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Donnerstag, 13 Januar 2022 11:07

Dänemark: Bericht der Havarikommissionen zum Storebælt-Unfall führt zu scharfer Kritik an DB Cargo und Trafikstyrelsen

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Fotos Havarikommissionen.

Die dänische Unfalluntersuchungskommission (Havarikommissionen) hat gerade ihren Abschlussbericht über den Vorfall auf der Storebælt-Brücke vor einem Jahr vorgelegt, bei dem ein Anhänger fast von einem Güterzug gestürzt wäre. Dieser beinhaltet Kritik an DB Cargo, die die Sicherheit der Verriegelungen auf den Taschenwagen vor dem Zwischenfall auf dem Storebælt vor einem Jahr als zu hoch eingeschätzt hat und an der dänische Verkehrsbehörde Trafikstyrelsen, weil sie nicht eingeschritten ist.

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Grafik WKZ.

Der Bericht betrifft einen Fall, als sich Anfang letzten Jahres auf der Storebælt-Brücke erneut ein LKW-Anhänger auf einem Güterzug löste, nur zwei Jahre nachdem acht Menschen getötet wurden, als ein anderer loser Anhänger die Seite eines entgegenkommenden IC4-Zugs durchschlug. Während der Unfall vor drei Jahren darauf zurückzuführen war, dass versäumt wurde, den Anhänger ausreichend zu sichern, handelte es sich bei dem Vorfall im vergangenen Jahr um ein ordnungsgemäß funktionierendes Schloss. Die Verriegelung war so konstruiert, dass sie bei einem ausreichend starken vertikalen Zug nachgab, so dass der Taschenwagen intakt blieb, wenn versucht wurde, einen verriegelten Anhänger abzuheben.

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Grafik Havarikommissionen.

Die Schlussfolgerung ist, dass die Art der Verriegelung, mit der der Taschenwagen unterwegs war, so beschaffen war, dass sie den Anhänger nicht wirklich in einem senkrechten Zug hielt. DB Cargo wusste dies, setzte aber bis zu dem Vorfall vor einem Jahr weiterhin Wagen mit der fraglichen Verriegelung ein.

"Die Sicherheit muss bei der Beförderung von Gütern auf der Schiene oberste Priorität haben. Es ist daher völlig inakzeptabel, dass DB Cargo nicht den gesamten Verkehr mit den Verriegelungen gestoppt hat, von denen sie wussten, dass sie den Anhänger nicht halten. Der sehr gründliche Bericht der Unfalluntersuchungskommission zeigt, dass dies sehr schief hätte gehen können. Deshalb ist es mir auch ein Anliegen, dass die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, die eingeführt wurden und weiterhin gelten, beibehalten werden, denn die Fahrgäste müssen völlig sicher sein, wenn sie den Storebælt überqueren", sagt Verkehrsminister Benny Engelbrecht.

Im Bericht der Unfalluntersuchungsstelle wird auch beschrieben, dass DB Cargo das Problem der unabhängigen Sicherheitsbehörde Trafikstyrelsen gemeldet hat. Es wurde ein Aufsichtsverfahren eingeleitet, aber obwohl Trafikstyrelsen in dieser Angelegenheit nachfragte, akzeptierte sie schließlich die Erklärung von DB Cargo, dass die Verriegelung genehmigt worden sei. Dies führt auch zu Kritik seitens der Unfalluntersuchungsstelle.

"Die Unfalluntersuchungskommission kommt eindeutig zu dem Schluss, dass Trafikstyrelsen in diesem Fall ihre Aufgabe nicht ordnungsgemäß erfüllt hat. Ich habe daher um eine kritische Überprüfung der Handhabung des Falles durch Trafikstyrelsen gebeten, damit ich beurteilen kann, was falsch gelaufen ist. Trafikstyrelsen ist eine unabhängige Behörde, aber als Minister muss ich darauf vertrauen können, dass sie ihre Arbeit macht, und dieses Vertrauen ist durch diesen Fall erschüttert worden. Deshalb wird das Ministerium auch sehr genau darauf achten, wie Trafikstyrelsen die Empfehlungen der Unfalluntersuchungskommission umsetzt und was die Kommission tun wird, um in Zukunft eine gründlichere Überwachung durchzuführen. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass die Behörden in Sachen Sicherheit messerscharf urteilen, und ich hoffe auch, dass DB Cargo den Bericht mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandeln wird", so Verkehrsminister Benny Engelbrecht.

Da die Wagen in ganz Europa eingesetzt werden, ist der Fall auch für die Verkehrssicherheit auf europäischen Eisenbahnen außerhalb Dänemarks von Bedeutung. Der Unfalluntersuchungsausschuss hat der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA) empfohlen, dafür zu sorgen, dass die Verriegelungen an den Zugwaggons eine ausreichende Haltekraft haben müssen.

Der Unfalluntersuchungsausschuss hat in seinem Bericht drei Empfehlungen ausgesprochen

• Die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) stellt klare Anforderungen an die Sicherung der vertikalen Halterung von auf Taschenwagen verladenen Sattelanhängern.
• Trafikstyrelsen vergewissert sich, dass das Sicherheitsmanagementsystem von DB Cargo angesichts der im Bericht genannten aktuellen und früheren Vorfälle in angemessener Weise sicherstellt, dass relevante Risiken erkannt und Barrieren für den Betrieb abgedeckt werden. Das Sicherheitsmanagementsystem sollte auch sicherstellen, dass die Lehren aus der Behandlung von Zwischenfällen und der Behandlung periodischer Zwischenfälle/Trends, wie Ladungssicherung und Umgang mit Zwischenfällen, in die laufende Bewertung des Gesamtrisikos einfließen.
• Trafikstyrelsen stellt in ihrer Funktion als Sicherheitsbehörde sicher, dass die ihr vorgelegten potenziell sicherheitskritischen Unterlagen geeignet sind, sicherheitskritische Risiken zu erfassen.

Hintergrund: Bereits ergriffene Maßnahmen

• Am 14.01.2021 erließ Trafikstyrelsen ein sofortiges Verbot für das Befahren des Storebælt mit Sattelanhängern auf Taschenwagen.

• Am 22.01.2021 erließ Trafikstyrelsen auf der Grundlage der von der Unfalluntersuchungsstelle durchgeführten Tests ein landesweites Fahrverbot für alle Fahrzeuge mit Sattelanhängern.

• Das bundesweite Verbot wurde später durch eine Anordnung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen für das Fahren mit Sattelanhängern auf Taschenwagen ersetzt. Die aktuelle Verfügung in ihrer Gesamtheit finden Sie über den unten stehenden Link.

Die Maßnahmen gelten weiterhin zusammen mit den zuvor eingeführten verschärften Bedingungen für die Geschwindigkeit von Güterzügen im Zusammenhang mit den Windverhältnissen auf dem Storebælt.

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Verkehrsministerium

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Letzte Änderung am Donnerstag, 13 Januar 2022 11:17

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