Tschechien: Die Mittelböhmische Region prüft die Möglichkeit eines RegioTram-Systems


Fotos Dr. Klaus-Peter Lorenz (Deutschland), Rudolf Koller (Ungarn).
Die Mittelböhmische Region (Středočeský kraj) will die Möglichkeit des Einsatzes von Straßen- und Stadtbahnen prüfen, die in Zukunft in vier eng mit Prag verbundenen Gebieten Verkehrsleistungen erbringen könnten. Auf ihrer Sitzung am 19.10.2023 genehmigten die Abgeordneten die Vergabe von zwei Aufträgen für legislative und betriebliche Studien an zwei ausgewählte Auftragnehmer. Sie sollen im nächsten Jahr fertiggestellt werden. Die Verträge wurden vom Integrierten Verkehr der Mittelböhmischen Region (Integrovaná doprava Středočeského kraje, IDSK) ausgearbeitet.
In der Mittelböhmischen Region könnten in Zukunft nicht nur Züge, sondern auch Straßen- und Stadtbahnen als Teil des öffentlichen Verkehrs eingesetzt werden. Je nach gewähltem Verkehrsmittel könnten sowohl das städtische Straßenbahnnetz als auch möglicherweise das regionale Eisenbahnnetz gleichzeitig genutzt werden. Zu Beginn des Projekts wird die Region jedoch zunächst zwei Studien - eine legislative und eine betrieblich-technische - erstellen lassen. Die Vergabe der Aufträge an die beiden Unternehmen wurde jetzt von den Kreisräten gebilligt.
"Man muss bedenken, dass die tschechische Gesetzgebung noch nicht für den Betrieb von Straßen- und Stadtbahnen ausgelegt ist. Wir sehen den Einsatz dieser Technologie als Chance für die weitere Entwicklung des Schienenverkehrs in der Mittelböhmischen Region, auch auf Strecken, die für die herkömmliche Bahn nicht sinnvoll sind", sagt Petr Borecký, Stadtrat für öffentlichen Verkehr. "Und das alles bei vertretbaren Auswirkungen auf den Staats- und Regionalhaushalt."
Die legislative Studie von der Mobilitätsberatung Ing. Vojtěch Novotný, Ph.D., wird die rechtlichen und technischen Standards bestehender Operationen im Ausland recherchieren und analysieren und die Möglichkeit der Umsetzung in tschechisches Recht prüfen. Die Modellländer werden Deutschland und Ungarn sein. "Deutschland wurde ausgewählt, weil es über langjährige Erfahrungen mit dem Betrieb dieser Systeme verfügt, und zwar in mehreren integrierten Verkehrssystemen. Die Analyse der ungarischen Gesetzgebung soll die tatsächlichen Möglichkeiten der Umsetzung in das tschechische Rechtsumfeld aufzeigen, da das Straßenbahnsystem hier relativ neu ist und im Gegensatz zu Deutschland größere technische und rechtliche Hindernisse im Zusammenhang mit der schrittweisen Verschärfung von Sicherheits-, Lärm- und anderen Grenzwerten und Normen, einschließlich der aktuellen Auflagen der Europäischen Kommission, zu bewältigen waren", erklärt Petr Borecký.
Andererseits wird das Beratungsbüro PROVED eine operative und technische Studie erstellen. "Sie wird sich auf die tatsächlichen technischen Lösungen für vier spezifische Bereiche konzentrieren, in denen das Potenzial für die Nutzung dieses - in der Tschechischen Republik - neuen Verkehrsträgers erwartet wird, insbesondere geht es um die Untersuchung der Möglichkeiten im Falle der Eisenbahnlinien Praha - Hostivice - Rudná u Prahy, Čelákovice - Neratovice, Praha - Vrané n. V. - Čerčany/Dobříš und der Eisenbahnlinien 012, 013, 014, 212 und 235 in der Umgebung von Kutná Hora und Kolín. Die Studien werden sich auch mit der Schaffung möglicher Pilotprojekte befassen, die wir gemeinsam mit der Eisenbahnverwaltung ins Leben rufen möchten", sagt Petr Borecký.
Die Studien sollen ein geeignetes Verkehrskonzept für die Erbringung von Dienstleistungen in den betreffenden Gebieten analysieren und vorschlagen. Die Studie soll auch die geschätzten Kosten für die Anpassung der Infrastruktur für Züge, Stadtbahnen und Straßenbahnen enthalten.
Für jeden Standort umfasst die Studie beispielsweise eine Analyse der aktuellen Situation, eine Definition der Möglichkeiten und des mittel- und langfristigen Verkehrspotenzials des Gebiets, einen Vorschlag für die Modernisierung des verkehrstechnischen Betriebskonzepts, den zu erwartenden Fahrzeugpark oder die Eignung von Fahrzeugtypen usw.
Beide Dokumente sollen bis Ende Juni 2024 fertiggestellt sein, woraus sich weitere Termine wie der Beginn des Bahnbaus und der Beginn der Einführung der Technik ergeben sollen. Die Gesamtkosten der Verträge belaufen sich auf ca. 3,3 Mio. CZK inkl. MwSt (130.000 EUR).
Martin Kubík, WKZ, Quelle Středočeský kraj




