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Montag, 05 Februar 2018 07:00

Frankreich: Berufungsgericht veurteilt SNCF zu 170 Mio. Euro Schadensersatz wegen Diskriminierung marokkanischer Fremdarbeiter

Das Pariser Berufungsgericht hat am 31.01.18 die SNCF zur Zahlung einer Entschädigung von 170 Mio. Euro an 848 marokkanischen Eisenbahner, die zwischen 1970 und 1983 eingestellt wurden, verurteilt. Es geht um sogenannte "Chibani" ("graue Haare" auf arabisch), denen das erstinstandliche Pariser Arbeitsgericht im September 2015 diese Schadensersatzansprüche zugesprochen hatte.

Die inzwischen im Ruhezustand befindlichen Kläger hatten von der SNCF unbefristete Arbeitsverträge als "Fremdarbeiter" erhalten. Obwohl die Verträge vorsahen, dass "der Arbeitnehmer für gleiche Arbeit eine Vergütung erhalten muss, die der des französischen Arbeitnehmers entspricht", erhielten sie - auch auf Druck der Gewerkschaften - geringere Aufstiegs- und Weiterbildungschancen gegenüber französischen Eisenbahnern und durch Ausschluss von Beförderungen auch geringere Löhne. Viele hatten vierzig Jahre lang gearbeitet, ohne dass sich ihr Status verbesserte, was zu kleineren Rentenansprüchen führte.

Für die SNCF stellt die Entschädigung von mindestens 170 Mio. Euro ein Drittel des Gewinns von 2016 dar. Das Unternehmen erinnerte an die damals geltenden gesetzlichen Bestimmungen, nach denen Arbeitnehmer die französische Staatsbürgerschaft besitzen mussten, um mit dem Status als Eisenbahner eingestellt zu werden.

Mit dem Urteil stellte das Berufungsgericht implizit die Koexistenz zweier unterschiedlicher Arbeitnehmerstatuten innerhalb der Eisenbahngesellschaft in Frage, obwohl diese damals gesetzlich verankert waren. Die SNCF wird daher beim Obersten Gerichtshof Berufung einlegen.

In jedem Fall kann der Schaden, den die SNCF den Chibanis zu zahlen hat, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit bis zu 290.000 Euro pro Mitarbeiter betragen. Darüber hinaus ist eine Entschädigung für immaterielle Schäden und Schäden im Zusammenhang mit Renten- und Ausbildungsansprüchen zu leisten. Letztendlich könnten sich die von der SNCF geschuldeten Schäden auf rund 180 Mio. Euro belaufen, gegenüber 170 Millionen Euro in erster Instanz, so die Anwältin eines Klägers.

WKZ, Quelle Le Parisien, Le Figaro, Le Monde,

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