Europäische Union: Kommission gibt Übernahme von Equans durch Bouygues frei, sofern Colas Rail unabhängig wird
Die Europäische Kommission hat die Übernahme von Equans durch Bouygues nach der EU-Fusionskontrollverordnung geprüft und mit der Auflage genehmigt, dass die von Bouygues angebotenen Verpflichtungen vollständig eingehalten werden.
Die für Wettbewerbspolitik zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, Margrethe Vestager, erklärte dazu: „Bouygues und Equans sind in Belgien führende Anbieter von elektrotechnischen Dienstleistungen für Fahrleitungen. Durch ihren Zusammenschluss hätten sie gemeinsam eine führende Marktstellung. Die von ihnen angebotenen Verpflichtungen stellen sicher, dass auf dem relevanten belgischen Markt ein Marktteilnehmer verbleibt, der Wettbewerbsdruck ausübt, und dass die Kunden weiterhin zwischen verschiedenen Anbietern mit wettbewerbsfähigen Preise wählen können.“
Bouygues und Equans bieten weltweit für viele unterschiedliche Branchen multitechnische Dienstleistungen und Ingenieurleistungen an. Bouygues – über Colas Rail Belgium – und Equans zählen in Belgien zu den wenigen Anbietern elektrotechnischer Leistungen für Fahrleitungen. In ganz Belgien gibt es nur drei solche Anbieter. Fahrleitungen sind Übertragungssysteme zur Versorgung von Zügen mit elektrischer Energie über Stromabnehmer. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen über die über den Lokomotiven aufgehängten Oberleitungen.
Der Zusammenschluss wurde auch von der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde geprüft, die am 19. Juli 2022 ebenfalls einen diesbezüglichen Beschluss erlassen hat.
Die Untersuchung der Kommission
Da die beteiligten Unternehmen zwei der führenden Anbieter von Installations- und Wartungsdiensten für Fahrleitungen in Belgien sind, hatte die Kommission Bedenken, dass der Zusammenschluss in der ursprünglich angemeldeten Form den Wettbewerb auf diesem Markt beeinträchtigt hätte.
Die Untersuchung der Kommission ergab, dass dieser Markt erhebliche Marktzutrittsschranken aufweist. Zudem hätte das aus neu aufgestellte Unternehmen sehr hohe Marktanteile und würde bei Ausschreibungen nur mit sehr wenigen Teilnehmern im Wettbewerb stehen. Die Kommission befürchtete daher, dass dies zu höheren Preisen für elektrotechnische Dienstleistungen für Fahrleitungen in Belgien führen würde.
Die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen
Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, bot Bouygues an, Colas Rail Belgium vollständig zu veräußern, d. h. einschließlich aller Vermögenswerte und Mitarbeiter sowie laufender und künftiger Verträge seines Fahrleitungs- und seines Gleisanlagengeschäfts. Colas Rail Belgium wird somit als unabhängiger Wettbewerber von Bouygues und Equans auf dem relevanten belgischen Markt verbleiben.
Mit diesen Verpflichtungszusagen werden die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission in vollem Umfang ausgeräumt. Die bei einer Befragung der Marktteilnehmer eingegangenen Rückmeldungen mehrerer Kunden und Wettbewerber bestätigten die Auffassung der Kommission, dass Colas Rail Belgium ein tragfähiges und attraktives Geschäft darstellt, das es geeigneten Käufern ermöglichen würde, sich im Wettbewerb mit dem neu aufgestellten Unternehmen zu behaupten.
Die Kommission ist daher unter Berücksichtigung der Verpflichtungen zu dem Ergebnis gelangt, dass die geplante Übernahme keinen Anlass mehr zu Wettbewerbsbedenken für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gibt. Die Freigabe ist an die Auflage geknüpft, dass die Verpflichtungen vollständig umgesetzt werden.
Hintergrund
Bouygues mit Sitz in Frankreich ist die Holdinggesellschaft eines diversifizierten Industriekonzerns, der insbesondere über die folgenden Tochtergesellschaften in verschiedenen Branchen tätig ist: Bouygues Construction (Bau), Colas (Bau und Instandhaltung von Verkehrsinfrastruktur), Bouygues Immobilier (Immobilienentwicklung), TF1 (Medien) und Bouygues Telecom (Telekommunikation). Bouygues erbringt Dienstleistungen in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau, Heizung, Lüftung und Klimatechnik sowie multitechnische Dienstleistungen.
Equans, ein Anbieter multitechnischer Dienstleistungen mit Sitz in Frankreich, steht letztlich im Eigentum des französischen Versorgungsunternehmens Engie. Sein Kerngeschäft umfasst die Bereiche i) Elektrotechnik, Maschinenbau, Heizung, Lüftung und Klimatechnik, ii) Kühllösungen, iii) Gebäudemanagement und iv) Digitalisierung und Informations- und Kommunikationstechnologien. Zudem erbringt Equans über Powerlines, Ineo SCLE Ferroviaire und Fabricom Elektrifizierungsdienste für den Bahnbetrieb (Installation und Instandhaltung von Fahrleitungen und Oberleitungen).
Fusionskontrollvorschriften
Das Vorhaben wurde am 30. Mai 2022 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet.
Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten EWR oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.
Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet. Wenn, wie in diesem Fall, in Phase I Verpflichtungen angeboten werden, verfügt die Kommission über 10 zusätzliche Arbeitstage, sodass sich die Gesamtdauer des Vorprüfverfahrens auf 35 Arbeitstage erhöht.
Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.10575 veröffentlicht.




