Polen: Die Aussichten für die Dampftraktion in Wolsztyn sind nicht gut


In dem aktuellen Fahrplan, der am 25. November abläuft, waren von Montag bis Freitag zwei Zugpaare mit Dampf von Wolsztyn nach Leszno vorgesehen. Da aber nur eine Lokomotive zur Verfügung stand, war die Basis für einen Dampflaufplan sehr schwach geworden. Am Donnerstag, dem 3. November, geschah das, was alle so befürchtet hatten. Nach der Rückkehr des ersten Zuges fuhr die Lok auf die Drehscheibe und verschwand dann im Schuppen.


Unterdessen heißt es unter auf Parowozy.com: “Da an der Ol 49-69 einen größeren Umfang der Arbeiten durchzuführen sind, ist der Dampfeinsatz im November auf eine unbestimmte Zeit eingestellt worden“.
Hoffentlich bedeutet dies nicht das Ende einer Ära. Das Bw Wolsztyn war wohl das einzige auf der Welt, von wo aus täglich planmäßige regelspurige dampfgeführte Reisezüge fuhren.
Dabei hatte die Woche sehr gut angefangen. Nach der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit bot sich die erste Novemberwoche theoretisch und mit viel Glück für Sonnenaufgangsaufnahmen an, wenn auch nur im allerletzten Teil der Strecke. Am Mittwoch und Donnerstag hat das wunderbar geklappt. Die Ol49-69 machte einen guten Eindruck und das Wetter war traumhaft.
1945 waren bei der Polnischen Staatsbahn PKP noch über 500 Dampflokomotiven der Baureihen Ok1 (= P8) und Ok22 (= polnische Nachbau-P8) im Einsatz. Obwohl diese Maschinen sich noch gut bewährten, waren sie für die ständig wachsende Nachfrage zu schwach. Deswegen wurde 1950 die Firma Pierwsza Fabryka Lokomotyw w Polsce Spółka Akcyjna (Fablok) in Chrzanów beauftragt, eine neue, stärkere Lok zu entwickeln. Um eine breite Feuerbüchse für die Verbrennung von minderwertiger Kohle unterbringen zu können und auch um die Achslast niedrig zu halten, wählte man die Achsfolge 1’C1’.
Zwischen 1951 und 1954 wurden von Fablok (die Fabrik war 1951 in Fabryka Lokomotyw im. Feliksa Dzierżyńskiego umbenannt worden) insgesamt 116 Exemplare der Baureihe Ol49 hergestellt, wovon 112 an die PKP geliefert wurden und vier nach Nord-Korea.
Obwohl die Lokomotiven vor allem für den Reisezugdienst auf Hauptstrecken vorgesehen waren, ermöglichte die niedrige Achslast von 17 t auch den Einsatz auf Nebenstrecken.
Ihr Leben war ziemlich kurz, denn sie wurden schon Ende der 70er Jahre ausgemustert. Ab 1965 wurden zwar in Olsztyn 12 Maschinen auf Ölhauptfeuerung umgebaut, aber als das erhoffte Ergebnis ausblieb, wurden sie wieder auf Kohlefeuerung zurückgebaut.
Die Ok1 und Ok22 haben sie nie richtig ersetzen können. Bis zum Schluss teilten sich die drei Baureihen die Leistungen.
Bemerkenswert ist, dass es sich bei der Ol49-69 eigentlich um die Ol49-99 handelt. Im Rahmen einer umfangreichen Generalüberholung der Ol49-69 im Jahr 2001 sollte die Ol49-99 als Ersatzteilspender dienen. Das Endergebnis war jedoch, dass die Ol49-99 mit nur wenigen brauchbaren Teilen der Ol49-69 weitgehend intakt blieb. Trotzdem fuhr die Lok als Ol49-69 weiter.
Die Ol49-99 wurde 1954 bei Fablok mit der Fabriknummer 3211 gebaut. Ihr erstes Bahnbetriebswerk war Klodzko. 1974 kam sie nach Jaworzyna Śląska und 1976 nach Ostrolęka, bevor sie ab 1979 in Krzyż beheimatet war, wo sie 1994 ausgemustert und anschließend an das Eisenbahnmuseum Choszczno abgegeben wurde.


Die “echte“ Ol49-69 (Fablok 3180/1953) war die ersten Jahre in Dęblin stationiert und verbrachte die meiste Zeit in Ostpolen. Ab 1976 war sie in Wolsztyn zu Hause, bis sie 2001 ausgemustert wurde. Danach kam sie nach Gniezno und später nach Leszno. Von der Lok ist nicht mehr viel übrig.
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