Großbritannien: Eine Lok der Schools-Klasse auf der Mid Hants Railway


Am Morgen des 27. März verkehrte die "Schools"-Klasse 30925 Cheltenham mit einem Güterzug wie in den 1950er und 1960er Jahren auf der Mid Hants Railway, die auch als "Watercress Line" bekannt ist, da sie für den Transport der lokal angebauten Brunnenkresse zu den Märkten in London genutzt wurde. Die Strecke hat eine Länge von 16 km und führt von New Alresford nach Alton mit Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz.




Sie wurde am 2. Oktober 1865 eröffnet und von der London & South Western Railway bis 1923 betrieben, bevor sie Teil der Southern Railway wurde. British Railways stellte den Betrieb westlich von Alton schließlich im Februar 1973 ein.
Die Lokomotive war, wie in der Nachkriegsdampfzeit, in einem grünen Anstrich mit orange-schwarzen Zierlinien und mit dem ehemaligen British Railways-Emblem auf dem Tender lackiert. Der hervorragend organisierte Zug fuhr bei Sonnenaufgang in Ropley unter einem wolkenlosen blauen Himmel und bei niedrigen Temperaturen los. Als allerdings etwa drei Stunden später dichte Wolken aufzogen, habe ich den Zug verlassen.
1928 war die Southern Railway (SR) mit großen 2’C-Schnellzuglokomotiven für den Personenverkehr gut versorgt, aber da einige der vorhandenen Baureihen das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten, wurde eine völlig neue sekundäre Schnellzuglokomotive benötigt. Diese sollte für alle Hauptstrecken des gesamten Netzes geeignet sein, einschließlich für die, die für große Schnellzuglokomotiven zu schwach waren und für Bahnbetriebswerke mit kurzen Drehscheiben.
Zu diesem Zweck entwarf Richard Maunsell, Chefingenieur der Southern Railways, die "V"-Klasse, besser bekannt als "Schools"-Klasse, weil alle Lokomotiven nach renommierten englischen öffentlichen Schulen benannt wurden. Das Grundkonzept dieser Baureihe war von der bereits vorhandenen 2’C-Lokomotive der "Lord Nelson"-Klasse abgeleitet, allerdings mit einer 2’B-Achsfolge. Statt des Belpaire-Stehkessels der Lord Nelsons erhielten die Loks einen der Bauart Crampton, um dem stark eingeschränkten Lichtraumprofil der Strecke von Tonbridge nach Hastings gerecht zu werden und gleichzeitig eine ausreichende Sicht nach vorne zu ermöglichen. Aus demselben Grund erhielten sie auch Führerhäuser mit oben nach innen eingezogenen Seitenwänden. Die kurze Rahmenlänge einer 2’B bedeutete auch einen geringen Überhang in den engen Kurven dieser Strecke.
Die "Schools" waren die letzten 2’B-Lokomotiven, die in Großbritannien konstruiert wurden. Auch waren sie die leistungsstärksten 2’B-Lokomotiven, die jemals in Europa hergestellt wurden. Sie waren mit einer Heusinger Steuerung ausgestattet. Um die für Schnellzuglokomotiven erforderliche hohe Leistung beizubehalten, entschied sich Maunsell für eine Dreizylinderkonstruktion. Damit besaßen sie eine höhere Zugkraft als die 2’C-Loks der "King Arthur"-Klasse, allerdings auf Kosten einer hohen Achslast von 21 t. Daher musste die Hastings-Strecke in den Jahren 1929 und 1930 für den Einsatz der neuen Lokomotiven umgebaut werden.
Die Genehmigung für die erste Serie von fünfzehn Lokomotiven wurde im März 1928 erteilt, doch wurde diese auf zehn reduziert, als sich herausstellte, dass sie nicht sofort auf der Hastings-Strecke eingesetzt werden konnten. Aufgrund von Produktionsverzögerungen bei den SR Eastleigh Railway Works wurden sie erst zwischen März und Juli 1930 ausgeliefert. Nachdem sich die erste Serie bewährt hatte, wurden im März 1931 weitere zwanzig Maschinen bestellt, die zwischen Dezember 1932 und März 1934 geliefert werden sollten. Eine dritte Serie von zwanzig Lokomotiven wurde im März 1932 bei Eastleigh bestellt, um nach Abschluss der vorherigen Bestellung ausgeliefert zu werden. Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise wurde davon jedoch nur die Hälfte gebaut. Die letzte der "Schools" wurde im Juli 1935 ausgeliefert. Insgesamt wurden also 40 Exemplare hergestellt.
Die Lokomotiven trugen die Nummern 900-939. Nach der Verstaatlichung im Jahr 1948 wurden sie von British Rail (BR) in 30900-30939 umgenummert. Mit dieser Baureihe setzte die SR ihre Namensgebung für Schnellzuglokomotiven fort. Da sich mehrere öffentliche Schulen im Netz der Southern Railway befanden, wurden alle Lokomotiven nach ihnen benannt. Dies war ein weiterer Marketingerfolg sowohl für die Bahn als auch für die betreffenden Schulen. Wenn möglich, schickte die SR die neu gebaute Lokomotive zur offiziellen Taufe an einen Bahnhof in der Nähe der Schule, nach der sie benannt wurde, wobei die Schüler den Führerstand "ihrer" Lokomotive besichtigen konnten. Die Erweiterung der Baureihe bedeutete, dass auch Namen von außerhalb des SR-Gebiets verwendet wurden, wie Rugby und Malvern.
Die Baureihe zeigte gute Leistungen und war beim Personal beliebt. Dennoch wurden im Laufe der Jahre einige Änderungen durchgeführt. Die ersten zehn wurden ohne Windleitbleche gebaut, die jedoch ab August 1931 nachgerüstet wurden. Die übrigen dreißig wurden von Anfang an damit ausgestattet. Nach der erfolgreichen Einführung der Lemaître-Blasrohre auf der "Lord Nelson"-Klasse begann Maunsells Nachfolger Oliver Bullied, diese auch bei der "Schools"-Klasse einzubauen. Es wurden jedoch keine nennenswerten Verbesserungen erzielt, und nur zwanzig Exemplare wurden auf diese Weise umgebaut.
Die ersten zehn Lokomotiven wurden zwischen Dover (für den Einsatz auf der South Eastern Main Line) und Eastbourne (für den Londoner Expressverkehr) aufgeteilt, obwohl einige von ihnen später nach Ramsgate umbeheimatet wurden. Ab Mitte 1931 wurden die "Schools" auf der Hastings-Strecke eingesetzt, und, als im Laufe des Jahres weitere Lokomotiven verfügbar waren, wurden auch die Portsmouth-Expresszüge von diesen Maschinen befördert. Nach der Elektrifizierung in den späten 1930er Jahre der Strecken von London nach Eastbourne und von London nach Portsmouth wurde die Baureihe ebenfalls ab Bournemouth eingesetzt. Unter British Railways waren sie auch auf den Langstreckenverbindungen von Brighton nach Cardiff und Exeter sowie mit den Newhaven Boat Trains unterwegs.
Mit der Einführung der dieselelektrischen Triebfahrzeuge auf der Hastings-Strecke nach 1957 und mit der Fertigstellung der Elektrifizierung der South Eastern Main Line von London Charing Cross über Sevenoaks, Tonbridge, Ashford und Folkestone nach Dover Priory im Jahr 1961 wurde die Baureihe weitgehend ersetzt. Die Ausmusterung begann im Januar 1961 und bis Dezember 1962 war die gesamte Baureihe aus dem Verkehr gezogen.
Drei Lokomotiven sind erhalten geblieben, darunter 30925 Cheltenham. Diese Lok wurde in den SR Eastleigh Works gebaut und am 31.7.1934 von der SR abgenommen. Ihr erstes Bahnbetriebswerk war Dover, dann Dover Marine, Bricklayers Arms, Stewarts Lane und schließlich Basingstoke. Sie wurde am 31.12.1962 ausgemustert.
30925 ist Teil der National Railway Collection. Nach einer Hauptausbesserung konnte sie 1980 erneut angeheizt werden und blieb als betriebsfähige Museumslokomotive erhalten. Eine weitere Hauptuntersuchung in den Eastleigh Works wurde im Mai 2012 erfolgreich abgeschlossen. Die Lokomotive ist als langfristige Leihgabe des National Railway Museum, York bei der Mid Hants Railway stationiert.
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