
Foto ProRail.
Der Brand, der letztes Jahr in einem Güterzug mit Hybridautos in der Nähe von Etten-Leur ausbrach, wurde durch einen Oberleitungsbruch verursacht. Ein gebrochener Fahrdraht fiel auf den Zug und wurde mitgeschleift. Dies geht aus der von ProRail durchgeführten Untersuchung hervor.
Da der Fahrdraht noch unter Strom stand, fingen die Wagen des Zuges Feuer. Der Draht riss an einer Stelle, an der eine fehlerhafte Notreparatur an der Oberleitung vorgenommen worden war. Durch Schalthandlungen in der Betriebsleitzentrale Infra (Operationeel Besturingscentrum Infra, OBI) wurde die unterbrochene Leitung wieder unter Strom gesetzt. Dabei fiel ein Umschalter aus, so dass der Strom nicht abgeschaltet wurde und noch 18 Minuten lang durch die gebrochene Leitung weiterlief. Dieser Fehler konnte von der Leitstelle nicht erkannt werden und verschlimmerte den Brand.
Das Feuer zerstörte schließlich 42 Wagen und vier Waggons. Wegen der Reparaturarbeiten war zwei Tage lang kein Zugverkehr zwischen Breda und Roosendaal möglich. ProRail prüfte nach diesem Vorfall weitere derartige Reparaturen an den Oberleitungen. Wo nötig, wurden dann Reparaturarbeiten durchgeführt. ProRail untersuchte auch, was die Anwendung dieser Reparaturmethoden ermöglichte. Die Arbeitsweise der Betriebsexperten des OBI wurde dahingehend geändert, dass in solchen Fällen nur noch nach Rücksprache mit einem Fahrdienstleiter Strom zugeschaltet wird.
Zeitleiste
Am Mittwoch, den 14. September 2022, um 13:04 Uhr, fuhr ein Zug von DB Cargo in Richtung Roosendaal mit Ziel Vlissingen Sloehaven. Dieser Zug besteht aus 25 Waggons mit Hybridautos. Kurz hinter dem Bahnübergang Vossendaal in Etten-Leur reißt der Fahrdraht. Der Stromabnehmer des Zuges verheddert sich in der Oberleitung. Dadurch wird der Fahrdraht über eine Länge von 800 Metern vom Zug mitgerissen. Der Draht landet auf den Waggons und Autos. An drei Stellen bricht ein Feuer aus, weil der Fahrdraht während der Pause noch unter Spannung steht. Ein Kurzschluss oder eine Überlastung führt zur automatischen Abschaltung des Hochspannungssystems.
In diesem Moment erhält ein ProRail-Mitarbeiter im OBI an seinem Arbeitsplatz das Signal, dass die Oberleitung abgeschaltet wurde. Die unmittelbare Ursache für diese Abschaltung ist für den Mitarbeiter nicht erkennbar. Ein Stromausfall aufgrund von Überlastung ist an diesem Standort nicht ungewöhnlich, zum Beispiel wenn zwei Güterzüge direkt hintereinander fahren und zu viel Strom aus dem Stromnetz benötigen. Um Probleme durch solche Überlastungen zu vermeiden, schaltet das Schutzsystem die Stromzufuhr ab.
Der Mitarbeiter im OBI geht von einer Überlastung aus und versucht, den elektrischen Betrieb wiederherzustellen. Er sieht dann in seinen Systemen, dass der Betrieb wiederhergestellt ist. Die Spannung liegt wieder am unterbrochenen Fahrdraht an. Die Spannung schaltet sich jedoch nicht automatisch ab, da bei diesem Vorgang ein Fahrleitungsschalter gebrochen ist, wodurch die Schutzeinrichtung außer Kraft gesetzt wurde. Die Folge war, dass der Strom noch 18 Minuten weiterlief. Dadurch vergrößerte sich das Feuer. Als die Feuerwehr am Einsatzort eintraf, wurde auf ihre Bitte hin ein größerer Bereich vom OBI stromlos geschaltet und der Strom von der gebrochenen Oberleitung abgenommen.
Untersuchung und Maßnahmen
Die Untersuchung ergab, dass die Oberleitung an einer Stelle brach, an der zuvor eine Notreparatur durchgeführt worden war. Diese Reparatur war notwendig geworden, weil sich die Oberleitung abgenutzt hatte. Wenn eine Oberleitung dünn wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie bricht, größer. Ein gebrochener Draht führt zu Störungen im Zugverkehr. Der Fahrdraht wurde vorübergehend mit einem so genannten "Unterstützungsdraht" (bijdraad) repariert, da der Austausch des Fahrdrahtes bereits geplant war. Das Anbringen von Fahrdrähten ist nicht mehr zulässig, da diese Reparaturmethode zu größeren Schäden und mehr Störungen führt, wenn der Draht dort ohnehin bricht. Außerdem besteht dann ein erhöhtes Risiko, dass der Fahrdraht vom Stromabnehmer des Zuges mitgeschleift wird.
Neue Vereinbarungen
Um die Verwendung von Unterstützungsdrähten im Bahnbereich zu verhindern, hat ProRail in Wartungsverträgen festgelegt, welche Methoden bei der Reparatur von Oberleitungen erlaubt sind. Wir überprüfen regelmässig die Einhaltung dieser Vereinbarungen. Nach diesem Vorfall wurden die Verträge und Reparaturarbeiten sofort überprüft.
Schalthandlungen, die von OBI-Mitarbeitern auf der Grundlage von Verfahren durchgeführt werden, werden periodisch überprüft und gegebenenfalls aktualisiert. OBI Mitarbeiter werden sich ab sofort vor der Durchführung von Stromreparaturen immer mit dem Disponenten im betroffenen Gebiet in Verbindung setzen.
Jules Draaijers, WKZ, Quelle ProRail