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Freitag, 09 Februar 2018 07:05

Italien: Amerikanischer Fonds will Italo übernehmen - Börsengang abgesagt

Die Aktionäre von Nuovo Trasporto Viaggiatori S. p. A. haben am 07.02.18 beschlossen, ein Angebot des Global Infrastructure Partners III Fonds (GIP) über 1,940 Mrd. Euro für den Erwerb des gesamten Aktienkapitals von Italo (früher Nuovo Trasporto Viaggiatori) anzunehmen. GIP ist ein internationaler Investor, der auf Infrastruktur spezialisiert ist und rund 40 Mrd. USD verwaltet. Der Fonds investiert vor allem in Häfen, Flughäfen, Schienengüterverkehrsgesellschaften und Energie.

Darüber hinaus wird erwartet, dass die derzeitigen Aktionäre von Italo eine von der Hauptversammlung der Gesellschaft genehmigte Dividende in Höhe von 30 Mio. Euro erhalten und dass der Gesellschaft Aufwendungen im Zusammenhang mit dem nicht fortgeführten Prozess der angekündigten Börsennotierung von bis zu maximal 10 Mio. Euro entstehen werden, so dass der gesamte Gegenwert 1,980 Mrd. Euro beträgt.

Das Angebot war am Dienstag unerwartet gekommen, und die Manager wie auch die industriellen Investoren standen einem Verkauf anfangs kritisch gegenüber. Nachdem das Angebot nochmals erhöht wurde, stimmten die Aktionäre der Übernahme in der Nacht auf Donnerstag dann aber doch einstimmig zu.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Unterzeichnung des Kaufvertrages, dessen Vollzug (Closing) von der Freigabe durch die Kartellbehörde abhängig ist, bis zum 11. Februar erfolgt. Darüber hinaus können die bisherigen Aktionäre bis zu maximal 25% des Veräußerungserlöses zu den gleichen Einkaufsbedingungen durch GIP reinvestieren. Zudem sollen der Verwaltungsratspräsident (Luca Cordero di Montezemolo) und der Geschäftsführer (Flavio Cattaneo) vorerst im Amt bleiben.

Morgen wird der Verwaltungsrat den Antrag auf Ermächtigung zur Veröffentlichung des bei Consob eingereichten Prospekts und zur Kotierung der bei Borsa Italiana eingereichten Aktien der Gesellschaft zurückziehen. Global Infrastructure Partners (GIP) hatte fast 2 Mrd. Euro für etwa 100% von Italo neu lanciert.

Die Minister für Wirtschaftsentwicklung, Carlo Calenda, und für Wirtschaft und Finanzen, Pier Carlo Padoan, zeigten sich zwar zuerst erfreut, gaben dann aber eine gemeinsame Erklärung ab, nach der ihnen ein Börsengang doch lieber gewesen wäre: "Es ist sehr positiv, dass das Interesse potenzieller Investoren an NTV sehr groß ist. Der Dank geht an die Fähigkeit von Unternehmern, Managern und Finanzinstituten, angefangen bei der Banca Intesa, die ein großes Dienstleistungsunternehmen mit sehr bedeutenden Investitionen aufgebaut haben und es mutig geschafft haben, schwierige Momente zu überwinden. Dieses Vorhaben zeigt unter anderem das Potenzial des Wettbewerbs für die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Verbesserung von Kundendienstleistungen. Der Börsengang des Unternehmens wäre der perfekte Abschluss einer Erfolgsgeschichte."

Die meisten Führungskräfte und Partner des Fonds kommen von der Credit Suisse, während andere mehr oder weniger lange Erfahrung in Senior-Gruppen wie General Electric, Goldman Sachs, Mizhuo Bank, Morgan Stanley, Nomura, Honeywell, Qatar Petroleum, Latham und Watkins haben. Verbunden mit einer immensen Finanzkraft von 40 Mrd. USD will GIP nun in italienische Hochgeschwindigkeitszüge der Marke Italo investieren, die bisher der einzige mutige europäische Konkurrent gegenüber langjährigen Monopolisten wie Trenitalia, Deutsche Bahn und SNCF sind.

GK, WKZ, Quelle Itallo, Regierung, La Stampa, Economia Finanza, La Repubblica

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Letzte Änderung am Donnerstag, 08 Februar 2018 20:13

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