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Freitag, 26 Mai 2023 10:15

Italien/Österreich: Grenzüberschreitender Holztransport auf der Schiene erfolgreich realisiert

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LPA/Ingo Dejaco, LPA/Angelika Schrott.

„Zug fährt ab!“, hieß es am 25.05.2023 in Bozen. Erstmals macht sich am Abend ein Güterzug mit 17 Waggons Holz auf den Weg von Bozen über den Brenner nach Tirol. Der Ausbau des regionalen Güterverkehrs bildet den Schwerpunkt des aktuellen Vorsitzes Tirols der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn (AGB) und wird auch in der aktuellen Schienenresolution zwischen Tirol und Südtirol als Maßnahme thematisiert.

In den vergangenen Monaten gab es aufgrund des starken Borkenkäferbefalls verstärkt Holztransporte in Südtirol. Zahlreiche Straßen im Land waren belastet. "Jetzt kann ein Teil des Schadholzes mit der Bahn abtransportiert werden", sagt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider. Der erste Holzzug fuhr am 25. Mai am Abend vom Bozner Bahnhof ab und in Richtung Nordtirol.

"Das Verladegleis für den Holztransport zeigt, dass konkrete Verlagerungsprojekte möglich sind, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen", unterstreicht Alfreider. In der Tat wurde die Verlademöglichkeit durch eine Vereinbarung zwischen der Landesabteilung Mobilität, der italienischen Bahnbetreibergesellschaft RFI, den Behörden und auch mit Unterstützung der RTC Rail Traction Company geschaffen. Der Brenner Basistunnel werde die Verlagerung der Gütertransporte auf die Schiene weiter potenzieren, so der Landesrat.

Zusatzgleis fürs Verladen von Holz via Selbstabfertigung

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Foto Land Tirol.

Für die außerordentlich hohen Holztransporte werden zwei weitere Gleise am Bahnhof Bozen bei der Verladestation "Sibirien" realisiert. Jeder Zug wird stets aus 18 Waggons bestehen, was einer Menge von 40 bis 45 Lastwagen pro Zugfahrt entspricht.

Das Rundholz wird in Bozen an einem neu errichteten Verladegleis auf spezielle Güterwagen verladen und dann per Bahn beispielsweise bis nach Jenbach, Wörgl, St. Johann oder Schwaz transportiert. In Jenbach steht mit dem im Jahr 2021 errichteten Verladeterminal bereits die notwendige Infrastruktur bereit, um die Waren auf die Schmalspur der Zillertalbahn umzuschlagen und bis zum Firmengelände der Firma Binderholz zu transportieren, die ebenfalls zu den Abnehmern gehört.

Ab Juni werden nun aktuell zwei Mal pro Woche Züge auf der Strecke zwischen Bozen und Tirol verkehren. Ein weiterer Ausbau ist vorgesehen. Pro Monat können somit aktuell rund 320 Lkw-Fahrten ersetzt und schädliche Treibhausgasemissionen vermieden werden. Der Transport wird in einer Kooperation zwischen der Südtiroler Rail Traction Company (RTC) und der österreichischen Rail Cargo Group (RCG) durchgeführt.

Für den Transport habe die RTC eine Diesellok für die Traktion bereitgestellt, erklärte der RTC-CEO Martin Ausserdorfer und unterstrich, dass jeder den Holzzug zu gleichen Konditionen nutzen könne. Ebenso hob Ausserdorfer die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der österreichischen Bahngesellschaft ÖBB hervor.

"Auf direktem Weg gelangt das heute in Bozen verladene Holz zu Betrieben in Tirol", erklärt der Tiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel und spricht von einem "gelungenen grenzüberschreitenden Projekt". Es handle sich um ein tolles Vorzeigebeispiel für die Verlagerung von der Straße auf die Schiene. Der nun realisierte Holztransport zeige, dass solche Projekte auch in relativ kurzer Zeit umsetzbar sind, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Für den an der Umsetzung des Projekts beteiligten Logistikleiter der Firma Binderholz, Martin Sigl, ist heute ebenfalls ein Freudentag: „Nach monatelanger Vorbereitung konnten wir den Holztransport zwischen Südtirol und Tirol nun wiederbeleben. Es freut uns, dass wir so zusätzliche Ware umweltschonend zu unserem Firmengelände in Fügen transportieren können.“

Um das Projekt umsetzen zu können, sei viel Vorbereitung nötig gewesen, aber nun sei es gelungen, ein Provisorium zu schaffen, das funktioniere, viele unnötige Fahrten einspare und zugleich die Landwirtschaft unterstütze, unterstrich der Bozner Vizebürgermeister Luis Walcher. Nachdem nun alle Voraussetzungen geschaffen wurden, sollen zukünftig bis zu drei Züge pro Woche von Bozen abfahren.

Da voraussichtlich in den nächsten Monaten immer größere Holzmengen transportiert werden müssten, sei der Holztransport auf der Schiene besonders wichtig, sagte Oskar Kofler, dessen Unternehmen Kofler Holz die Tätigkeit als Verlader übernommen hat. In dieselbe Kerbe schlug auch Landtagsabgeordneter Franz Locher, der sagte, dass es in Südtirol Bedarf an 500.000 Kubikmetern Holze gebe, weitere 500.000 Kubikmeter für die Fernheizwerke bereitgestellt werden können, aber insgesamt rund fünf Millionen Kubikmeter Holz durch den Borkenkäferbefall anfallen würde - Tendenz steigend. Locher verwies darauf, dass das entnommene Holz nicht nur Schleif- oder Papierholz sei, sondern noch verarbeitet werden könne.

Landesrat Alfreider dankte allen Beteiligten, besonders RFI, den Ordnungskräften, RTC mit dem Partner Rail Cargo Austria und Kofler Holz.

GK, Quelle Autonome Provinz Bozen-Südtirol und Land Tirol

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