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Donnerstag, 18 Januar 2018 07:10

Niederlande: Erwartete Verluste von Scotrail bringen NS in Erklärungsnot

Die niederländische Staatsbahn NS wird mit "massiven" finanziellen Verlusten für ihren Ableger Abellio in Schottland konfrontiert, wie De Telegraaf informierte Quellen im britischen Transportsektor zitiert. Abellio ist Betreiber von ScotRail. NS sieht sich angesichts der Berichterstattung gezwungen, in einer Pressemeldung diese Verluste zu erklären, die NS und der niederländische Steuerzahler zu tragen hätten.

Die NS-Tochtergesellschaft Abellio betreibt Züge in Deutschland und Großbritannien (ScotRail, Merseyrail und Greater Anglia) sowie Busse in London. Im Jahr 2016 betrug der Gewinn von Abellio 55,6 Mio. Euro brutto und im Jahr 2015 48 Mio. Euro. Im Jahr 2017 wird Abellio nach Ankündigung der NS weiterhin einen soliden Gewinn erwirtschaften.

Anfang 2017 hat die Niederländische Staatsbahn NS mit ihrem Aktionär, dem Finanzministerium, Vereinbarungen getroffen, wie Abellio investieren darf. Dieser politische Rahmen für ausländische Investitionen soll die Risiken begrenzen, denen NS mit Abellio ausgesetzt ist. So kann Abellio zum Beispiel für Konzessionen mitbieten, darf dabei aber keine unnötige Risiken eingehen. NS kann Abellio als Tochtergesellschaft aber Geld mit einer Obergrenze von 500 Mio. Euro leihen, zusätzlich zu den Eigenmitteln von etwa 500 Mio. Euro. Hierbei handelt es sich um ein kurzfristiges Darlehen, das Abellio an NS zu marktüblichen Zinssätzen zurückzahlen muss.

Seit April 2015 fährt Abellio unter dem Namen ScotRail Züge in Schottland. Im ersten Jahr erzielte ScotRail einen Gewinn von 9,5 Mio. GBP, im Jahr 2016 einen Verlust von 3,3 Mio. GBP. Die Zahlen für 2017 werden noch veröffentlicht. Ein Verlust in den ersten Jahren einer Konzession ist laut NS nicht überraschend, da dort hauptsächlich Investitionen getätigt werden, während die Gewinne erst später eingefahren werden. NS geht davon aus, dass die ScotRail-Konzession über die gesamte Laufzeit (sieben Jahre mit einer dreijährigen Verlängerungsoption) profitabel sein wird.

NS wird in Kürze den Jahresbericht veröffentlichen. Er enthält auch die Zahlen für Abellio, und die sollen insgesamt auch in diesem Jahr wieder gut aussehen.

ScotRail kämpft schottischen Medienberichten zufolge derzeit mit fehlenden Pünktlichkeitswerten und überfüllten Zügen. So hat ScotRail Nick Donovan, den Geschäftsführer von Transpennine Express, damit beauftragt, zu prüfen, wie sich die Leistung verbessern lässt. Derweil fordert der britische Schattenminiter Lord Adonis die Verstaatlichung von ScotRail. Schottlands Transportminister Humza Yousaf wiederum will Network Rail auffordern, Verbesserungsmaßnahmen zur Erhöhung der Pünktlichkeit durchzuführen.

Weitere Schwierigkeiten für Abellio treten in Wales auf. Hier ist Carillion der Baupartner von Abellio bei den Ausschreibungen für den Bau der nächsten Phase der Metro in Südwales mit der Elektrifizierung der Valleys Lines und dem Betrieb für das nächste Wales & Borders Rail Franchise ab Oktober dieses Jahres. Das Angebot von Abellio wurde noch vor Weihnachten dem Transportunternehmen der walisischen Regierung, Transport for Wales, zusammen mit denen von MTR und KeolisAmey, unterbreitet. Nach der Insolvenz von Carillion muss dieses Angebot voraussichtlich geändert werden.

WKZ, Quelle NS, Wales Online, The Scotsman, The Herald

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