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Sonntag, 29 April 2018 08:39

Frankreich: Weiter abnehmende Streikbereitschaft, Gespräche mit dem Premierminister am 7. Mai, Neuer Streikplan am Mittwoch

Heute (29.04.18), dem zwölften Tag des Streiks gegen die Bahnreform, erwartet die SNCF, dass die Hälfte der TGV und ein Drittel der Intercités unterwegs sein wird. Drei Transilien von fünf und zwei TER von fünf werden am Sonntag, dem Tag des Ferienendes für die Zone C und dem Brückenwochenende zum 1. Mai ausfallen. Drei von vier internationalen Zügen werden verkehren.

28% der Eisenbahner haben am Samstag (28.04.18) gestreikt, gegenüber 48% zu Beginn des Konflikts. Zum ersten Mal gaben weniger als 50% der Lokführer (49,6%) an, streiken zu wollen, verglichen mit 77% am ersten Tag der Bewegung. Aber die Zahl der streikenden Lokführer liegt weiter höher als die der Eisenbahner insgesamt.

Die Gewerkschaften CFDT und Sud-Rail erwägen eine Änderung des Streikplans der SNCF, um den Zeitplan für die geplanten Arbeitsunterbrechungen über derzeit zwei von fünf Tagen bis zum 28. Juni zu ändern. Derzeit sind diese Streiktage geplant und daher im Voraus bekannt. Die SNCF kann dann, je nach Prognose der Anzahl der Streikenden, insbesondere aufgrund früherer Arbeitsunterbrechungen, ihren Transportplan organisieren. Eine Änderung des Streikplans würde der Mobilisierung, die sich derzeit verlangsamt oder sogar bröckelt, neuen Schwung verleihen.

Nach den von der Zeitung Libération gesammelten Informationen scheint dieser Vorschlag jedoch nicht die Zustimmung der CGT zu erhalten. Die vier Gewerkschaftsorganisationen der SNCF haben für diesen Mittwoch um 13.00 Uhr eine Pressekonferenz geplant, um ihre Strategie für die kommenden Tage zu erläutern.

Nachdem die Eisenbahner eine Weiterführung der Gespräche mit Verkehrsministerin Elizabeth Borne abgesagt hatten, werden sie jetzt am 07.05.18 von Premierminister Édouard Philippe persönlich empfangen. Roger Dillenseger, Generalsekretär der Gewerkschaft Unsa-Fraviaire sieht vor allem auch die "nachhaltige Finanzierung des Eisenbahnsystems" als Gesprächsthema.

Für Patrick Jeantet, dem Geschäftsführer des Infrastrukturverwalters SNCF Réseau, sind die großen Diskussionen über die Neudefinition des französischen Eisenbahnmodells vor dem Hintergrund der sozialen Bewegung der Eisenbahner "nicht nur eine Frage der Schlichtung zwischen der Last, die der Staat trägt, und der Last, die das Unternehmen trägt". Es ist auch ein Wettbewerbsproblem für den Eisenbahnsektor insgesamt. Ihm zufolge muss die "Bahninflation", der Anstieg der Kosten des Sektors, der derzeit über 2% pro Jahr liegt, dringend beendet werden. SNCF Réseau ist bekannt für seine abgrundtiefe Verschuldung von 46,6 Mrd. Euro Ende 2017, die stetig wächst. Gegenwärtig fehlen ihr 1 Mrd. Euro pro Jahr, um ihre Ausgaben zu decken, während sie 1,5 Mrd. Euro an Finanzaufwendungen zahlen muss.

WKZ, Quelle SNCF, Europe 1, Le Figaro, Le Point, Liberation

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