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Dienstag, 25 April 2023 08:00

Niederlande: Städtische Verkehrsbetriebe planen weniger Nahverkehr

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Fotos GVB/Jolanda Fisser, GVB.

Amsterdam steht vor einer Reihe tiefgreifender Änderungen im öffentlichen Nahverkehr: Das Verkehrsunternehmen niederländischen Hauptstadt Amsterdam GVB plant, Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen ab dem Sommer weniger häufig fahren zu lassen. Diverse Strecken sollen bis 2024 gestrichen werden. Auch in Rotterdam sollen vor allem die Fahrpläne der Straßenbahnen gekürzt werden.

Der Amsterdamer Verkehrsbetrieb GVB hat seinen Verkehrsplan 2023 und der Verkehrsplan 2024 dem Fahrgastbeirat (Reizigers Advies Raad, RAC) und den beteiligten Gemeinden zur Beratung vorgelegt. Diese Pläne sind Teil des Sanierungsplans, den der GVB - und mehrere Verkehrsunternehmen - aufstellen, um den finanziellen Engpass des Sektors in den nächsten Jahren einigermaßen zu bewältigen. Die finanziellen Herausforderungen, mit denen der GVB konfrontiert ist, haben damit zu tun, dass ein Teil der Fahrgäste nach Corona nicht mehr an fünf Tagen in der Woche ins Büro geht, sondern teilweise von zu Hause aus arbeitet. Dies führt zu Umsatzeinbußen. Darüber hinaus ist der GVB aufgrund des Krieges in der Ukraine mit explodierenden Energiekosten konfrontiert, und auch die hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten, der angespannte Arbeitsmarkt und die Inflation bei der Materialbeschaffung führen zu einem Kostenanstieg.

Der Planentwurf sieht vor, dass 2024 weniger Straßenbahnen durch das Stadtzentrum fahren werden. Dies wird vor allem auf dem Leidseplein und dem Innenring (Weteringschans) zu spüren sein, wo die Anzahl der Linien von drei auf zwei reduziert wird. Laut GVB sind zwei Linien ausreichend für die 25.000 Menschen, die hier täglich unterwegs sind, da die Fahrgäste auch Strecken "außerhalb des Stadtzentrums" nutzen können.

Kosteneinsparungen sind notwendig

Die Verkehrsunternehmen sind zusammen mit ihren Konzessionsgebern und Anteilseignern selbst dafür verantwortlich, die Einnahmeverluste in den nächsten Jahren durch Kosteneinsparungen in ihren Organisationen aufzufangen; für dieses Jahr noch ergänzt durch eine gewisse staatliche Unterstützung (die 2024 ausläuft) und die Unterstützung der dezentralen Behörden. Außerdem müssen sie in vielen Fällen ihre Verkehrsnetze umstellen, um auch dort auf der Grundlage der politischen Wünsche der Verkehrsregion kostengünstigere Netze anzubieten.

Fahrgäste schonen, wo es geht

Der vom GVB vorgelegte Verkehrsplan 2024 enthält Vorschläge zur Änderung des öffentlichen Verkehrsnetzes mit dem Ziel, ein Verkehrsnetz anzubieten, das die grundlegenden Wünsche und Bedürfnisse so weit wie möglich erfüllt, aber mit einem niedrigeren Kostenniveau. Dies sollte dazu beitragen, die finanziellen Herausforderungen zu lösen, die im Jahr 2024 noch bestehen. Dies neben anderen Kostensenkungsprogrammen und auch neben zusätzlichen finanziellen Beiträgen der Verkehrsregion. Selbstverständlich wurde das Netz in enger Absprache mit der Verkehrsregion und auf der Grundlage ihrer politischen Rahmenvorgaben entworfen.

Noch nichts Endgültiges

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Die Pläne für den öffentlichen Verkehr und die Amsterdamer Konzession sind noch nicht endgültig. Die Gespräche mit dem Staat sind noch nicht abgeschlossen. Wenn der Staat für 2024 noch einen Beitrag leistet, wird es mehr Platz für den öffentlichen Verkehr geben.

Die Verkehrsregion Amsterdam, der Auftraggeber des GVB, wird Mitte Juni über die Annahme der Verkehrspläne entscheiden. Derzeit finden Konsultationen mit verschiedenen Fahrgastverbänden und Gemeinden über das Netz statt.

Rotterdam

Auch in Rotterdam sind drastische Kürzungen geplant, insbesondere beim Straßenbahnnetz. So droht die Straßenbahnlinie 4 zwischen Eendrachtsplein und Marconiplein zu verschwinden, und die Linie 8 soll nicht mehr in die Stadtteile Spangen und Oude Noorden fahren. Lokale Medien berichten von starkem Widerstand in den Vierteln. So gingen beim Rotterdamer Bezirksrat Hillegersberg 785 Proteste gegen die Pläne ein.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, WKZ, Quelle GVB, Treinreiziger

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