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Montag, 18 Januar 2016 09:21

Italien: Ferrovie Sud Est - kommissarischer Verwalter per Ministerdekret ernannt

Italiens Verkehrsminister Graziano Delrio hat per Jahreswechsel seinen langjährigen Vertrauten Andrea Viero mittels eines im neuen ital. Stabilitätsgesetz vorgesehenen Dekrets zum kommissarischen Verwalter der apulischen Ferrovie Sud Est (FSE) ernannt.

FSE, mit 454 km Schienennetz größtes "privates" EVU Italiens, 1.300 Mitarbeiter, zu 100 Prozent im Eigentum des Verkehrsministeriums, steht laut Medienberichten mit Schulden von EUR 311 Mio. sowie einem jährlichen Betriebsabgang von EUR 170 Mio. knapp vor der Insolvenz. Dazu beigetragen hätten undurchsichtige Beschaffungsvorgänge und Provisionsflüsse, aber auch ein aufgeblähter Führungskräftestab sowie schwer nachvollziehbare Kosten für externe Berater.

Im Jahr 2006 sollen 25 gebrauchte deutsche Reisezugwagen (Silberlinge) zum Stückpreis von EUR 37.500 gekauft worden sein, an die polnische Gesellschaft Varsa weiterverkauft, um sie in aufgearbeitetem Zustand um EUR 899.000 pro Stück zurückzukaufen. Es wird auch behauptet, die Aufarbeitung sei von Polen an ein kroatisches Subunternehmen weitergegeben worden, und die Waggons hätten sich für den Einsatz im italienischen Netz als nicht geeignet herausgestellt.

Hinter der polnischen "Varsa" stecke lediglich eine auf einen amtsbekannten Herrn eingetragene Briefkastenfirma, deren Spur zu einem gewissen Carlo Beltramelli führen würde. Genüsslich schildert die lokale Presse, dass das gesamte Rechnungswesen incl. EDV an ein außenstehendes Unternehmen ausgelagert worden sei.

Nachdem man diese Geschäftsbeziehung im Vorfeld der drohenden Insolvenz beenden wollte, sei nichts anderes übrig geblieben, als dessen Personal nunmehr zusätzlich ins Angestelltenverhältnis zu übernehmen. Ebenso, dass Ende 2015 sowohl mehrere Monatsgehälter - natürlich nur der kleinen Mitarbeiter - wie auch diverse Sozialabgaben nicht mehr bezahlt worden seien. Die Anzahl der Mitarbeiter würde ungefähr jener der anhängigen Arbeitsgerichtsverfahren entsprechen. Die Vorgänge werden auch mit dem anno 2015 verhafteten Spitzenbeamten des römischen Verkehrsministeriums, Ercole Incalza (der Lok-Report berichtete), in Verbindung gebracht.

Von 2008 bis 2010 erhielten die FSE 27 neue dreiteilige Dieseltriebwagen PESA "Atribo", in Italien als ATR 220 geliefert. Für das Jahr 2016 wurde im Stabilitätsgesetz (legge di stabilità) ein staatlicher Beitrag von EUR 70 Mio vorgesehen, mittelfristig soll das Unternehmen vom römischen Wirtschaftsministerium an die Region Apulien übergehen.

GK, Quellen Reggio Report, Quotidiano di Puglia, Corriera della Sera, il Fatto Quotidiano, und andere

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