Großbritannien: Weitere Streiks legen den Bahnverkehr tageweise still ...


Fotos Aslef, RMT.
Nachdem bereits am 1. Oktober 2022 durch Streiks der vier großen Gewerkschaften Aslef, RMT, TSSA und Unite die meisten Züge in Großbritannien stillgestanden hatten, sind jetzt für die nächsten Tage weitere landesweite Streiks angekündigt worden. Am 01.10. traten über 50.000 Bahnmitarbeiter in den Ausstand, was dazu führte, dass nur etwa 10 % aller planmäßigen Züge gefahren sind.


Fotos TSSA, Unite.
Es war das erste Mal, dass die vier Gewerkschaften am selben Tag gestreikt haben. An der koordinierten Aktion waren rund 54.000 Mitglieder beteiligt, was bedeutete, dass der Bahnbetrieb stärker beeinträchtigt war als an früheren Streiktagen, an denen nur eine oder zwei Gewerkschaften streikten. Die Gewerkschaften sprachen von geringen Fortschritten bei der Beilegung der Konflikte mit den Arbeitgebern, während die Bahnchefs fordern, dass die Löhne an die Modernisierung der Bahn und Kostenreduzierungen gekoppelt werden.


Fotos Network Rail.
Weitere Streiks wurden nun für den 5. und 8. Oktober angekündigt, da keine Verhandlungsergebnisse zu erwarten sind. Die Lokführergewerkschaft Aslef wird am 05.10. die Bahngesellschaften
Avanti West Coast, Chiltern Railways, CrossCountry, Greater Anglia, Great Western Railway, Hull Trains, LNER, London Overground, Northern Trains, East Midlands Railway, Southeastern, TransPennine Express und West Midlands Trains bestreiken. Der Generalsekretär von Aslef, Mick Whelan, hat sich dazu gegenüber den Medien geäußert: "Wir wären viel lieber nicht in dieser Lage. Wir wollen nicht streiken - unsere Arbeit niederzulegen, ist zwar ein grundlegendes Menschenrecht, aber für die Gewerkschaft immer das letzte Mittel -, doch die Bahngesellschaften sind entschlossen, uns dazu zu zwingen."
Die Verkehrsgewerkschaft RMT wird am 8. Oktober weitere Streiks durchführen, weil die Verhandlungen mit dem Verband der Bahngesellschaften RDG (Rail Delivery Group) und der Infrastrukturgesellschaft Network Rail nicht vorangekommen sind. Keine der beiden hat in der Zwischenzeit ein Angebot vorgelegt, das auf die Steigerung der Lebenshaltungskosten oder die Sorgen der Mitarbeiter angesichts der drohenden Massenentlassungen, der äußerst nachteiligen Änderungen der Arbeitsbedingungen und längere Arbeitszeiten bei geringerer Bezahlung eingeht. Die Gewerkschaft kritisiert insbesondere:
• Network Rail hat sein Angebot von 4 % in diesem Jahr nicht verbessert, während die landesweite Inflation bei 12,3 % liegt.
• Die Eisenbahnunternehmen haben auch keine Angebote zur Bewältigung der Lebenshaltungskostenkrise gemacht und stattdessen einen Angriff auf die Arbeitsplätze gestartet. Sie planen die Schließung von über 1.000 Fahrkartenschaltern, die Einführung des fahrerlosen Fahrbetriebs, erhebliche Kürzungen beim Catering, den Abbau von Arbeitsplätzen und Funktionen sowie die Einführung neuer, minderwertiger Verträge.
• Die Regierung hat diesen Streit von Anfang an unter Kontrolle gehabt. Die Verhandlungsführer von Network Rail haben angedeutet, dass sie während der Verhandlungen auf die Regierung zurückgreifen müssen, während die Bahngesellschaften ihr Mandat vom Verkehrsminister erhalten und die Regierung jedes vorgeschlagene Verhandlungsergebnis absegnen muss.
• Dieser Streit ist lösbar, aber nur, wenn die Regierung das Mandat von Network Rail und den Eisenbahnunternehmen ändert und angemessene Tarifverhandlungen ermöglicht.
Die Bahngewerkschaft TSSA schließlich hat angekündigt, am 05.10. CrossCountry zu bestreiken, am 6./7. Oktober die Great Western Railway und am 08.10. Avanti West Coast sowie c2c. Der Generalsekretär der TSSA, Manuel Cortes, erklärte dazu: "Wir nehmen diese Maßnahme nicht auf die leichte Schulter. Wir würden viel lieber eine faire Verhandlungslösung für diesen nun schon lange andauernden Streit finden, doch wir haben einfach keine andere Wahl. Eine große Zahl von Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern in unserer Gewerkschaft, von denen viele langjährige Mitglieder sind, war vor diesem Jahr noch nie direkt in einen Arbeitskampf verwickelt. Wir können nur hoffen, dass die neue Verkehrsministerin ein Einsehen hat, was ihr Vorgänger nicht hatte. Sie besitzt die Macht, eine faire Lohnerhöhung und vernünftige Arbeitsbedingungen anzuordnen und diesen Streit zu beenden. Es ist an der Zeit, dass sich die Bahnbetreiber mit uns an einen Tisch setzen und faire Lösungen finden."
Eine Lösung ist in den festgefahrenen Verhandlungen derzeit nicht zu erkennen, so dass wohl nach dem 8. Oktober mit weiteren Streiks zu rechnen ist.
RL, WKZ; Quellen: BBC, Aslef, RMT, TSSA, iNews




