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Dienstag, 06 Februar 2018 07:10

Großbritannien: East Coast nur noch ein paar Monate lauffähig

Der britische Verkehrsminister Chris Grayling gab am Montag Abend (05.02.18) vor dem britischen Parlament eine - von der Presse schon erwartete - Erklärung zum Zustand und der Fortführung des East Coast Franchises ab: "Ich habe das Hohe Haus bereits darüber informiert, dass dem Franchise-Konzept zu gegebener Zeit das Geld ausgehen wird und es nicht bis zum Jahre 2020 in Kraft bleiben kann. Aber es hat sich jetzt bestätigt, dass die Situation viel dringender ist. Es ist jetzt klar, dass dieses Franchise in seiner jetzigen Form nur noch für wenige Monate fortgeführt werden kann." Grayling sagte, der DfT habe in den nächsten zwei Jahren zwei Optionen für die Strecke: Entweder könne es das Franchise selbst übernehmen, oder einen "kurzfristigen, nicht gewinnorientierten" Vertrag an Virgin Trains East Coast vergeben.

In der vergangenen Woche hat das Ministerium nach eingehender Analyse dem Franchisenehmer mitgeteilt, dass er in der Ausübung des Franchises gegen wichtige Vertragsverpflichtungen verstoßen hat. Das bedeutet aber, dass in naher Zukunft der Vertrag beendet und eine Nachfolgeregelung für den Betrieb dieser Bahn getroffen werden muss. Entgegen weit verbreiteter Spekulationen ist bisher keine Einigung mit Stagecoach (Hauptbetreiber im 90:10-Joint-Venture mit Virgin) erzielt worden, und keine Entscheidung über den Nachfolgebetreiber für den Betrieb im Jahr 2020 getroffen worden. Vorerst soll das Geschäft deshalb wie gewohnt und ohne Auswirkungen auf die Dienstleistungen und das Personal an der Ostküste weitergeführt werden.

Der kombinierte Gewinn jedes einzelnen Bahnbetreibers in Großbritannien betrug im vergangenen Jahr nur 271 Mio. GBP. Der von Stagecoach aufgrund eines Überangebots im Auswahlverfahren zu erwartende Verlust von 200 Mio. GBP entspricht über 20% des gesamten Marktwertes von Stagecoach.

Zur Aufrechterhaltung des Betriebs hat Grayling seine Beamten gebeten, eine umfassende Bewertung der Optionen vorzunehmen, die der Regierung zur Verfügung stehen, um die Kontinuität des Dienstes bis zur Umsetzung des East Coast Partnership auf der Strecke ab 2020 zu gewährleisten. Die Entscheidung darüber, welche Option gewählt werden soll, wird in Übereinstimmung mit den folgenden Grundprinzipien getroffen:
• Schutz der Interessen der Fahrgäste,
• Wahrung der Interessen der Steuerzahler durch Gewährleistung eines angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnisses,
• Unterstützung von Investitionen und Verbesserungen im Eisenbahnbereich, einschließlich des Einsatzes der neuen Intercity-Express-Züge.

Die Vorgabe eines Kosten-Nutzen-Verhältnis wird auf einer Reihe von Kriterien beruhen, unter anderem darauf, welche Option dem Steuerzahler das meiste Geld zurückgibt, welche Risiken damit verbunden sind und wie hoch der Wert jeglicher Verbesserungen im Passagierverkehr ist.

Zum jetzigen Zeitpunkt besteht eine der Optionen darin, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Stagecoach weiterhin Dienste an der Ostküste unter einer sehr strikt konzipierten und kurzfristigen Vereinbarung betreiben kann. Diese Option soll jedoch nur in Betracht gezogen werden, wenn man davon ausgeht, dass das Franchise zunächst auf kurzfristiger, aber nicht gewinnorientierter Basis betrieben wird. Ein finanzieller Ausgleich für Stagecoach würde am Ende des Vertrages nur als Gegenleistung für klar spezifizierte Sozialleistungen erfolgen.

Die Alternative ist, dass das East Coast Franchise direkt vom Department for Transport durch einen "Operator of Last Resort" betrieben wird. Diese Option soll der gleichen strengen Prüfung unterzogen werden, um festzustellen, ob sie für den Steuerzahler ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und die Interessen der Fahrggäste schützt.

In beiden Szenarien wird davon ausgegangen, dass das Franchise East Coast Mainline langfristig dem Steuerzahler beträchtliche Einnahmen bringen wird. Die Linie wird auch weiterhin Prämienzahlungen an die Regierung leisten, sobald das East Coast Partnership ab 2020 in Kraft treten wird.

Da Stagecoach seinen finanziellen Verpflichtungen zur Unterstützung des Franchises bisher nachgekommen ist, ist das Verkehrsministerium zu dem Schluss gekommen, dass es keine ausreichenden rechtlichen Gründe gibt, um die Firma von der Teilnahme an aktuellen und zukünftigen Franchise-Wettbewerben auf dieser Grundlage auszuschließen.

WKZ, GK, Quelle Verkehrsministerium

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Letzte Änderung am Dienstag, 06 Februar 2018 08:06

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