Großbritannien: Verkehrsvertrag für TransPennine Express könnte Ende Mai nicht verlängert werden


Fotos Rüdiger Lüders.
Mehrere Bürgermeister in Nordengland haben die Regierung aufgefordert, den Ende Mai auslaufenden Vertrag mit der Eisenbahngesellschaft TransPennine Express (TPE) nicht zu verlängern.


In einem von fünf Stadtoberhäuptern, darunter Andy Burnham, dem Bürgermeister von Greater Manchester, unterzeichneten Schreiben an Verkehrsminister Mark Harper heißt es, dass angesichts der bevorstehenden Entscheidung über die Verlängerung des Verkehrsvertrags mit der First Group als Muttergesellschaft von TPE ein "Neuanfang" erforderlich sei. Die Bürgermeister erklärten, dass es ein Verrat an den Fahrgästen im Norden Englands wäre, wenn man den Betrieb von TPE unverändert aufrechterhalten würde.
Erst kürzlich war der Betreiber mehrfach kritisiert worden, nachdem er zwischen Februar und März fast ein Viertel seiner Züge gestrichen hatte. TPE hatte in den vier Wochen bis Ende März etwa jeden sechsten seiner Züge ausfallen lassen, wie neue Zahlen der Kontrollbehörde Office of Road and Rail (ORR) zeigen. Mit mehr als 1.400 Planzügen bzw. 20,5 % lag TransPennine Express in diesem Zeitraum an der Spitze der Statistik ausgefallener Züge bei einem Mittelwert von 3,7 % aller Bahngesellschaften in Großbritannien.
Dazu erklärte Verkehrsminister Mark Harper, das derzeitige Serviceniveau sei "inakzeptabel", und wenn TPE nicht in der Lage sei, sich zu verbessern, "ist keine Option vom Tisch". Allerdings müsse er "die Beweise prüfen" und "vorsichtig sein, um eine rechtlich vertretbare Entscheidung zu treffen".
Ein Sprecher von TransPennine Express antwortete darauf: "Wir haben Anfang Februar unseren Plan zur Behebung der Probleme eingeführt, um die Zahl der Ausfälle zu verringern und unseren Kunden mehr Zuverlässigkeit und Stabilität zu bieten. Als unmittelbare Folge dieses Plans konnten wir einen Rückgang der Ausfälle um 40 % verzeichnen, und wir arbeiten weiter daran, diese Zahlen in den kommenden Wochen und Monaten zu senken."
RMT-Generalsekretär Mick Lynch sagte: "Die Fahrgäste können es sich nicht leisten zu warten, während Mark Harper und Steve Montgomery herausfinden, wie sie die Zahlen hin und her schieben können, um Firstgroup auf dem Bahnmarkt zu halten. Die Fahrgäste haben etwas Besseres verdient, und TPE sollte ohne weitere Verzögerung in den öffentlichen Sektor als Betreiber der letzten Instanz überführt werden".
Die Bahngesellschaft TPE, die in ganz Nordengland und Schottland tätig ist, leidet seit Monaten unter anhaltenden Streikaktionen sowie darunter, dass sich die Fahrer nicht mehr freiwillig zu bezahlten Überstunden bereit erklären, was schon im vergangenen Jahr zu zahlreichen Verspätungen und Zugausfällen geführt hat.
Sollte das Unternehmen diese Probleme nicht kurzfristig lösen, droht TPE die Übernahme durch einen "Operator of last resort", also einen staatlichen Bahnbetrieb im Auftrag des Verkehrsministeriums.
RL, GK, WKZ; Quellen: BBC, Business Live, Independent, Manchester Evening News




