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Sonntag, 28 Januar 2018 14:35

Griechenland: Probleme im Zugverkehr

Bekanntlich soll zum 1. Februar 2018 der Betrieb auf dem Neubauabschnitt Tithorea – Lianokladi (Kallidromos-Strecke) der Magistrale Athen – Thessaloniki nach jahrzehntelanger Bauzeit aufgenommen werden. Jetzt ergeben sich nach einem Pressebericht möglicherweise neue Probleme: Es gibt keine/zu wenige für diese Strecke ausgebildete Lokführer.

Grund dafür ist, dass die griechische Aufsichtsbehörde RAS (Regulatory Authority for Railways) verlangt, dass Lokführer von unabhängiger Seite ausgebildet und geprüft werden, zuständig dafür ist für alle (privaten) EVU der staatliche Netzwerkbetreiber OSE. Dort hat man seit Jahren versäumt die „Rail Academy“ zu reaktivieren und im Zuge der Privatisierung des EVU TrainOSE eigene Lehrlokführer einzustellen.

Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Offensichtlich wurde seit Jahren kein Personal mehr ausgebildet. Das Problem wird in der griechischen Presse wiederholt angesprochen. Neben TrainOSE sind auch die EVU Rail Cargo Goldair und Pearl betroffen. 

Dazu passt auch ein Streit innerhalb von OSE, der in manchen Presseberichten bereits mit „Krieg“ bezeichnet wird: GaiaOSE, ursprünglich der Immobilienbesitzer und –Vermarkter von OSE, dem jetzt auch die Mobilien gehören, hat die untergeordnete Eisenbahnwartungsfirma ROSCO/EESSTY angewiesen, Reparaturen nur auf niedrigstem Niveau durchzuführen.

Das bedeutet, dass mangels einsatzfähiger Fahrzeuge Züge ausfallen bzw. Verkehre überhaupt nicht zustande kommen. Darunter zu leiden haben auch die neuen Anbieter Rail Cargo Goldair und Pearl, die die geleasten Fahrzeuge für den eigenen Betrieb nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt bekommen, wobei beide wiederum Schwierigkeiten haben geeignete Lokführer zu finden. Die LKW- und Buslobby dürfte sich freuen. EESSTY soll privatisiert werden, GaiaOSE nicht.

Sicher hat auch die OSE-Gruppe unter eher quantitativen Stellenkürzungen im Zuge der griechischen Finanzkrise zu leiden, zukunftsweisend ist das Geschilderte sicher nicht.

Prof. Dr. Johannes Schenkel

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