

Fotos TransPennine Express.
Was sich bereits vor Wochen abgezeichnet hat, ist nun offiziell: Die seit Monaten in der Kritik stehende Bahngesellschaft TransPennine Express (TPE) verliert am 28. Mai ihren Verkehrsvertrag und wird von einem staatlichen Betreiber übernommen. Das britische Verkehrsministerium (DfT = Department for Transport) wird nun den regionalen Bahnverkehr selbst betreiben, der Manchester, Liverpool, Leeds, Hull und York im Norden Englands verbindet und bis nach Edinburgh und Glasgow in Schottland reicht.
Es scheint, dass sich Politiker und Fahrgäste darin einig sind, dass drastische Maßnahmen zur Verbesserung des Bahnverkehrs in Nordengland notwendig waren. So wurden im Januar und Februar etwa ein Viertel der TPE-Züge gestrichen, was die höchste Rate im Vergleich mit anderen Bahnen in Großbritannien darstellte.
Verkehrsminister Mark Harper sagte, dass das TPE-Schienennetz zukünftig von einer staatlichen Gesellschaft, dem sog. "Operator of Last Resort" betrieben werden soll, nachdem die Fahrgäste zu oft von Störungen, Zugausfällen und einer erheblichen Verschlechterung des Umfangs und der Zuverlässigkeit des Zugbetriebs betroffen waren. In jüngster Vergangenheit hatte das Verkehrsministerium bereits die Bahngesellschaften LNER, Northern und Southeastern durch einen "Operator of Last Resort" ersetzt.
Mark Harper erklärte, die Übernahme von TPE in staatliche Hand sei "kein Patentrezept und wird eine Reihe von Problemen nicht sofort lösen, einschließlich der Aktionen von Aslef, die den TransPennine Express an einem vollständigen Betrieb behindern." Damit spielte er auf den Streit über Ruhetage zwischen TPE und der Lokführergewerkschaft Aslef an, der seit Monaten zu Zugausfällen geführt hatte.
Mick Whelan, der Generalsekretär der Aslef, begrüßte daraufhin die Entscheidung, den TPE-Vertrag nicht zu verlängern, kritisierte jedoch den Verkehrsminister mit den Worten: "Mark Harper weiß sehr wohl, dass die Schuld nicht bei unserer Gewerkschaft liegt, sondern bei dem Unternehmen und seinen verzweifelt schlechten handelnden Managern."
Das DfT betonte, die Entscheidung, TPE an einen "Operator of Last Resort" zu übergeben, sei ein vorübergehender Schritt, denn die Regierung beabsichtige, das Unternehmen zu gegebener Zeit wieder in den privaten Sektor zu überführen.
Die Eisenbahngewerkschaft RMT hat ebenfalls die Entscheidung begrüßt, die Transpennine-Express-Konzession von der privaten Eisenbahngesellschaft First Group zu lösen und sie dem staatlichen Betreiber zu übertragen, der bereits drei andere Eisenbahnverträge verwaltet. RMT-Generalsekretär Mick Lynch erklärte, es sei absolut richtig, den Vertrag mit Transpennine Express nicht zu erneuern oder zu verlängern, wofür sich die Gewerkschaft seit langem eingesetzt habe. "Es ist jedoch enttäuschend zu hören, dass Verkehrsminister Mark Harper die Absicht hat, TPE trotz des Scherbenhaufens, den der Betrieb angerichtet hat, wieder an den privaten Sektor zurückzugeben."
Die Bahngesellschaft TransPennine Express selbst bestätigte die geplante Übernahme durch das DfT und erklärte, dass alle Tickets ihre Gültigkeit behalten, und die Kunden ihre Fahrscheine weiterhin wie gewohnt nutzen und kaufen können.
GK, RL, WKZ; Quellen BBC, The Guardian, RMT, TPE