
Illustrationsfoto: Njål Svingheim.
Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr und Kommunikation hat die norwegische Eisenbahndirektion Jernbanedirektoratet eine Konzeptauswahlstudie (konseptvalgutredning, KVU) über die Kapazität von Regionalzügen in Østlandet durchgeführt. Ziel war es, Maßnahmen zu finden, mit denen die Kapazität ohne kostspieligen Ausbau der Bahnstrecke erhöht werden kann. Die Studie zeigt, dass zweistöckige Züge die beste Alternative zur Erhöhung der Kapazität und des Komforts in Regionalzügen sind.
Hintergrund der Studie ist, dass der Kapazitätsbedarf für Regionalzüge in Østlandet angespannt ist und sogar höher zu sein scheint als das, was kurz- und mittelfristig mit der geplanten Infrastruktur und dem rollenden Material erreicht werden kann. Neue größere Investitionen in die Infrastruktur zur Erhöhung der Verkehrskapazität liegen in weiter Ferne und sind sehr kostspielig. Darüber hinaus müssen einige der derzeitigen Regionalzüge, die im Berufsverkehr in Østlandet eingesetzt werden, um das Jahr 2030 herum erneuert werden.
Dies wurde untersucht
In der Studie ("KVU Økt kapasitet i regiontog") wurden verschiedene Möglichkeiten zur Erhöhung der Kapazität der Regionalzüge in Østlandet untersucht, ohne dass in neue kostspielige Infrastrukturmaßnahmen investiert werden muss. Diese Optionen (Konzepte) wurden gegeneinander abgewogen:
• Die Nullvariante (bei der Züge, die verschrottet werden, durch Züge ersetzt werden, für die eine Kaufoption besteht)
• Änderung der Innenausstattung bestehender Züge, Umbau mit mehr Sitzen, weniger Toiletten, Wegfall der Gastronomie usw.
• Anpassung des Fahrplans und Kauf weiterer Züge, damit mehr Doppelgarnituren eingesetzt werden können
• Lange Einzelzuggarnituren von 220 Metern Länge
• Dreifach-Zuggarnituren. Nur auf der Østfoldbanen möglich, sehr hohe Kosten zur Bahnsteigverlängerung auf anderen Strecken.
• Doppelstöckige Züge
Enger Dialog
Die Studienarbeiten erfolgten in engem Dialog mit verschiedenen Teilen der Branche, bei Sitzungen und "KVU-Workshops", an denen die Provinzbehörden, Eisenbahnunternehmen und Interessenverbände teilnahmen. Es wurden auch Studienbesuche auf einer Strecke mit u.a. Doppelstockzügen im vergleichbaren Regionalverkehr durchgeführt. Bane NOR und Norske Tog haben sich an der Projektgruppe beteiligt.
Der Bericht der norwegischen Eisenbahndirektion zur Kapazitätserhöhung im Regionalverkehr ist Teil der Entscheidungsgrundlage für den nächsten Nationalen Verkehrsplan und wurde am 18. September dem Ministerium für Verkehr und Kommunikation vorgelegt.
Ergebnisse des Berichts (10-20-Jahres-Perspektive)
• Deutlich bessere Fahrgastkapazitäten in Regionalzügen können ohne größere Erweiterungen der Eisenbahn erreicht werden
• Doppelstockzüge können im Vergleich zu einstöckigen Zügen 40 % mehr Sitzplätze bieten. In Regionalzügen ist der Anteil der Fahrgäste, die länger als 15 Minuten unterwegs sind, hoch, so dass die Anzahl der Sitzplätze wichtig ist.
• Doppelstockzüge sind das Konzept, das seine Ziele (Kapazität und Komfort) am besten erfüllt.
• Auf den meisten Strecken in Østlandet gibt es gute Möglichkeiten für Doppelstockzüge. Es sind nur wenige Anpassungen erforderlich.
• Mit einfachen Maßnahmen können Doppelstockzüge nach Halden, Skien, Gjøvik und Lillehammer eingesetzt werden.
• Doppelstöckige Züge erfordern einen stufenlosen Zugang zu allen Einrichtungen im Einstiegsbereich
• Doppelstockzüge haben eine ausreichende Zeit für den Fahrgastwechsel (Erfahrungen und Beobachtungen aus Deutschland und Berechnungen mit Verkehrsmodellen)
• Die zusätzlichen Gesamtkosten für die Einführung von Doppelstockzügen werden auf 8,5 Mrd. NOK (740 Mio. EUR) geschätzt, einschließlich Zuggarnituren und Abstellgleise. Die Kosten für die Verbesserung der Infrastruktur werden auf etwa 600 Mio. NOK (52 Mio. EUR) zuzüglich der Kosten für zusätzliche Abstellflächen geschätzt.
Empfehlung Doppelstockzüge
Die Rangfolge der Konzepte ist eine Abwägung zwischen Zielerreichung und Nettonutzen. Da das Ziel der Studie darin besteht, eine Lösung zu finden, die ein attraktives Zugangebot schafft, scheint das Konzept mit zweistöckigen Zügen dasjenige zu sein, das das Problem am besten löst.
Dieses Konzept ist am robustesten gegenüber einem Anstieg der Nachfrage, sei es als Folge eines höheren Bevölkerungswachstums oder weil die Anpassung an die klimatischen Herausforderungen und die Erreichung des Nullwachstumsziels für den Autoverkehr die Wahl des Verkehrsträgers stärker beeinflusst als angenommen. Das Konzept ist auch relativ flexibel in Bezug auf Überkapazitäten außerhalb der Hauptverkehrszeit. Die KVU empfiehlt daher die Anschaffung und Einführung von Doppelstockzügen in Østlandet, wenn die Zugtypen 71 und 73B ersetzt werden sollen, d. h. ab etwa 2030.
Sozioökonomisch nicht rentabel
Nur das Konzept des Umbaus bestehender Zuggarnituren hat einen positiven Kapitalwert. Dies schlägt sich in den Berechnungen aufgrund der geringen Kosten positiv nieder, aber das Konzept bietet den geringsten Nutzen für die Reisenden und schneidet in Bezug auf die Zielerreichung schlecht ab.
Bei den anderen vier Konzepten sind die Gesamtkosten sowohl für das rollende Material als auch für die Infrastruktur, die Betriebskosten und die Steuerfinanzierungskosten zu hoch, als dass der Nutzen dies aufwiegen könnte. Diese vier Konzepte weisen daher einen negativen Nettonutzen auf. Das Konzept mit Doppelstockzügen wird dennoch empfohlen, da es einen hohen Grad an Zielerreichung aufweist.
Der Bericht ist nun zur Konsultation freigegeben, die Frist läuft bis zum 12. November 2023.
Dokumente
• Hauptbericht KVU Kapazitätserweiterung in Regiozügen
Marita Siebeneichner, WKZ, Quelle Jernbanedirektoratet