Quasi im letzten Moment hat die griechische Regierung den Verkauf von 67% des Hafens von Alexandroupoli storniert, direkt bevor die Privatisierungsbehörde TAIPED die Angebote öffnen sollte, was diverse Spekulationen über die Gründe und Konsequenzen ausgelöst hat.
In der griechischen Presse wird die geostrategische Rolle des Hafens, der z.T. auch von der US-Army genutzt wird, angesprochen, vor allem auch wegen des Dauerkonflikts zwischen Griechenland und derTürkei, wegen des Ukrainekriegs sowie der Rolle der Türkei in der NATO.
Andererseits ist der Hafen von Alexandroupoli in finanziellen Schwierigkeiten, dieses Problem könnte auch die Häfen von Kavala und Volos treffen, die angeblich zumindest von einem Konsortium "im Paket" gekauft werden sollten.
Eine weitere Spekulation ist, dass man offensichtlich an der Seriosität der Bieter zweifelt. Da die griechische und die bulgarische Regierung versuchen das "sea2sea"-Vorhaben, also die weitgehend schon bestehende, aber ausbauwürdige Schienenverbindung der nordgriechischen Ägäishäfen mit den bulgarischen (und eventuell auch rumänischen) Schwarzmeer- und Donauhäfen (und damit die Umgehung des Bosporus, also der Türkei), zu forcieren, will sich vermutlich auch die griechische Regierung ihre Einflussmöglichkeiten sichern.
Prof. Dr. Johannes Schenkel