

Nach dem Erfolg in den vergangenen Jahren verkehrte der "Sommernachtsexpress" der Veluwsche Stoomtrein Maatschappij (VSM) auch in diesem Jahr an den ersten vier Mittwochabenden im August zwischen Beekbergen und Dieren. Dies eröffnete die Möglichkeit, den Zug kurz vor Sonnenuntergang zu fotografieren.


Am 16. August stand 50 307 vor dem Zug. Diese 1'E-h2 wurde 1939 von der Wiener Lokomotivfabrik AG in Wien-Floridsdorf mit der Fabriknummer 3317 gebaut und am 27 Dezember 1939 an die Deutsche Reichsbahn ausgeliefert. Im Jahr 1959 wurde die Lokomotive im Reichsbahnausbesserungswerk Stendal komplett rekonstruiert. Der Kessel wurde durch einen geschweißten Verbrennungskammer-Kessel (SKL Magdeburg 29867/1959) mit einem Mischvorwärmer der Bauart IfS (Institut für Schienenfahrzeuge, Berlin-Adlershof) ersetzt. Dabei wurde die Lokomotive in 50 3564 (ab 1970 50 3564-7) umgezeichnet. Als Betriebslok wurde sie am 17.10.1990 ausgemustert und in einen Heizspender umgebaut. Nach dem Einsatz ab Oktober 1990 als Heizlok in Köthen wurde sie am 14.7.1993 in Güsten als 050 564-4 ausgemustert und am 18.7.1993 an die VSM verkauft. Dort wurde sie 2011/2012 als 50 307 mit großen Windleitblechen und einem Knorr-Oberflächenvorwärmer (jedoch mit dem Reko-Kessel) äußerlich annähernd in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.
Eine große Überraschung war der Einsatz der 41 241 am 9. August. Daher eine kurze Beschreibung der Baureihe 41.
Baureihe 41
Anfang der 1930er Jahre beschloss die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft (DRG), eine schnelle Güterzuglokomotive entwickeln zu lassen. Die Wahl fiel schließlich auf einen Entwurf der Berliner Maschinenbau AG (BMAG, vormals Louis Schwartkopff) für eine 1'D1'-h2.
Die ersten beiden Exemplare, die 41 001 und 41 002, wurden 1936 gebaut und im März und Januar1937 an die DRG ausgeliefert. Sie überzeugten auf Anhieb, vor allem durch ihre Fähigkeit, schnell anzufahren und zu beschleunigen, sodass sie trotz der Höchstgeschwindigkeit von nur 90 km/h auch für den Reisezugverkehr geeignet waren. Nach einer Reihe von Modifikationen begannen Ende 1938 die Lieferungen von 364 weiteren Lokomotiven, an deren Bau fast alle bekannten Werke beteiligt waren.
Zwei weitere Lieferungen, die bis zu der Nummer 41 436 hätten führen sollen, wurden kriegsbedingt gestrichen.
Die ersten beiden Lokomotiven wurden mit einem 2'2' T32-Tender ausgerüstet, die übrigen mit einem 2'2' T34, die zu einem großen Teil jedoch sofort mit den älteren Tendern von Schnellzugloks getauscht wurden. Loks, die auf einer 20-Meter-Drehscheibe gedreht werden mussten, bekamen den etwas kürzere 2'2 T30 Tender.
Durch eine einfache Verstellung am Ausgleichshebel konnte der Achsdruck auf 18 bzw. 20 Tonnen eingestellt werden, so dass die Lokomotiven flexibler eingesetzt werden konnten. Sowohl bei der Deutschen Bundesbahn (DB) als auch bei der Deutschen Reichsbahn (DR) wurde der Achsdruck später auf 18 Tonnen festgelegt.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs verblieben 216 Einheiten bei der DB und 112 bei der DR. Einige von ihnen sind in anderen Ländern zurückgeblieben, darunter wahrscheinlich 24 in Polen.
Da die Kessel der 41er eine zunehmende Materialermüdung zeigten, entschied sich die DB, einen Großteil von ihnen zu ersetzen. Zwischen 1957 und 19612 wurden 103 Fahrzeuge mit vollständig geschweißten Hochleistungskesseln versehen, die auch bei der Baureihe 03.10 eingebaut wurden. Zusätzlich kam in 1966 die 41 019 (mit Kessel der ausgemusterte 41 322) dazu. Zudem wurden der vordere Bereich des Rahmens und der Umlauf geändert.
40 von ihnen wurden auf (Schwer)ölhauptfeuerung umgestellt.
1968 waren sie alle im Bahnbetriebswerk Rheine beheimatet, wo sie als Baureihe 042 umgezeichnet wurden. Von dort aus fuhren sie mit schweren Erz- und anderen Güterzügen über die sogenannte Emslandstrecke nach Norddeich-Mole, bis diese vollständig elektrifiziert war. Die letzten von ihnen wurden erst im Herbst 1977 ausgemustert und gehören damit zu den letzten Dampflokomotiven der DB.
Die noch vorhandenen kohlegefeuerten Lokomotiven bildeten die Baureihe 041, von denen die letzten bereits 1971 ausgemustert wurden.
Bei der DR erhielten 81 41er einen sogenannten Reko-Kessel. Diese waren mit einem IfS-Mischvorwärmer ausgestattet.
Lok 41 241
Diese Lok wurde 1939 in den Borsig Lokomotiv Werke in Hennigsdorf bei Berlin, mit der Fabriknummer 14820 gebaut. Von 1949 bis 1977 stand sie im Dienst der DB, zunächst bis 1968 als 41 241, dann als 042 241-0. Im Jahr 1958 wurde im DB-Ausbesserungswerk Braunschweig ein geschweißter Kessel (Henschel und Sohn, Kassel Nr. 29664/1958) eingebaut.
Am 20. Mai 1977 wurde die Lokomotive in Rheine ausgemustert.
Von 1978 bis 1990 gehörte die Lokomotive zum Verkehrsmuseum Nürnberg, wurde aber von der BSW-Gruppe Gelsenkirchen-Bismarck betreut. Ab 1990 war Dampflok-Tradition Oberhausen e. V. der neue Eigentümer, der sie jedoch 2006 an die Stoom Stichting Nederland in Rotterdam auslieh. Ende 2015 wurde die Lokomotive von der VSM erworben und am 19. Dezember nach Beekbergen überführt.
Dort wurde sie auf Kohlefeuerung umgerüstet und ist seit 2021 mit einem Tender des Typs 2'2' T34 vereinigt. Dieser Tender wurde 1958 bei Henschel in Kassel mit der Fabriknummer 11058 gebaut. Er war ursprünglich der Tender der inzwischen verschrotteten 41 119 und dann der 01 512. Der Öltender wurde nie von der VSM übernommen und befindet sich noch immer in Bielefeld.
Nach der Probefahrt am 5. August wurde die Maschine sofort in Dienst gestellt.
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