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Dienstag, 20 Februar 2018 08:53

Luxemburg: Unfallbericht zum Zugunglück in Bettembourg veröffentlicht

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Am frühen Morgen des 14. Februar 2017 kollidierten am 14. Februar 2017 ein Regionalexpresszug (TER) und ein Güterzug frontal am Kilometerpunkt 1.481 des Streckenabschnitts "Bettembourg - Daereboesch". Der TER-Lokführer wurde sofort getötet und der Zugbegleiter leicht verletzt. Der Fahrer des Güterzuges wurde schwer verletzt. Im TER befanden sich keine Fahrgäste, die Schäden an Infrastruktur und Rollmaterial waren beträchtlich. Am Montag (19.02.18) hat die Technische Untersuchungsbehörde (Administration des enquêtes techniques, AET) eine erste Fortschrittsversion des Untersuchungsberichts veröffentlicht, während die gerichtliche Untersuchung noch stattfindet.

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Wie berichtet, hatte der Unfall zwei Ursachen. Zum einen hat der Triebfahrzeugführer nicht auf ein rot zeigendes Vorsignal reagiert, zum anderen hatte das Sicherheitssystem Memor II+ keinen Kontakt ausgelöst.

Die zwei Hauptfaktoren, die zu der Kollision führten, wurden in diesem Stadium der Untersuchung identifiziert. Der erste ist der menschliche Faktor und der zweite technischer Natur auf der Ebene des Zugleitsystems. Im Anschluss an dieses Ereignis wurden vom Infrastrukturbetreiber, den Eisenbahnunternehmen und der Eisenbahnverwaltung (l'Administration des chemins de ferm ACF) präventive und korrigierende Maßnahmen ergriffen, um ein erneutes Auftreten eines solchen Unfalls zu verhindern.

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In diesem Zusammenhang hatte die AET im April und Mai 2017 vier "Sofortige Sicherheitsempfehlungen" abgegeben, um ein Wiederauftreten eines ähnlichen Unfalls zu verhindern. Ohne die Ergebnisse der weiteren Untersuchungen abzuwarten, wurden gemäß Artikel 9 Absatz 2 des Gesetzes vom 30. April 2008 zur Errichtung der AET die folgenden sofortigen Empfehlungen an die Eisenbahnverwaltung (Administration des chemins de fer, ACF) gerichtet:

• Empfehlung LU-CF-2017-001: Die Eisenbahnunternehmen müssen sicherstellen, dass alle Fahrzeuge auf dem nationalen Schienennetz, die das Fahrassistenzsystem Memor II+ verwenden, einheitlich mit einem Warnsystem ausgestattet sind, das den Triebfahrzeugführer über die Position des zu erwartenden Vorsignals (Signal fixe avancé) während der Fahrt informiert.

• Empfehlung LU-CF-2017-002: Die Nutzung des Fahrhilfesystems Memor II+ soll so schnell wie möglich auf das einheitliche Zugsteuerungs- und Zugsicherungssystem ETCS im gesamten nationalen Eisenbahnnetz umgestellt werden. Da das Memor II+-System über keine technische Einrichtung zur Erkennung der Nicht-Übertragung eines Memor II+-Impulses verfügt, ist es wichtig, alle Eisenbahnunternehmen, die auf dem nationalen Schienennetz tätig sind, zu verpflichten, ihr gesamtes Rollmaterial so bald wie möglich mit dem europäischen Sicherheitssystem ETCS auszurüsten.

• Empfehlung LU-CF-2017-003: Sensibilisierung des Fahrpersonals, um den Infrastrukturbetreiber systematisch, so bald wie möglich und mit den ersten ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln über Unregelmäßigkeiten und Schäden an der Eisenbahninfrastruktur zu informieren. Neben der Empfehlung LU-CF-2017-001 ist es wichtig, die Lokführer auf die Meldung von sicherheitsrelevanten Unregelmäßigkeiten aufmerksam zu machen, um rasch geeignete Präventiv- oder Korrekturmaßnahmen ergreifen zu können.

• Empfehlung LU-CF-2017-004: Sicherstellen, dass die Nutzer der Eisenbahninfrastruktur eine systematische Analyse der erfassten Fahrdaten durchführen, um etwaige Unregelmäßigkeiten aufzudecken. Angesichts der Tatsache, dass das Memor II+-System über keine technische Einrichtung verfügt, die die Nicht-Übertragung eines Memor II+-Impulses erkennt, erscheint es angebracht, diese Schwachstelle bis zu einem gewissen Grad zu beheben, indem das ordnungsgemäße Funktionieren dieses Systems a posteriori im gesamten nationalen Eisenbahnnetz überwacht wird.

Ferner wurden diverse vorbeugende und korrigierende Maßnahmen für die CFL und in Folge die SNCF und SNCB ausgesprochen.

Darüber hinaus hat die Eisenbahnverwaltung die ursprünglich auf den 30. Juni 2021 festgesetzte Frist für die Verpflichtung, in Luxemburg mit dem ETCS-Sicherheitssystem zu arbeiten, auf den 31. Dezember 2019 vorgezogen.

Auch ein von der lixemburgischen Presse zitiertes Schreiben der Staatsanwaltschaft bestätigt den technischen Zwischenbericht. Der Lokführer habe das geschlossene Vorsignal übersehen und zu spät auf das geschlossene Hauptsignal reagiert. Zudem müsse überprüft werden, ob der Lokführer durch das Benutzen seines Privatsmartphones abgelenkt wurde. Zu klären bleibe aber auch die Frage des nicht funktionierenden Kontaktgebers. Es gebe aber bisher keine Anzeichen dafür, dass es sich um einen Wartungsfehler gehandelt habe. Die juristische Untersuchung sei weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, heißt es weiter.

WKZ, Quelle AET

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Letzte Änderung am Dienstag, 20 Februar 2018 08:58

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