Norwegen: Acht Prozent mehr Güter auf der Bahn in diesem Jahr

Foto: Øystein Grue, Bane NOR.
Der Güterverkehr auf der Schiene war noch nie so beliebt wie heute. Von 2020 bis 2021 beträgt das Wachstum des Schienengüterverkehrs 12 Prozent. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat sich das Wachstum fortgesetzt: Der Anstieg in der ersten Hälfte des Jahres 2022 beträgt acht Prozent im Vergleich zur ersten Hälfte des letzten Jahres.
Gleichzeitig wollen immer mehr Unternehmen ihre Waren mit der Bahn transportieren. In den letzten vier Jahren hat sich die Zahl der Bahngesellschaften verdoppelt. Und die Tendenz ist stark steigend: In diesem Sommer hatten die Güterverkehrsunternehmen beantragt, dass im Jahr 2023 30 Prozent mehr Güter auf der Schiene befördert werden sollen als in diesem Jahr.
Fast ein Drittel der norwegischen Klimagasemissionen stammen aus dem Verkehrssektor. Hier ist der Straßenverkehr der Hauptverursacher, während nur 0,1 Prozent auf die Schiene entfallen. Es wird sich also positiv auf das Klima auswirken, wenn ein größerer Anteil des Güterverkehrs von LKW auf die Bahn verlagert wird.
"Dies ist eine gute Nachricht für das Klima und die Umwelt sowie für die Verkehrssicherheit. Güterzüge verschmutzen weniger. Es gibt keine Abgase, keinen Feinstaub und kein Mikroplastik durch die Züge", sagt Oskar Stenstrøm, Frachtdirektor bei Bane NOR. Außerdem hat eine zweigleisige Eisenbahn die gleiche Kapazität für den Güterverkehr wie eine 15-spurige Autobahn. Das ist besonders wichtig in den Großstädten und im Osten, wo es an Platz mangelt und wir nicht noch mehr Natur, Wälder und Mutterboden abbauen wollen. Dies hat erhebliche Folgen sowohl für die Umwelt als auch für die Selbstversorgung. Mehr Güterzüge werden auch die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. 2021 gab es auf norwegischen Straßen 76 tragische Unfälle mit Todesfolge, an denen fast die Hälfte der Fahrzeuge beteiligt waren. Für jeden Güterzug, der auf der Schiene Güter transportiert, verschwinden 30 Lastwagen von unseren Straßen."

Foto Bane NOR.
Begrenzte Kapazität auf mehreren Strecken
Aufgrund von Kapazitätsproblemen sind dem Wachstum des Güterverkehrs leider Grenzen gesetzt. Personen- und Güterzüge verkehren auf derselben Schiene, und große Teile des norwegischen Schienennetzes bestehen aus eingleisigen Strecken mit wenigen Überhol- und Begegnungsmöglichkeiten in Form von Kreuzungsgleisen und Doppelgleisen.
"Personenzüge fahren schneller als Güterzüge, können aber nicht eingleisig fahren. Mit langen Kreuzungsgleisen und Doppelgleisen können wir mehr Güterzüge einsetzen, ohne die Kapazität zu sprengen. Dies erfordert nicht nur politischen Willen, sondern auch solide Investitionen", sagt Stenstrøm. "
"Wir bauen Doppelspuren in Drammen, nach Tønsberg und Moss. An mehreren Orten in Norwegen (u. a. Larvik, Rognan und Hauerseter) hat Bane NOR mit privaten Betreibern zusammengearbeitet, um Gleisanschlüsse zu bauen, die direkt von der Fabrik oder dem Lager an das Schienennetz anschließen."
Arbeitgeberverband NHO prüft Maßnahmen auf der Schiene
In Bergen wird es bald den ersten umweltfreundlichen Frachtterminal Norwegens geben, bei dem alles innerhalb des Terminals für den elektrischen Betrieb ausgerüstet ist und die Kapazität verdoppelt wird. Alnabru ist mit rund 150 abfahrenden Zügen pro Woche der verkehrsreichste Terminal in Norwegen. Hier wurden neue Elektrokräne installiert, die einen wesentlich umweltfreundlicheren Frachtumschlag ermöglichen und die Kapazität um rund 10 Prozent erhöhen.
Die Branche möchte auch einen stärkeren Fokus auf die Infrastruktur legen, um mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern.
"Die Schiene ist ein natürlicher und wichtiger Teil der Lösung für den wachsenden Verkehrsbedarf der Zukunft. Der Transport auf der Schiene hat eindeutige Vorteile für die Umwelt und entlastet zudem das Straßennetz vom Schwerlastverkehr. Um die Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene zu gewährleisten, sind wir darauf angewiesen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gestärkt wird", sagt Are Kjensli, CEO von NHO Logistikk og Transport.
Er nennt auch die Anpassung von Terminals für den Güterverkehr, die Bevorzugung des Güterverkehrs gegenüber dem Personenverkehr zu bestimmten Tageszeiten und längere Kreuzungsgleise als wichtige Investitionsbereiche.
Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Bane Nor




