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Donnerstag, 12 Januar 2023 09:00

Norwegen: Hat eine neuartige Methode der Rückstromführung die Follobanen lahmgelegt?

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Fotos Bane NOR.

Immer mehr stellt sich heraus, dass die Ursache für die Probleme auf der Follobanen eine Überhitzung und ein Brand in der Rückstromversorgung waren. Es floss mehr Rückstrom durch das System, als es verkraften konnte. Davor hatten Berater von Norconsult bereits im Oktober in ihrem Bericht gewarnt. Dennoch konnte sich das skandinavischen Ingenieurbüro Cowi als Subunternehmer des Generalunternehmers Acciona Ghella Joint Venture (AGJV) mit dieser Lösung durchsetzen.

Das Top-Management von Bane Nor wurde laut der Zeitung Aftenposten erst nach der Schließung der Follobanen über die von Norconsult aufgezeigten Risiken informiert. "Auf die Überprüfung, die Norconsult durchgeführt hat, wurde ich erst vor kurzem aufmerksam", sagte Gorm Frimannslund, CEO von Bane Nor, gegenüber Aftenposten.

"Der Auftragnehmer hatte sich für eine technische Lösung entschieden, die wir nicht so gewohnt waren. Es entsprach den technischen Vorschriften, aber wir haben Norconsult gebeten, dies zu überprüfen", sagte Per David Borenstein, Projektmanager der Follobanen.

Das Beratungsunternehmen Cowi widerspricht der Kritik: "Es stimmt nicht, dass wir das gesamte Rückstromsystem entworfen haben", schrieb Kristoffer Jakobsen, Kommunikationsberater bei Cowi, in einer E-Mail an das Technikmagazin Teknisk Ukeblad. "Cowi hatte keine Planungsverantwortung für die Kabelführung im Tunnel bis zum technischen Gebäude in Ski. So hat Cowi auch den Teil der Anlage, in dem es zu Überhitzung kam, oder die beschädigten Komponenten im technischen Gebäude der Skistation nicht entworfen", schrieb er.

Zwei Hypothesen

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Fotos Lars Frøystein, Bane NOR, Atle Havnerås, Bane NOR.

Bane NOR geht von zwei Hypothesen aus: Die eine besagt, dass die Hochspannungskabel, die sich im Berg befinden, nicht gut genug verbunden waren. Die Verbindungen wurden inzwischen überprüft und erneuert.

Die andere hängt mit Rückstrom- und Erdungsproblemen zusammen. Zu viel Strom fließt in die Verkabelung und nicht in die Schienen. Bane NOR geht jetzt systematisch den ganzen Tunnel durch, um zu sehen, ob es noch andere Dinge gibt, die falsch gelaufen sein könnten.

Parallel dazu arbeitet Bane NOR mit einem anderen Erdungskonzept, das sich bisher gut bewährt hat. Bane NOR arbeitet mit dem Generalunternehmer Acciona Ghella Joint Venture (AGJV) und dessen Subunternehmern zusammen, um die Fehler, die zugrunde liegende Ursache und die Reparaturen herauszufinden. Darüber hinaus hat Bane NOR die unabhängige Forschungsorganisation Sintef beauftragt, eine unabhängige Analyse des Schadens vorzunehmen.

Der Norconsult-Bericht

Bevor die Follobanen für den Verkehr freigegeben wurde, hat Bane NOR eine unabhängige Bewertung der elektrischen Konfiguration im Rückstromkreislauf eingeholt. Das Hauptziel des Berichts von Norconsult, der im Oktober letzten Jahres vorgelegt wurde, bestand darin, eine unabhängige Einschätzung darüber zu erhalten, ob der Rückstrom aus dem Blix-Tunnel, der Østfoldbanen und dem Kongshavn-Tunnel das Signalsystem des Bahnhofs Oslo S bei Eröffnung der Follobanen beeinträchtigen würde. Darüber hinaus wurde Norconsult gebeten, eine unabhängige Bewertung der Dokumentation der gewählten Lösung für den Rückstrom vorzunehmen. Der Generalunternehmer hatte eine Lösung gewählt, die im vorgegebenen technischen Rahmen lag, aber für Bane NOR neu war.

Es ist üblich, dass solche Berichte und Bewertungen zu Kommentaren und Verbesserungsvorschlägen führen. In dem Bericht wurden insbesondere die folgenden Punkte bewertet:

• Die von COWI gewählte Lösung steht im Einklang mit den technischen Vorschriften von Bane NOR
• Wenn die Installation ordnungsgemäß durchgeführt wird, dürfte die Erdung an beiden Enden kein Problem darstellen.
• In dem Bericht wurde empfohlen, zusätzliche Berechnungen und Kontrollmessungen durchzuführen.
• Der Generalunternehmer muss die Dokumentation auf den neuesten Stand bringen, damit sie eine zufriedenstellende Qualität aufweist.

Weitere Messungen des Rückstroms wurden während des Testlaufs im Dezember durchgeführt. Anhand der Messungen sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Anlage bei der geplanten Zugdichte zufriedenstellend funktionieren würde.

Wie geht es weiter?

• Bane NOR setzt die laufenden Arbeiten fort, um den Verkehr wieder in Gang zu bringen. Am 16. Januar wird Bane NOR eine schriftliche Erklärung dazu abgeben.
• Der wichtigste Schwerpunkt sind die laufenden Arbeiten zur Wiederaufnahme des Verkehrs bis zum 1. Februar.

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Bane NOR, Affenposten

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