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Donnerstag, 25 Januar 2018 13:50

Italien: Defekte Schienenverbindung führt zu Zugentgleisung mit drei Totesopfern [Update]

Am Donnerstagmorgen (25.01.17) um 6.57 Uhr ereignete sich nördlich von Mailand ein schwerer Eisenbahnunfall, der drei Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderte. Der Regionalzug 10452 von Trenord, der um 5.32 Uhr von Cremona in Richtung Mailand Porta Garibaldi abfuhr, entgleiste  auf die Höhe von Seggiano di Pioltello mit vier Waggons der sechsteiligen Zuggarnitur. Während der Fahrt hatte der Zug Hunderte von Pendlern aufgenommen. Mindestens fünf Personen wurden schwer verletzt, 20 mittel und 80 leicht.

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verbrechens der schuldhaften Herbeiführung einer Eisenbahn-Katastrophe eingeleitet. Gegen 10 Uhr morgens wurden auch die letzten Passagiere geborgen. Für Angehörige wurden zwei Telefonleitungen freigeschaltet: 02.77584184 und 02.7758484892.

Zur Rettung wurden 28 Krankenwagen, 2 Hubschrauber (einer aus Bologna) und Dutzende von Rettungskräften aufgeboten. Die Verletzten werden in den Krankenhäusern der dem Unfallort nächstgelegenen Orte gebracht.

Der Unfall ereignete sich an der gleichen Stelle, an der schon ein anderer Zug am 23. Juli letzten Jahres entgleist war, zum Glück ohne Folgen. Der territoriale Direktor der Rete Ferroviaria italiana, Vincenzo Macello, der an der Unfallstelle anwesend war, erklärte, dass die Ursache der Entgleisung das strukturelle Versagen einer Schiene sei. Ob dies die Ursache oder der Effekt der Entgleisung war, lässt sich jedoch noch nicht sagen. Ein Passagier spricht von einer sehr starken Vibration, die der Katastrophe vorausging.

Während zuerst eine umgestellte Weiche als Unfallursache angenommen wurde, berichtete die die Zeitung Corriere della Sera gegen Mittag, dass der Unfall an einer defekten Gleisverbindung geschah, die ersetzt werden sollte. An diesem Abschnitt wurden Wartungsarbeiten durchgeführt. Ein Foto, das genau an der Stelle aufgenommen wurde, zeigt ein fehlendes Stück Schiene von etwa zwanzig Zentimetern Länge. Nach einer ersten Rekonstruktion sollte die Entgleisung so abgelaufen sein: Die Lok und der erste Wagen konnten die Schienenverbindung noch passieren, die folgenden Wagen fingen an, mit den Rädern neben dem Gleis zu rollen. Der Zug fuhr noch, aber die Mittelwagen haben ihre Räder abseits der Gleise. Zwei Kilometer später geschah danndie eigentliche Entgleisung, als ein Wagen gegen einen Oberleitungsmast prallte.

Als Folge des Unfalls kam es zu erheblichen Problemen im Bahnverkehr der Lombardei. Die Strecke nach Brescia wurde geschlossen, Hochgeschwindigkeitszüge auf der Achse Mailand-Rom konnten nicht abfahren.

WKZ, GK, , Quelle Corriere della Sera

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