

Nachdem wir drei Tage in Lille verbracht hatten, fuhren wir nach Calais, ca. 110 Kilometer und eine Stunde Fahrzeit entfernt. Die Hafenstadt mit ihren über 63.000 Einwohnern liegt in Nordfrankreich und ist vor allem bekannt durch den Eurotunnel (TGV-Bahnhof Calais Fréthun), den Shuttle für Kraftfahrzeuge und natürlich die Fährterminals.
Besonders sehenswert ist das Rathaus mit seinem Glockenturm, dem Belfried. Auf dem Platz davor finden regelmäßig Märkte und Feste statt. Bedingt durch die Zerstörung im 2. Weltkrieg ist nicht mehr viel alte Bausubstanz vorhanden. Der an sich modern wirkende Place des Armes strahlt eine Nüchternheit aus, wie sie in Städten Frankreichs untypisch ist. Die sozialen Probleme der Arbeiterstadt und ihrer niedergegangen Industrie zeigen sich in Form von zahlreichen aufgegebenen Geschäften, Bars oder Hotels. Die Shopping Mall "La Coeur de Vie" wirkt verwaist, mehr als die Hälfte der Geschäfte stehen leer.
Die Strandpromenade wurde in den letzten Jahren erheblich aufgewertet und bietet viele Freizeit- und Sportmöglichkeiten.
Den "Hochsicherheitstrakt" rund um das Eurotunnel-Terminal schenkten wir uns und besichtigten stattdessen den alten Bahnhof Calais Ville. Hier fahren überwiegend TER nach Amiens, Boulogne sur Mer, Lille Flandres, Hazebrouck, Dunkerque sowie natürlich nach Paris (Gare du Nord, knapp 3 Stunden Fahrzeit) und Arras. TGV verkehren hier seit Jahren nicht mehr. Calais Fréthun wird ebenfalls nur noch sporadisch von Hochgeschwindigkeitszügen bedient; nachdem es seit Juli 2011 drei tägliche Zugpaare des Eurostar gab und diese aufgrund der Corona-Pandemie in 2020 aufgegeben wurden, ist London nicht mehr direkt von Fréthun zu erreichen. Derzeit existieren für eine Wiederaufnahme der Verbindungen keine Pläne.
Eine Besonderheit in Calais ist der seit dem 21.12.19 kostenlose Nahverkehr. Dieser wird sowohl mit elektrischen Kleinbussen (Sonderbauart) als auch mit herkömmlichen Omnibussen abgewickelt – 13 Linien für Calais-Ville und die Gemeinden Sangatte, Blériot-Plage, Coquelles, Coulogne, Guînes, Marck, Les Attaques, Fréthun, Nielles-les-Calais und Hames-Boucres. Eine direkte Verbindung von der Innenstadt zum Hafen/Fährterminal ohne festen Fahrplan ist außer sonntags alle 20 Minuten möglich.
Aufgrund von Wartungsarbeiten verkehrt " Majest’in », der Wasserbus, derzeit nicht. Voraussichtlich im Frühling wird dieser Dienst wieder zur Verfügung stehen.
Wir bedanken uns herzlich bei Mme Marion Harmel, Bureau Pas-de-Calais Tourisme, für die Unterstützung und bei Frau de Chambure für die Übersetzungen
• Der Bahnhof Calais Ville mit nüchtener Architektur.
• Ein TER HDF fährt um 12.45 Uhr pünktlich nach Hazebrouck ab.


• Der Pendelbus "La Balad'in" an der Endstation Ferry Terminal
• Hotel de Ville, erbaut 1912-25 mit seinem 75 Meter hohen Glockenturm ("Belfried") dürfte das sehenswerteste Gebäude in Calais sein
Text und Fotos: Guido Bieniek / Michelle Baumgartner