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Mittwoch, 28 Februar 2018 07:10

Griechenland: Lokführermangel und Rückgang im Güterverkehr

Bekanntlich hat die Eisenbahn in Griechenland einen eher kleinen Anteil am "Modal Split". In letzter Zeit ist etwas Bewegung in den Bahnverkehr, auch wegen der (absehbaren) Fertigstellung von sich teilweise seit Jahrzehnten hinziehenden Großbauvorhaben, gekommen, was aber nicht bedeutet, dass alle Projekte in absehbarer Zukunft zur allgemeinen Zufriedenheit abgeschlossen werden oder das Netz komplett ist.

Im Zuge der Zulassung privater EVU, der Eröffnung von Neu- und Ausbaustrecken aber auch wegen häufiger Zugausfälle zeigte sich in den letzten Monaten ein erheblicher Lokführermangel, nach schwer zu überprüfenden Pressemeldungen soll seit den 1980er Jahren (!) kein Lokführer mehr ausgebildet worden sein. OSE in alter und neuer Form hat es versäumt entsprechende Ausbildungskapazitäten zu schaffen.

Im Zuge der Privatisierung der Werkstattgesellschaft ROSCO/EESTY kam jetzt heraus, dass nach erheblichen Einsparungen im Jahr 2018 die Pensionierungswelle ansteht, womit sich die Frage stellt, wie das betriebsspezifische Know-How aufrechterhalten werden kann. Auf Grund der aktuellen Unsicherheit über die Zukunft von ROSCO/EESTY gibt es auch keine neuen permanenten Stellen.

Offensichtlich wurde auch über Jahre die Kooperation zwischen Bahn und Industrie auf Eis gelegt, was zu erheblichen Rückgängen im Güterverkehr geführt hat. Aktuell gibt es etwa 75 Anträge auf Kooperationen, vermutlich hauptsächlich Gleisanschlüsse, von denen demnächst zwei bis drei (Raffinerie Elefsina) umgesetzt werden. 

Auch wenn Griechenland auf Grund des Drucks der Krisen-Geldgeber den Personalbestand im öffentlichen Dienst erheblich reduzieren musste, stellt sich die Frage, wir man (d.h. vor allem der Eigentümer, also die jeweilige Regierung) öffentliches Eigentum, in das auch investiert wird (vor allem durch Neubaustrecken) und das einen erheblichen Umweltvorteil besitzt, derartig ruinieren kann. Darüber wird aktuell heftig innenpolitisch gestritten.

Prof. Dr. Johannes Schenkel

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