Großbritannien/Vereinigte Staaten: Virgin Group klagt gegen Brightline wegen Lizenzvertragsverletzung


Fotos Brightline, Rüdiger Lüders.
Sir Richard Bransons Virgin Group - deren Logo Banken, Plattenläden und sogar Raumschiffe ziert - steht im Mittelpunkt einer Klage, die Virgin vor dem Londoner High Court gegen einen ehemaligen Geschäftspartner in den USA, den Zugbetreiber Brightline, anstrengt. Es geht um die Frage, ob Brightline seine Markenlizenzvereinbarung mit Virgin aufgrund einer Markenrufsschädigung hatte kündigen dürfen.
Brightline, das der Fortress Investment Group gehört, hatte 2018 einen 20-Jahres-Vertrag mit dem britischen Konzern geschlossen, um seinen Service in Florida und eine geplante Strecke von Las Vegas nach Südkalifornien in Virgin Trains USA umzubenennen. Das US-Unternehmen kündigte die Vereinbarung jedoch weniger als zwei Jahre später mit dem Argument, dass eine Ausstiegsklausel im Vertrag ausgelöst wurde, weil die von Branson in den frühen 1970er Jahren gegründete Marke ihr "internationales Ansehen" verloren habe.
Virgin sagt vor Gericht, Brightline verstoße gegen die getroffene Markenlizenzvereinbarung und fordert rund 250 Mio. USD Schadenersatz. "Die Marke Virgin ist seit mehr als 50 Jahren ein Symbol für globale Innovation und Unternehmertum. Obwohl ein Rechtsstreit niemals unsere bevorzugte Option ist, zielt unsere Klage gegen Brightline darauf ab, unsere vertraglichen Rechte zu wahren und unsere Marke zu schützen, nachdem Brightline versucht hat, unsere langfristige Lizenzvereinbarung zu verletzen".
Brightline argumentiert dagegen, dass die Klage abgewiesen werden sollte, da die negative Presseberichterstattung über Bransons Steuerstatus und die Beantragung einer 500-Millionen-Pfund-Rettung durch die Regierung während der Pandemie den Ruf der Marke Virgin beschädigt habe, was das Unternehmen zur Kündigung des Vertrags berechtigt habe. Zitiert werden interne E-Mails von Branding- und Kommunikationsmitarbeitern bei Virgin, in denen es heißt, dass das Unternehmen "schlafwandlerisch in eine Markenkatastrophe" hineingeraten sei. Bransons Wohnsitz auf den Britischen Jungferninseln zeige, dass er selbst "so wenig Steuern wie möglich gezahlt hat". In einer E-Mail eines externen Beraters für Öffentlichkeitsarbeit heißt es: "Richard muss zeigen, dass er kein rücksichtsloser, steuerhinterziehender Milliardär ist."
In den Gerichtspapieren erklärten die Brightline-Vertreter, dass Brightline Anspruch auf einen Vertrag mit einer Marke mit hohem internationalem Ansehen habe, "das Äquivalent dessen, was Manchester United, Real Madrid und Barcelona für den Fußball sind; Einstein und Hawking für die Wissenschaft; Maria Callas, Luciano Pavarotti und Plácido Domingo für die Oper. Es sind die Beatles, nicht die Bay City Rollers".
RL, WKZ, Quelle The Times, Financial Times, The Independent




