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Dienstag, 27 März 2018 07:05

Belgien: Eisenbahn-Katastrophe Buizingen kommt wohl vor das Polizeigericht Hal

Am Montagmorgen (26.03.18) begannen die Plädoyers vor der Brüsseler Ratskammer (Chambre du conseil) im Zusammenhang mit der Eisenbahn-Katastrophe vom 15. Februar 2010 in Buizingen. Da sich alle Parteien einig sind, wird davon ausgegangen, dass die Ratskammer das Verfahren am kommenden Freitag an das Polizeigericht Hal (tribunal de police) überweisen und nicht einstellen wird. Ein Prozess könnte noch im Juni beginnen, wobei die Verteidigung des Lokführers eine sofortige Änderung der Verfahrenssprache auf Französisch beantragen will.

Am 15. Februar 2010 kollidierten bei Buizingen ein L-Zug Richtung Braine-le-Comte und ein IC von Quiévrain nach Lüttich-Guillemins. Bei dem Unfall gab es 19 Tote und 162 Verletzte, davon 11 Schwerverletzte. Die Staatsanwaltschaft Brüssel eröffnete ein Ermittlungsverfahren, das anschließend von der Staatsanwaltschaft Hal-Vilvoorde übernommen wurde.

Die Untersuchung ergab, dass der Lokführer ein rotes Signal passiert hatte. Der Mann bestritt immer die Verantwortung für den Unfall, aber nach der Analyse der Fahr- und Signalelemente gab es Zweifel an seiner Version des Sachverhalts. Die Staatsanwaltschaft will nun den Lokführer, die SNCB und Infrabel wegen Straftaten nach Artikel 422 des Strafgesetzbuches vor dem Polizeigericht Halle anklagen. Auch die beiden Unternehmen sollen bei der Sicherheit der Züge und der Eisenbahninfrastruktur fahrlässig gehandelt haben.

"Der Untersuchungsbericht zeigt deutlich Fahrlässigkeit bei der Sicherheit der Züge und Eisenbahninfrastruktur", sagt Anita Mahy, Opfer der Katastrophe und Präsidentin des gemeinnützigen Vereins "Catastrophe Ferroviaire Buizingen: Plus Jamais". "Es scheint auch, dass der Lokführer zum Teil selbst ein Opfer ist. Er hat nur das ausgeführt, was oben beschlossen worden war."

Die SNCB wurde nach dem Zugunglück von Buizingen im Februar 2010 verpflichtet, alle Fahrzeuge mit dem automatischen Bremssystem TBL1 + auszurüsten, was inzwischen auch geschehen ist.

WKZ, Quelle RTBF

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