Mit grosser Zufriedenheit hat die citrap-vaud die Bahnstrategie 2050 des Kantons Waadt zur Kenntnis genommen. Sie begrüsst insbesondere den Wunsch, neue Strecken zu bauen, sowohl für den internationalen und nationalen Verkehr als auch für den Regionalverkehr, wodurch der Marktanteil der Schiene verdoppelt werden soll. Dies ist ein riesiger Sprung nach vorne. Leider gibt es keinen föderalen Rahmen, der es diesen Projekten ermöglicht, ihr volles Potenzial zu entfalten. Es ist nämlich technisch unmöglich, ein vertaktetes Waadtländer Netz zu entwickeln, ohne dass zuvor ein nationaler und europäischer Fahrplan festgelegt wird.
Die citrap-vaud setzt sich seit vielen Jahren für eine Neubaustrecke Lausanne - Genf ein, insbesondere über ihren 2010 veröffentlichten Plan Rail 2050 und ihr 2014 veröffentlichtes Weissbuch. Eine Vielzahl von Informationen über den öffentlichen Verkehr ist auf citrap-vaud.ch zugänglich.
Ein waadtländischer Quantensprung und der Bund, der auf einer Strategie beharrt, die schlechte Zahlen nutzt
Die neue Linie Lausanne - Genf ist eine wiederkehrende Forderung der citrap-vaud. Sie begrüsst zwar den Willen, eine Redundanz zwischen Lausanne und Genf zu schaffen, bedauert aber, dass es sich in Wirklichkeit nur um eine neue Linie Morges - Prégny (GE) handelt. Die Fertigstellung der Planung der neuen Strecke, einschließlich des unterirdischen Bahnhofs in Lausanne, ist eine Notwendigkeit für die europäische Ost-West-Achse und erfordert vorbereitende Bauwerke im Tunnel Morges-Perroy, um den Bahnhof von Morges zu vermeiden.
In der Deutschschweiz und im Tessin existieren bereits sechs solcher Vorbereitungsbauwerke, und weitere sind geplant. Warum nicht auch in der Westschweiz? Es ist nicht sinnvoll, den gesamten Verkehr über Morges zu leiten: Dies schafft eine grosse Verletzlichkeit im Falle einer Unterbrechung der Strecke und belastet die Bevölkerung mit dem Transitverkehr. citrap-vaud erinnert daran, dass die Motion "Croix fédérale (Bundeskreuz) die Planung "aller fehlenden Streckenabschnitte" von "Grenze zu Grenze" fordert und ein dem Kanton zur Verfügung stehendes Instrument ist, um vom Bund die Studie einer Neubaustrecke Morges - Lausanne inklusive unterirdischem Bahnhof zu fordern. Darüber hinaus ist keine Fahrzeitverkürzung zwischen Lausanne und Genf vorgesehen, was nicht im Einklang mit einer Neubaustrecke und der Notwendigkeit steht, die Schiene auf langen Strecken, einschließlich europäischer Ziele, wettbewerbsfähig zu machen.
Citrap-Vaud begrüsst die Absicht, die Fahrzeit Lausanne - Bern auf 45 Minuten zu reduzieren, was ein ehrgeiziges Ziel ist, das der internationalen, nationalen und regionalen Herausforderung gerecht wird. Allerdings fügt sich dieses in das von der alten Bahn 2000 übernommene Fahrplankonzept ein. Das Fehlen eines Fahrplankonzepts für den Horizont 2050 seitens des Bundes macht die Projekte des Kantons zur Erhöhung der Geschwindigkeit, sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene, unsicher. Um einen Schmetterlingseffekt zu vermeiden, sollten zudem die Abfahrtszeiten der Züge an den Drehkreuzen Lyon, München, Frankfurt oder Mailand auch mit unseren europäischen Partnern abgestimmt werden. Andernfalls käme es durch den Nebeneffekt einer Lotterie gleich, ob die Regionalzüge der Broye, von Orbe, der LEB, der TPC oder auch der TPF alle wünschenswerten Anschlüsse an den nationalen und internationalen Verkehr gewährleisten können.
Citrap-Vaud ist besorgt über die Strategie des Bundes, sich auf "kurze und mittlere Distanzen" (weniger als 50 km) zu konzentrieren, die auf schlechten Zahlen beruht, da das Bundesamt für Verkehr (BAV) sich dafür entschieden hat, sich auf die Anzahl der Reisenden anstatt auf die Anzahl der Personenkilometer zu stützen, wodurch die Ergebnisse über das wahre Eisenbahnpotenzial verfälscht werden, wie SwissRailvolution zu Recht festgestellt hat.
citrap-vaud erinnert auch an die Position des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), dass die vom Bundesparlament beschlossenen Infrastrukturentwicklungen im Jahr 2026 von einem "viel besser verfeinerten" Fahrplankonzept 2050 abhängig gemacht werden müssen, oder an die Position der SBB, die nicht für kurze Strecken ist und eher die langen Strecken entwickeln möchte. Nach dem Waadtländer Sprung nach vorne liegt der Ball nun im Feld des Bundes, von dem sich citrap-vaud ein ehrgeiziges Fahrplankonzept für die schweizerische und europäische Schiene erhofft, das das gesamte Wettbewerbspotenzial des öffentlichen Verkehrs von den Waadtländer Ortschaften bis zu den europäischen Drehkreuzen maximieren soll.
WKZ, Quelle citrap-vaud