Schweden: MTR verklagt die Streikenden vor dem Arbeitsgericht
MTR verklagt die streikenden Lokführer vor dem Arbeitsgericht. Die Auswirkungen des wilden Streiks seien so groß, dass die normale Entschädigung von 3.000 SEK nicht ausreicht, behauptet MTR und fordert 6.000 SEK pro Streikendem.
Die Eisenbahngesellschaft MTR, die für die Pendlerzüge im Großraum Stockholm zuständig ist, beantragt beim Arbeitsgericht eine vorläufige Entscheidung, um den Streik für unzulässig zu erklären. Außerdem sollen die Lokführer angewiesen werden, ihre Arbeit "unverzüglich wieder aufzunehmen".
Diese Forderungen stützen sich auf die Tatsache, dass ein Tarifvertrag in Kraft ist, weshalb es eine Friedenspflicht gibt. Und dass der Streik nicht von den Gewerkschaften Seko und ST, die beide die Lokführer organisieren, beschlossen wurde, schreibt das schwedische Fachblatt "Arbetet".
"Im Rahmen unserer Bemühungen, die Auswirkungen auf die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten, haben wir heute über Tågföretagen (Vereinigung der Bahnbetreiber) einen Antrag an das Arbeitsgericht gestellt, die Lokführer zur Rückkehr an die Arbeit anzuweisen", bestätigt Niklas Ekström, Kommunikationsmanager bei MTR.
Normalerweise fahren täglich 400.000 Menschen mit den Pendlerzügen im Großraum Stockholm. Der wilde Streik, der die meisten Züge zum Stillstand bringt, verursacht daher einen großen Schaden, so MTR, die damit rechnet, dass sie der Region Stockholm wegen des Stillstands hohe Geldstrafen zahlen muss. Die 73 Lokführer, die in einem Anhang zur Klage genannt werden, müssen Schadenersatz leisten, fordert MTR.
Die bei wilden Streiks "übliche" Entschädigung von 3 000 SEK pro Person reicht nach Ansicht von MTR nicht aus, die eine Entschädigung von 6 000 SEK pro Streikendem fordert. MTR verweist auf den großen Schaden, den der Streik verursacht.
Auch von der Gewerkschaft Seko wurde in der Klage, die MTR und Tågföretagen am heutigen Dienstag beim Arbeitsgericht eingereicht haben, 100 000 SEK Schadensersatz gefordert. Zwar hat sich die Seko zentral von dem Streik distanziert. Der Klage zufolge haben Vertreter des Seko Pendelklubben bei MTR (der Verein, der Zugbegleiter und Bahnhofsvorsteher organisiert) jedoch erklärt, dass es nicht ihre Aufgabe sei, die Lokführer wieder an die Arbeit zu bringen. Am späten Dienstagnachmittag wurde Seko jedoch darüber informiert, dass MTR diese Schadensersatzforderung zurückzieht.
Die ursprüngliche Klage von MTR richtet sich auch gegen die Gewerkschaft ST, in der ein Teil der Lokführer des Unternehmens organisiert ist. Die Arbeitgeber haben jedoch keine Schadensersatzansprüche gegen ST.
Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Arbetet




