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Dienstag, 11 Juli 2023 08:00

Großbritannien: Fast allen Fahrkartenschaltern in England droht die Schließung

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Fotos Rüdiger Lüders.

Die britischen Bahngesellschaften treiben ihre Pläne voran, in den nächsten drei Jahren Hunderte von Fahrkartenschaltern in ganz England zu schließen. Danach werden einige Reisezentren in großen Bahnhöfen beibehalten, doch in den meisten Stationen soll Personal nur zeitweise in den Wartehallen und auf den Bahnsteigen stehen, um Fahrkarten zu verkaufen, Reisetipps zu geben und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu helfen.

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Diese Pläne, die von der Regierung zur Kosteneinsparung vorangetrieben werden, hat kürzlich der Branchenverband Rail Delivery Group (RDG) bestätigt. Die RDG erklärte, dass die Mitarbeiter der Fahrkartenschalter auf den Bahnsteigen und in den Wartehallen "neue und engagierte Aufgaben" übernehmen sollen. Doch viele Beschäftigte fürchten den Verlust ihrer Arbeitsplätze, da die in den Tarifverhandlungen gegebenen Garantien für betriebsbedingte Kündigungen Ende nächsten Jahres auslaufen.

Eine Umsetzung der Pläne bedeutet, dass in Bahnhöfen wie London Euston, Birmingham New Street oder Manchester Piccadilly Reisezentren aufgegeben und die Arbeitszeiten des Personals reduziert werden. In Nordengland würden etwa 131 der noch bestehenden 149 Fahrkartenschalter geschlossen.

Die Gewerkschaft RMT verurteilte die Pläne mit Nachdruck. Ihr Generalsekretär Mick Lynch erklärte: "Die Entscheidung, rund 1.000 Fahrkartenschalter zu schließen und Hunderte von Kündigungen an das Personal auszusprechen, ist ein brutaler Angriff auf die Bahnbeschäftigten, ihre Familien und alle Fahrgäste. Reisende werden zukünftig gezwungen sein, sich auf Apps und mobile Teams zu verlassen, die ihnen zur Seite stehen, anstatt geschultes Personal in den Bahnhöfen zu haben. Dies ist eine Katastrophe für ältere, behinderte und schutzbedürftige Fahrgäste, die versuchen, das Bahnnetz zu nutzen."

Gegenwärtig gibt es in etwa drei von fünf Bahnhöfen einen Fahrkartenschalter, wobei einige jedoch nur zeitweise mit Personal besetzt sind. Die Bahngesellschaften machen geltend, dass heute nur noch 12 % der Fahrkarten am Schalter gekauft werden, während es 1995 noch 82 % waren. Die großen Personenzugbetreiber sind direkt von der Regierung beauftragt und wurden aufgefordert, Einsparungen vorzunehmen, um die aktuellen Finanzierungsengpässe zu überbrücken, da die Fahrgeldeinnahmen seit der Coronavirus-Pandemie um mehr als 20 % gesunken sind.

Die Bahnbetreiber befinden sich nach wie vor im Streit mit den Gewerkschaften, denn die Regierung hat die Bahnunternehmen dazu gedrängt, die umstrittene Reform voranzutreiben, wobei die Verhandlungen kaum vorankommen und weitere Streiks bevorstehen. Die Gewerkschaften RMT und TSSA haben erklärt, dass sie sich den Vorschlägen "energisch widersetzen" werden.

RL, WKZ; Quellen: BBC, The Guardian, RMT

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