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Freitag, 30 März 2018 07:00

Großbritannien: Rechnungshof berichtet über die wahren Gründe zur Aufgabe von Elektrifizierungsprojekten

Im Juli 2017 kündigte der britische Verkehrsminister Chris Grayling die Absage von drei Elektrifizierungsprojekten an. Dies erfolgte entgegen einer früheren Verpflichtung des Verkehrsministeriums aus dem Jahr 2012, in der die Bahnelektrifizierung als eine strategische Priorität angesehen und 3 Mrd. GBP an Elektrifizierungsvorhaben für England und Wales im Zeitraum 2014-2019 ankündigt wurden. Aber schon 2015 war klar, dass die Modernisierung viel mehr kosten würde als erwartet.

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Gestrichene (rot), ausstehende (gelb) und vollendete (grün) Elektrifizierungsvorhaben. Grafik NAO.

"Die neue Bimode-Zugtechnologie bietet einen nahtlosen Übergang vom Dieselantrieb zum elektrischen Antrieb, der für die Fahrgäste nicht bemerkbar ist", sagte Grayling damals. "Das bedeutet, dass wir nicht mehr jede Strecke elektrifizieren müssen, um die gleichen signifikanten Verbesserungen bei den Fahrten zu erreichen, und wir werden nur noch Strecken elektrifizieren, auf denen dies einen echten Nutzen für die Fahrgäste bringt".

Im Anschluss an diese Entscheidung erfuhr der Nationale Rechnungshof (National Audit Office, NAO) die wahren Gründe für die Annullierung der Projekte und beschloss angesichts seines Interesses an diesem Bereich, eine Untersuchung durchzuführen, um festzustellen, warum und wie die Projekte annulliert wurden und welche Auswirkungen dies hatte.

Die Fahrten auf der Great Western Main Line in Südwales, der Midland Main Line und der Lakes Line zwischen Windermere und Oxenholme könnten nach der Erklärung des Verkehrsministers durch den Einsatz von "state of the art trains" schneller als erwartet verbessert werden. In naher Zukunft würden dazu auch Bi-Mode Züge gehören, die von Diesel auf Strom umgestellt werden können, ohne dass die Fahrgäste den Wechsel bemerken.

Das Departement beschloss aber in Wahrheit, die Elektrifizierungsprojekte abzusagen, da Network Rail sein Investitionsprogramm 2014-19 im Rahmen der verfügbaren Mittel nicht mehr durchführen konnte. Network Rail stellte fest, dass die Kosten für die Fertigstellung der geplanten Arbeiten die verfügbaren Mittel um 2,5 Mrd. GBP übersteigen. Ende 2016 fanden Verkehrsministerium und Network Rail heraus, dass Pläne, 1,8 Milliarden Pfund zur Deckung der Finanzierungslücke durch Verkäufe von Vermögenswerten aufzubringen, unerreichbar waren. Sie beschlossen daher, die Projekte abzubrechen, um das Defizit zu beheben.

Die Annullierung dieser drei Projekte sollte ein Maximum von 105 Mio. GBP für die Investitionsperiode 2014-19 sparen, aber 1,385 Mrd. GBP in der folgenden Periode 2019-24. Im März 2017 vereinbarten der Verkehrsminister und der Schatzkanzler ein Paket von Annullierungen und Verschiebungen, einschließlich der Annullierung der Midland Main Line nördlich von Kettering und der Elektrifizierungsprojekte zwischen Oxenholme und Windermere. Nach Prüfung einer geplanten Aktualisierung der wirtschaftlichen Daten für das Projekt Cardiff - Swansea stimmte der Premierminister zu, dieses im Juli 2017 abzubrechen, woraufhin der Verkehrsminister seine Entscheidung bekannt gab, alle drei Projekte abzubrechen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Aslef, Mick Whelan, sagte, der NAO-Bericht habe gezeigt, dass Grayling "gelogen" habe. "Die Wahrheit ist, dass die Regierung das Geld nicht ausgeben wollte und eine Geschichte über'plötzliche Verbesserungen' mit'modernen Bi-Mode Zügen' erfunden hat," sagte er.

WKZ, Quelle NAO, Guardian

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Letzte Änderung am Freitag, 30 März 2018 08:05

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