der Woche keine Züge zu seinem normalen Londoner Endbahnhof Victoria fahren wird. Transport for Wales und Greater Anglia sind ebenfalls auf geänderte Fahrpläne umgestiegen, während TransPennine Express, South Western, Northern und andere vor kurzfristigen Serviceänderungen warnen. Die Reisenden sind aufgerufen, sich vor Fahrtantritt unbedingt über aktuelle Fahrplanänderungen zu informieren.

Susie Homan, Direktorin für Personal, Betrieb und Eisenbahnstrategie der RDG, erklärte: "Die befristeten Fahrpläne, die die Eisenbahnunternehmen mit Unterstützung der Regierung einführen, werden dazu beitragen, zuverlässigere Angebote mit weniger kurzfristigen Zugausfällen zu gewährleisten, so dass wir weiterhin Menschen und Güter dorthin bringen können, wo sie gebraucht werden. Die Regierung hat die Bahn seit Beginn der Pandemie mit über 15 Mrd. GBP (ca. 18 Mrd. EUR) unterstützt, und es ist sinnvoll, die Zahl der verkehrenden Züge besser auf die Zahl der Reisenden abzustimmen, damit die Branche das Beste aus jedem Pfund für die Steuerzahler herausholt und nicht mehr als ihren gerechten Anteil an öffentlichen Geldern einnimmt."

Offizielle Zahlen zeigen, dass die Fahrgastzahlen vor Weihnachten auf knapp über 50% des Niveaus vor der Pandemie zurückgegangen sind.

Die Gewerkschaft TSSA forderte jedoch Garantien dafür, dass die Kürzungen nur für die Dauer der Omicron-Welle gelten würden, da die Anweisung, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten bzw. sich selbst zu isolieren, sobald erste Krankreitssymptome vorliegen, zu einem raschen Rückgang der Fahrgastzahlen führen würde. Der Generalsekretär von TSSA, Manuel Cortes, sagte dazu: "Wir befürchten wirklich, dass die Tory-Regierung befristete Fahrpläne als Deckmantel benutzt, um Zugangebote zu reduzieren, damit sie dann Kürzungen in Höhe von 2 Milliarden Pfund bei unseren Eisenbahnen durchsetzen kann." Weiter forderte er, dass Verkehrsminister Grant Shapps "den Fahrgästen eine Garantie geben solle, dass der Bahnverkehr wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückkehrt, sobald die Normalität in irgendeiner Form wiederhergestellt ist. Wenn wir das nicht tun, wäre das ein klares Signal für das, was viele befürchten, nämlich die wirklichen Absichten dieser Regierung - die Kürzung der Zugverbindungen."

Der Generalsekretär der RMT, Mick Lynch, sagte: "Niemand sollte die Auswirkungen von Covid auf das Verkehrspersonal unterschätzen, und es ist logisch, die Zugverbindungen entsprechend anzupassen. Jeder Versuch, diese Krise zu nutzen, um in zynischer Weise dauerhafte Kürzungen bei den Dienstleistungen und beim Personal durchzusetzen, wird jedoch auf den schärfsten Widerstand dieser Gewerkschaft stoßen."

RL, WKZ, Quellen  The Guardian, RMT, TSSA

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