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Freitag, 13 Oktober 2023 11:00

Frankreich: Kann sich Railcoop vor der Liquidation retten?

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Fotos Rüdiger Lüders.

Das Unternehmen Railcoop mit Sitz in Figeac im Departement Lot steht kurz vor der gerichtlichen Liquidation. Die Eisenbahnkooperative, die Züge zwischen Bordeaux und Lyon fahren lassen wollte, sucht nach Lösungen. Die Entscheidung kann in dieser Woche auf der Mitgliederversammlung fallen.

Bei der Generalversammlung am 07.10.2023 in Figeac (Lot) stimmten die Mitglieder der Eisenbahngenossenschaft Railcoop zu 88,5 % für die Aufrechterhaltung des Betriebs und zu 85,5 % für die Fortsetzung der Verhandlungen mit dem spanischen Investmentfonds Serena Partners, der die finanzielle Situation des Unternehmens retten könnte. Denn seit ihrer Gründung im Jahr 2019 kumulieren sich bei dieser Genossenschaft von kollektivem Interesse, die Personenzug- und Güterzuglinien wiederbeleben will, finanzielle und technische Schwierigkeiten.

Im Frühsommer hatte eine Kapitalbeschaffungskampagne ihre Ziele nicht erreicht und die Geschäftsleitung hatte sich an Serena Partners gewandt, um zu versuchen, die Schulden, die sich auf eine Million Euro belaufen würden, zu tilgen und das Kapital durch die Gründung einer Nebengesellschaft zu erhöhen. Nach der Einstellung einer Güterverkehrslinie zwischen Figeac (Lot) und Saint-Jory (Haute-Garonne) Anfang 2023 wurde die Inbetriebnahme der Strecke Lyon - Bordeaux für den Personenverkehr erneut verschoben.

Vor dem Hintergrund der europaweiten Öffnung des Schienenverkehrs für den Wettbewerb wollte das Unternehmen alte, nicht betriebene Strecken wieder eröffnen und Nutzer und Reisende in ein Genossenschaftsmodell einbeziehen, in das auch lokale und departementale Gebietskörperschaften eingebunden waren. Mit fast 16.000 Genossenschaftsmitgliedern stieß Railcoop jedoch schnell auf ein unzureichendes Budget und die Schwierigkeit, mit SNCF Réseau zusammenzuarbeiten.

"Obwohl wir Slots erhielten, erlegte uns SNCF Réseau schwere technische Beschränkungen auf und verlangte vor allem eine Streckengebühr, die uns zum Verhängnis wurde", sagt ein Mitglied, das anonym bleiben möchte. Auch innerhalb des Unternehmens kam es zu Spannungen, nachdem man bei Serena Partners vorstellig geworden war, "weit entfernt vom genossenschaftlichen Geist", so der Gesellschafter.

Im September verstärkte Railcoop die Spendenaufrufe der Bürger, kontaktierte seine 14.500 Mitglieder und konnte im letzten Anlauf knapp 400.000 Euro zusammenbringen. Aber die Menge reicht nicht aus. Mehr als 100.000 Euro fehlen , um Gehälter zu bezahlen und Rechnungen zu begleichen.

Railcoo prüft derzeit laut AFP "alle möglichen Mittel", um eine gerichtliche Liquidation zu vermeiden. Ein letzter Spendenaufruf könnte gestartet werden, um zu versuchen, die Lücke zu schließen. Auch an eine Beteiligung des Staates an der Genossenschaft wird gedacht.

Im Falle eines Scheiterns, "wenn wir die Erfolgsaussichten als zu gering einschätzen, werden wir weder das Geld der Mitglieder noch der Öffentlichkeit weiter in Anspruch nehmen und dann ein Liquidationsverfahren vorschlagen", heisst es von Seiten der Gesellschaft.

WKZ, Quelle France3, Le Monde, Actu, Capital

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