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Dienstag, 17 April 2018 07:00

Frankreich: Fret SNCF soll 2020 rekapitalisiert und filiasisiert werden

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Verkehrsministerin Elisabeth Borne, Premierminister Édouard Philippe und Umweltminister Hulot auf einem Pressebesuch am Terminal Bonneuil-sur-Marne. Foto Regierung.

Die SNCF gab am Montag (16.04.18) bekannt, dass sie die Abspaltung ihrer verlustreichen und stark verschuldeten Schienengüterverkehrssparte eingeleitet hat, um eine Rekapitalisierung und einen Relaunch zu ermöglichen und "einen profitablen Geschäftsplan erstellen" zu können. Nach einer Rekapitalisierung "innerhalb der SNCF-Gruppe" würde Fret SNCF "eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzen, eine Gesellschaft, an der die öffentliche Eisenbahngruppe 100% des Kapitals halten würde", teilte das Management in einer Pressemitteilung mit.

Diese Ankündigung erfolgt wenige Stunden nachdem Premierminister Édouard Philippe seine Verkehrsministerin Élisabeth Borne gebeten hatte, einen neuen Plan zur Wiederbelebung des Schienengüterverkehrs auszuarbeiten, der in Frankreich nur 11% des Güterverkehrs ausmacht, während er in Deutschland 23 % beträgt.

Laut SNCF-Pressemitteilung sind unter anderem "die notwendige Erneuerung von Einrichtungen für den Schienengüterverkehr (Servicegleise, kleine Strecken)", die "Sicherung qualitativ hochwertiger Zugtrassen (Verkehrsslots) für den Güterverkehr" und "die Milderung von Mauterhöhungen" vorgesehen. Für den Kombinierten Verkehr sei ein nachhaltiges Betriebshilfesystem  ("Aide à la pince", öffentliche Beihilfen, die nach der Anzahl der Manipulationen, wie beispielsweise der Container beim Wechsel vom LKW auf den Zug, gezahlt werden) nötig.

In diesem Zusammenhang geht die SNCF von "einem Verkehrswachstum (durch die Übernahme von Straßenanteilen im Güterverkehr), einer Senkung der Gemeinkosten und von weiteren Effizienzsteigerungen in der Industrie" aus. Innovationen im Angebot an die Kunden und im Betrieb sollen "in digitaler Form" angestrebt werden.

Dazu muss die Situation von Fret SNCF bereinigt werden, einer verlustbringenden Tätigkeit, die mit einer Verschuldung von 4,3 Mrd. Euro (Teil der 7,9 Mrd. Euro der Schulden von SNCF Mobilités) belastet ist. Daher wird eine Rekapitalisierung als "notwendig erachtet, um die Tätigkeit des öffentlichen Referenzbetreibers aufrechtzuerhalten". Diese Transaktion würde das Vertrauen der Kunden und Mitarbeiter in die Zukunft stärken. Sie wird innerhalb der SNCF-Gruppe durchgeführt. Das Frachtgeschäft könnte jedoch leichter rekapitalisiert werden, wenn seine Konten in einer Tochtergesellschaft isoliert würden, wie Édouard Philippe am Montag vorschlug.

Die vorgeschlagene Ausgliederung muss den Arbeitnehmervertretungen vorgelegt und von den europäischen Behörden genehmigt werden.

Das Management, das die Gründung der neuen Gesellschaft im ersten Halbjahr 2020 vorsieht, stellt fest, dass "die Kontinuität der Arbeitsverträge, sei es für gesetzliche oder vertragliche Mitarbeiter, für diese neue juristische Person gewährleistet sein wird". Ein sozialer Rahmen für Arbeitsplätze, Arbeitsorganisation und Karriere muss ausgehandelt werden.

Die Güterbahnsparte des öffentlichen Betreibers, Fret SNCF, erzielte 2017 einen Umsatz von 903 Mio. Euro. Sie ist der Abteilung für multimodalen Schienengüterverkehr (Transport ferroviaire multimodal de marchandises, TFMM) innerhalb von SNCF Logistics zugeordnet, die selbst Teil von SNCF Mobilités ist.

WKZ, Quelle Le Point, SNCF, Regierung

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Letzte Änderung am Dienstag, 17 April 2018 08:52

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